Rezension/Kritik - Online seit 11.11.2014. Dieser Artikel wurde 3360 mal aufgerufen.

Cartagena

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Autor: Leo Colovini
Illustration: Claus Stephan
Studio Tapiro
Christoph Clasen
Didier
Martin Hoffmann
Verlag: Ravensburger Spieleverlag GmbH
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 5
Dauer: 20 - 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
5,4 5,4 Leser
Ranking: Platz 391
Cartagena

Spielziel

Also ich würde mir an der Stelle des Gefängnisdirektors von Cartagena ernsthafte Gedanken über die Sicherheitsvorkehrungen und die Maßnahmen zur Verhinderung von Ausbrüchen machen. Bereits vor 14 Jahren gelang einer Handvoll Piraten die Flucht aus der berüchtigten Festung von Cartagena, damals unter der Leitung von Winning Moves. Und jetzt sind schon wieder einige der Häftlinge ausgebüchst. Diesmal sollen Männer aus Ravensburg die Flucht geplant haben ...

Ablauf

Die Ausbrecher haben diesmal jedoch einen anderen Fluchtweg gewählt. Nicht durch den dunklen, engen, gewundenen Tunnel suchen sie ihren Weg in die Freiheit, sondern durch einen undurchdringlichen Dschungelpfad. Fünf der sechs Spielplanteile werden auf beliebige Weise so aneinander gelegt, dass ein durchgehender Pfad entsteht. An einem Ende befindet sich der Sammelplatz, auf dem alle Piraten - je vier pro Spieler - starten. Das Ziel - das rettende Ruderboot - liegt am anderen Ende der Strecke.

Auf jedem Spielplanteil sind auch je sechs unterschiedliche Symbole abgebildet: Rumflasche, Schlüsselbund, Pistole, Enterhaken, Laterne und Fernrohr. Diese sind für die Bewegung relevant und finden sich auch gleichmäßig verteilt auf den 90 Spielkarten (je 15 Stück). Vom gut gemischten Stapel erhält der Startspieler 6 Spielkarten, die anderen Spieler im Uhrzeigersinn jeweils eine Karte weniger.

Der Spielablauf ist sogar für den einfältigsten Deckschrubber leicht zu kapieren. Wer an der Reihe ist, darf zwei Aktionen mit seinen Piraten ausführen. Dabei kann er für jede Aktion entscheiden, ob er eine Karte ausspielt und damit einen eigenen Piraten vorwärts zieht - und zwar auf das nächste unbesetzte Symbol der ausgespielten Art. Oder ob er einen eigenen Piraten auf dem Pfad rückwärts zieht, und zwar zum nächsten Feld zurück, das mit ein oder zwei beliebigen Piraten besetzt ist, und dann entsprechend eine oder zwei Karten nachzieht. Sobald es ein Spieler auf diese Weise geschafft hat, dass alle seine vier Piraten auf dem Boot stehen, hat dieser das Spiel gewonnen.

Fazit

Zwei Dinge sind wichtig, um sich bei der "spannenden Flucht aus der Festung" - so der Untertitel - gegen die Mithäftlinge durchzusetzen. Zum einen gezieltes Kartenmanagement. Im Gegensatz zu vielen kartengesteuerten Laufspielen gibt es hier nämlich keinen geregelten Kartennachschub. Man zieht also nicht etwa automatisch am Ende des Zuges eine Karte nach. Nachdem die Handkarten durch das Vorwärtsziehen von Figuren immer weniger werden, gilt es irgendwann einmal, eigene Piraten auch wieder rückwärts zu ziehen, um neue Karten zu erhalten. Vereinfacht könnte man zusammenfassen: Karte weg > Figur vorwärts, Figur rückwärts > Karte(n) hinzu.

Zum anderen ist taktisch kluger Einsatz der beiden Aktionsmöglichkeiten gefragt. Es gilt, die knappen Ressourcen gut zu verwalten. Beim Vorwärtsziehen kann man weite Wege machen, wenn die nächsten Symbole der ausgespielten Karte bereits besetzt sind, und Rückwärtsziehen sollte man dann ausnutzen, wenn man nicht allzu viele Felder verliert und/oder die Chance auf 2 Karten hat. Beides erfordert allerdings viel Überblick.

Die Interaktion ist jedoch bei Cartagena fast nicht vorhanden. Sie beschränkt sich darauf, dem nachfolgenden Spieler möglichst keine Vorlagen zu liefern. Ansonsten ist es ein reines Optimieren der eigenen Möglichkeiten, gepaart mit flexiblem Reagieren auf sich bietende Gelegenheiten.

Der Glücksanteil ist dafür umso höher. Die Karten werden verdeckt nachgezogen, und durch die geheim gehaltene Kartenhand der Mitspieler lassen sich deren Absichten und Optionen auch nicht erkennen. Für ein lockeres, unterhaltsames Spielchen - die Flucht aus der Festung dauert nur ungefähr eine halbe Stunde - geht es in Ordnung, wenn Fortuna einen gewissen Einfluss hat.

Das Fortgeschrittenen-Spiel dauert dann etwa 15 Minuten länger. Dabei werden alle sechs Spielplanteile verwendet, außerdem spielt jeder dann mit fünf Piraten seiner Farbe. Dies allein reicht schon aus, um die Spieldauer etwas zu verlängern. Es wird aber insgesamt auch ein wenig grübellastiger, da jedem Spieler pro Zug nun drei Aktionen zur Verfügung stehen. Da braucht es automatisch mehr Zeit, wenn jeder Spieler das Optimum aus seinem Spielzug herausholen möchte.

Ich finde, dass das Spiel in der Grundversion vollkommen ausreicht. Da besitzt es meiner Meinung nach das richtige Mittelmaß zwischen Glück und Taktik, und die Spieldauer passt dazu ausgezeichnet. Cartagena ist sicher kein taktischer Leckerbissen, aber gut genug für eine unterhaltsame halbe Stunde "Flucht aus dem Alltag" ;-)

Rezension Franky Bayer

Vergleich

In der Einleitung habe ich ja erwähnt, dass Cartagena eine Neuauflage ist. Das Original aus dem Haus Winning Moves ist eigentlich die Fortgeschrittenen-Variante der Ravensburger-Ausgabe mit nur minimalen Änderungen. Abgesehen von Abweichungen in der Schachtelgröße, den Figuren und der Grafik gab es beim Winning Moves-Spiel mehr Spielkarten. Erwähnenswert ist noch die dort enthaltene "Tortuga"-Version des Spiels, bei der nur mit offenen Karten - Handkarten sowie Nachziehstapel! - gespielt wird. Diese Variante kam bei uns allerdings überhaupt nicht an, da die Downtime durch lange Grübelphasen überproportional ansteigt.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Cartagena: 5,0 5,0, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.07.14 von Franky Bayer - Vor allem vom Material her gelungene Neuauflage des Winning Moves-Klassiker, die auf unnötige Verkomplizierung (zum Beispiel offene Karten) verzichtet). Schwanke zwischen einer 4 und einer 5 und entscheide mich wohlwollend für Letzteres.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.11.14 von Sandra Lemberger - Schöne Neuauflage!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.11.14 von Michael Kahrmann

Leserbewertungen

Leserwertung Cartagena: 5,4 5.4, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.11.14 von Maja
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.11.14 von Dennis L. - Immer noch sehr schön!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.14 von Ulrich Roth - Endlich hat dieses geniale Spiel die attraktive Aufmachung bekommen, die es verdient. Die Reduzierung um eine Figur, die Einführung einer vereinfachten Anfängerversion und die Abschaffung der unsäglichen Variante mit offenen Karten sind alle sehr gute Entscheidungen. Den Glücksanteil halte ich - im Fortgeschrittenenspiel mit drei Aktionen - übrigens für durchaus gering (bei uns gewinnen nämlich immer dieselben, hö hö).
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.14 von Frank Bergner - Grösser und bunter = gleich besser? Wohl kaum. Cartagena bei winning moves wurde dem Spiel vollends gerecht, kleine Verpackung, knackig kurzes Spiel Spiel. Dennoch, Kaufempfehlung, wer das ältere Exemplar nicht hat.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.12.14 von Axel B. - "Cartagena" ist ein Kleinod. Ein einfacher Spielmechanismus, der in 3 Minuten erklärt ist. Trotzdem ist das Spiel nicht simpel, sondern hat taktische Tiefe. Ich habe es mehrfach in 2-er-, 3-er- und 4-er-Besetzung gespielt - immer hat es allen großen Spaß gemacht. Es ist aufgrund seiner kurzen Spieldauer nicht abendfüllend - aber das muss es ja auch nicht sein. Auch beim Essen gibt es schließlich Vor- und Nachspeisen. Deshalb Höchstnote! PS: Meine Bewertung bezieht sich noch auf die alte Ausgabe von Winning Moves.

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