Rezension/Kritik - Online seit 02.02.2026. Dieser Artikel wurde 1130 mal aufgerufen.
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Als ich 13 Jahre alt war, Anfang der 80er, spielte ich E-Gitarre und war Gitarrist eine Heavy Metal Band. Leider war ich dies nur für einen Monat und wenig später hängte ich dieses Hobby an den Nagel, um mich einer seriösen Karriere zu widmen. Was wäre aus mir geworden, hätte ich das Spielen fortgeführt? Ein Metal Head bin ich schließlich noch heute.
Jetzt endlich, mit Rock Hard 1977, habe ich die Gelegenheit, meine entgangene Karriere spielerisch nachzuleben. Wie authentisch kommt dieses Spiel daher? Was steckt hinter der Autorin Jackie Fox? Der Name kommt mir irgendwie bekannt vor …
Bei Rock Hard 1977 gehen wir zurück in die damalige Zeit und versuchen als Musiker aus dem bislang noch ambitionierten Hobby einen Beruf zu machen und möglichst „fame“ zu werden. Zur Messung gibt es keine Follower (wir sind ja in 1977), sondern Ruhmespunkte.
Alle Spieler starten mit einem der 10 Charaktere. Diese haben jeweils einen eigenen Lebenslauf, ein Musikinstrument (Schlagzeug, Bass, E-Gitarre, Keyboard und Gesang) und individuelle Handlungsvorteile, die im Spiel genutzt werden können. Zudem hat man ein Spieler-Tableau mit Mischpult-Dreh-Reglern, mit denen man seine Fertigkeiten, Reputation, geschriebene Songs, Tantiemen-Status und Sucht-Level einstellen kann.
Dazu kommt jeweils ein Manager, der ebenfalls über unterschiedliche nutzbare Sondermöglichkeiten verfügt, und natürlich darf ein Job nicht fehlen, mit dem man sich versucht über Wasser zu halten. Es gibt normale Nine-to-Five-Jobs (wie z. B. im Büro), Abendjobs (wie Bar-Keeper), Nachtjobs (wie LKW-Fahrer) und Schicht-Jobs (in denen man zu unterschiedlichen Tages-Phasen arbeiten muss). Last but not least kommen noch individuelle persönliche Ziele hinzu, die manchmal offen ausgelegt werden, aber manchmal erst zu Spielende zählen und bis dahin verdeckt bleiben.
Über einen Workerplacement – Mechanismus gibt es nun über den Tag in 3 Abschnitte verteilt (Tag, Abend, Nacht) die Möglichkeit die verschiedensten Dinge zu tun:
Man kann Songs schreiben, in den Proberaum gehen, Radio-Interviews führen, Promoter oder einen Presseagenten anwerben, ein Demo-Tape aufnehmen oder einfach nur rumhängen. Wenn man zu Beginn Geld verdienen möchte, muss man jedoch arbeiten gehen und je nachdem, wann man arbeitet, entfallen die Aktionen in dieser Tagesphase. Wer nicht zur Arbeit erscheint erhält einen „blauen Brief“ und nach dem 3. blauen Brief wird man gekündigt. Da bleibt dann höchstens noch Blut spenden als Geldeinnahmequelle.
Oder man fängt an Gigs zu spielen. Dies können Gelegenheits-Gigs sein (die jede Runde andere Optionen bieten), aber auch Konzerte in kleineren Locations oder in großen Stadien. Dafür muss man jedoch Crews anwerben, die einem das Equipment schleppen und man benötigt irgendwann hierfür auch einen Schallplattenvertrag und generell ein gewisses Repertoire an Songs und natürlich auch immer mehr ausgeprägte musikalische Fertigkeiten.
Man kann in den verschiedensten angesagten Locations rumhängen und dort Menschen treffen, die Vorteile bringen können.
Alle diese Aktionen können auch die 3 Regler für Fertigkeiten, Reputation und geschriebene Songs erhöhen, was wiederum notwendig ist, um einen Plattenvertrag zu bekommen, etc.
Es ist also nicht möglich, alle Aktionen von Beginn an durchzuführen, denn jede Aktion hat Grundbedingungen, die erfüllt werden müssen. Erst dann kann man seine Figur auf das Aktionsfeld stellen und die Aktion durchführen. Auch das ist nur möglich, wenn das Feld noch nicht durch jemand anderen besetzt ist. Denn wenn ein anderer Spieler schneller war, ist das Feld belegt und man muss hoffen, in der Folgerunde auf das Feld zu kommen. Somit ist auch die Beeinflussung der Spieler-Reihenfolge von Relevanz. Diese kann sich in jeder Runde ändern.
Um auch mal mehr Aktionen an einem Tag durchführen zu können, gibt es die „Bonbons“… die Wachmacher - wir alle wissen, was damit gemeint ist. Wer diese besitzt und nutzt, kann ggf. mehr als 1 Aktion pro Tages-Phase durchführen, erhöht jedoch dadurch seinen Suchtlevel und wird ggf. irgendwann süchtig. Dann muss ein Zwischenstopp in der Entzugsklinik durchgeführt werden.
Gespielt wird 9 Monate von April bis Dezember und pro Monat jeweils eine Tag-, Abend- und Nacht-Phase. Alle 3 Monate wollen auch noch die Manager bezahlt werden, also muss man sein Geld zusammenhalten. Wer einen Plattenvertrag hat, freut sich jedoch über regelmäßige Tantiemen und bekommt damit eine konstante Einnahmequelle und kann ggf. dann auf den lästigen Job verzichten.
Beeinflusst wird das Spielgeschehen von positiven und negativen Ereignissen in jeder Runde. So kann die eine oder andere Location mal für eine Runde nicht erreichbar sein oder man bekommt einen besonderen Bonus.
Ruhm-Punkte erhält man durch einige der Aktionen (z. B. Konzerte, Plattenverträge) und durch das Erfüllen der individuellen Ziele. Zudem gibt es auch noch 3 allgemeine Ziele, die in jedem Spiel unterschiedlich sind, aber dann für alle Spieler identisch. Diese Ziele sind konkurrierend, d. h. wer das Ziel zuerst erreicht, erhält mehr Punkte als die folgenden Spieler.
Wer zu Spielende die meisten Ruhm-Punkte vorweisen kann, gewinnt Rock Hard 1977.
Ich fange mal mit der Autorin an, Jackie Fox, die in der Band „The Runaways“ als Bassistin gespielt hat. Wer diese Band nicht kennt, sollte mal „Cherry Bomb“ streamen. Zumindest den „älteren Semestern“ dürfte dies bekannt sein. Andere Mitglieder dieser Band waren Joan Jett (Joan Jett & the Blackhearts; „I love Rock 'n' Roll) oder Lita Ford (Duett mit Ozzy Osbourne; „Close my eyes together”) - sehr bekannte Rock-Größen, die auch noch heute aktiv Musik machen.
Obwohl „The Runaways“ nur 4 Jahre, von 1975 bis 1979, existierten, spürt man bei Rock Hard 1977, dass hier viel reale Rock-Business-Erfahrung eingeflossen ist. Das Spiel ist nicht nur optisch mit seinen Mischpult-Drehreglern, den jeweiligen Rock-Star-Charakteren und den dazugehörigen Spiel-Figuren, den Gitarren-Plektrons für die Anzeige der Spieler-Reihenfolge etc. ein absoluter Hingucker, sondern enthält sehr viele Details, die dieses Spiel absolut authentisch machen.
Man taucht quasi in die Welt eines Rockmusikers ein und versucht, sich Schritt für Schritt zum Rockstar hochzuarbeiten. Es gibt viele Optionen, aber die grafische und materialtechnische Gestaltung und das Thema selbst machen den Einstieg sehr einfach, so dass das Spiel nicht zu komplex wird.
Natürlich muss man, wie auch im realen Rock-Leben, etwas frustresistent sein, wenn es mal nicht so läuft, wie gewünscht, denn manchmal sind andere schneller und man muss sich etwas gedulden oder man begegnet Menschen, die einem im Leben nicht wirklich so weiterhelfen, wie man es sich von ihnen wünschen würde. Es gibt somit durchaus einen nicht zu vernachlässigen Glücksanteil, was nicht jeder Spieler in einem Worker-Placement-Spiel möchte.
Nichtsdestotrotz sollte man gut planen, um eine Chance auf den Sieg zu haben und dies lässt noch ausreichend Spielraum für Strategie und Taktik. In unseren Runden waren die Abstände zwischen den Spielern nicht sehr groß, was die Partien bis zum Schluss spannend machte.
Das Spiel verfügt über sehr viel Variabilität über die unterschiedlichen Charaktere, die Manager, die Jobs, die individuellen Sonderziele, die von Spiel zu Spiel unterschiedlichen Ziele sowie durch Ereigniskarten, die wechselnde Gelegenheitsgigs und Begegnungen beim Abhängen in den angesagten Locations. Jedes Spiel wird also etwas anders verlaufen.
Die Spielzeit von 90 Minuten ist aus meiner Sicht nur bei erfahrenen Spielern in einer Runde von 2-3 Spielern möglich, für die es auch eine extra Spielfeldseite gibt. In einer Partie von 4-5 Spielern muss man im Normalfall von 2 Stunden und bei noch etwas unerfahreneren Spielern auch bis zu 3 Stunden ausgehen. Rechnet man Auf- und Abbau hinzu, ist damit der Spieleabend schon gefüllt.
Auf den Punkt gebracht: Hard Rock 1977 ist ein vom Spielmechanismus durchschnittlich solides und nicht allzu komplexes Worker-Placement Spiel mit viel Variabilität, das durch sein wundervolles Material und die Optik punktet. Vor allem durch die grandios-authentische thematische Umsetzung wird es für mich zu einer kleinen Perle für alle Spieler, die vielleicht mal gerne Rockstar geworden wären oder zumindest diesem Genre zugeneigt sind.
Spielerisch ist es kein "schweres Gepäck", allerdings ist es auch kein Spiel für zwischendurch: Man benötigt Zeit, wenn man Rockstar werden möchte und das sollte man auch zelebrieren. :-)
Rezension Frank Gartner
Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.
H@LL9000 Wertung Rock Hard: 1977:
5,0, 3 Bewertung(en)
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06.01.26 von Frank Gartner - Die Aufmachung bekommt eine 7 von 6 möglichen Punkten von mir! Auch für die Stimmigkeit! Hier fühlt sich nicht so an, als hätte man einem Spiel krampfartig ein Thema aufgesetzt, sondern eher, wie kommt man vom Thema auf ein Spiel. Dieser Sprung ist meisterlich gelungen. Spielerisch keine Innovation aber durch das Thema und die liebevolle Umsetzung ist das Spiel Hard Rock 1977 für mich als Hard Rocker ein absolutes Muss! |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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05.12.25 von Michael Andersch - Im Kern ein Workerplacement mit nur einem Worker (ähnlich wie Beyond the Sun) fängt das Spiel fängt das Thema wirklich klasse ein - das Setting, die Kartentexte, alles ist absolut gelungen. Mechanisch ist es irgendwie nichts Besonderes, im Grunde würde ich nur 4 Punkte für den Spielreiz vergeben, aber die liebevolle und absolut gelungene Umsetzung ist auf jeden Fall einen dicken Extrapunkt beim Spielreiz wert. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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09.12.25 von Michael Timpe - Schliesse mich meinem Namensvetter an, das Spiel ist völlig OK, aber mechanisch eins von vielen. Die Thematik, vom Job bis zu den Gigs und Partys, das macht super Spass und hebt das Spiel hervor. Von daher mit 5 Punkten gut bewertet, spiel ich gerne noch mal. |
Leserwertung Rock Hard: 1977:
4.5, 4 Bewertung(en)
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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28.11.25 von SpielerB - Rock Hard hatte schon auf der Spiel\\'24 viel Aufmerksamkeit bekommen, so war ich überrascht ein Jahr später ein Probespiel auf der Messe spielen zu dürfen: ich habe es dann direkt gekauft. Die Aufmachung Top! Acryl-Standees, unterschiedlich gestaltete Geldscheine, Flavor Text über Flavor Text. Das Theming ist super: Gehe ich schnöde arbeiten da ich das Geld brauche oder spiele den nächsten Gig? Die Bonbon Mechanik führt zu einigem witzigen Tabletalk, bringt aber auch eine große Glückskomponente in dieses eher einfachen Workerplacement Spiel: Während ich glücklich mich um Kopf und Kragen um meinen Sucht-Wert würfle, zieht mein Mitspieler immer das zuckerfreie Bonbon... Trotz unterschiedliche Sänger und Manager Fähigkeiten, denke ich, dass jedes Spiel doch letztendlich recht ähnlich verlaufen wird. Ein Spiel das ich gerne immer wieder mitspielen werde, die Note kann sicherlichfür hardcore Rock Brettspiel Fans höher ausfallen ;) |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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06.12.25 von Jörn - Für mich als Musikliebhaber und Konzertgänger absolut empfehlenswert. Allein wegen der Umsetzung, aber der neue besondere Kniff ist natürlich nicht vorhanden. Die Mechanismen sind bekannt. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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17.12.25 von Hans Huehnchen - Rock Hard 1977 trieft vor Thema - Material und die Aufmachung passen hervorragend dazu. Mechanisch ist das Spiel Standard-Workerplacement und dazu über die Partien hinweg - trotz einiger Varianz beim Aufbau und Zufallselemente - leider erstaunlich repetetiv. Ohne die stimmige Aufmachung würde ich nur eine 3 von 6 vergeben. |
| Aufmachung | Spielbarkeit | Interaktion | Einfluss | Spielreiz | Kommentar |
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02.02.26 von Walter - Nichts neues in Sachen Spielablauf. Aber mit dieser Aufmachung ein toller Hingucker. Finde es wirklich thematisch absolut top. Nicht jeden Tag zum spielen, aber gerne öfters. ( so Nebenbei, ich war tatsächlich Live an einem Konzert der Runaways...) |