Rezension/Kritik - Online seit 26.08.2011. Dieser Artikel wurde 6995 mal aufgerufen.

Giants

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Autor: Fabrice Besson
Illustration: Miguel Coimbra
Verlag: Pro Ludo
Repos
Rezension: Michael Timpe
Spieler: 3 - 5
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2008
Bewertung: 4,2 4,2 H@LL9000
4,8 4,8 Leser
Ranking: Platz 1230
Download: Kurzspielregel [PDF]
Giants

Spielziel

Vor uns liegen die Osterinseln: Unberührter, leerer weißer Sandstrand, üppige Wälder mit großen Bäumen, dazwischen zwei kleine Berge aus schönem roten und weißen Stein. Was mag man da wohl gerne machen …? Natürlich in die Berge klettern, große Steinfigur ausmeißeln und anschließend (Touristen gibt es noch nicht) am Strand aufstellen. Genau darum geht es bei Giants.
Und eine unglückliche Ähnlichkeit teilt das Spiel jetzt auch schon mit seinem thematischen Vorbild: Ähnlich wie der Ahnenkult auf den Osterinseln ist auch Giants ziemlich untergegangen, fast schon vergessen. Ich meine zu Unrecht und versuche deswegen, hier die Qualitäten dieses sowohl thematisch als auch spielerisch dichten Spiels zu beschreiben.

Ablauf

Moais aus dem Felsen hauen, zum Strand transportieren und dort aufrichten - dieser nicht ganz einfachen Aufgabe widmen wir uns in Runden mit jeweils fünf Phasen und mit zunächst sehr beschränktem Manpower: Ein Häuptling, ein Medizinmann und ein Arbeiter stehen jedem bei Spielbeginn zur Verfügung und beginnen ihr Werk zunächst im Steinbruch: Dort wird zwischen kleinen, mittleren und großen Statuen unterschieden, zu deren Produktion wir entsprechend 1, 2 oder 3 Arbeiter einsetzen müssen. Zum Glück ist der Häuptling sehr stark und zählt gleich für drei Arbeiter. Wie viele Statuen welcher Größe überhaupt produziert werden können, wird jede Runde per Würfelwurf bestimmt.

Nach dem Produzieren planen wir den Weg der Statuen vom Steinbruch an den Strand. Dazu setzen reihum alle Spieler immer eine ihrer noch verbliebenen Figuren (die aus dem Steinbruch sind müde und müssen sich für den Rest der Runde ausruhen) auf ein Feld des Spielplans, im Normalfall dorthin, wo entlang sie später ihre Statue transportieren wollen.

Auch für den Transport braucht man wieder ein bis drei Figuren pro Feld, je nach Größe der Statue. Zum Glück sind die Insulaner ein freundliches Völkchen und helfen sich nach Kräften. Das heißt, in der anschließenden Transportphase kann jeder Spieler seine Statue durch alle Felder bewegen, in denen genug Arbeiter stehen, unabhängig davon, von welchem Spieler diese sind. Allerdings erhalten die Mitspieler jedes Mal, wenn einer ihrer Arbeiter beim Tragen hilft, einen Siegpunkt gutgeschrieben.
Zusätzlich zum Statuen schleppen ist der Medizinmann ein besonders umtriebiges Kerlchen und kann auf einigen Inselfeldern noch zusätzliche Aktionen erledigen: In seiner Hütte unweit des Steinbruchs produziert er ein Stammessiegel, im Dorf wirbt er einen neuen Arbeiter an, und am Strand geht er nicht etwa schwimmen, sondern breitet vorsorglich sein farbiges Handtuch aus, um dem Spieler einen begehrten Bauplatz zu reservieren. Im roten Steinbruch schließlich meißelt er sogar ganz allein einen der tollen Hüte für die Statuen zurecht. Und da der Häuptling dem Medizinmann natürlich nicht nachstehen will, kann er mit Hilfe der Aktion „Rongo-Steintafel zerbrechen“ ebenfalls eine Medizinmannaktion ausführen, sofern er auf einem entsprechenden Inselfeld steht.

In der Transportphase dann werden die Moais über die Insel transportiert und nach Möglichkeit gleich auf geeigneten Plätzen am Strand aufgestellt. Dabei sind die Bauplätze um so wertvoller, je weiter sie vom Steinbruch entfernt sind.
Wer seinen Moai daher ganz bis auf die andere Seite der Insel schaffen möchte, kommt in aller Regel nicht in einer Runde bis ans Ziel und muss ihn dann am Ende der Transportphase erst einmal auf halber Strecke liegen lassen. Hier kommen dann die schon erwähnten Stammessiegel zum Tragen: Um Streit mit den anderen Eingeborenen-Mitspielern zu vermeiden, kann man seine noch nicht aufgestellten Statuen und Steinhüte mit einem Stammessiegel markieren und auf diese Weise reservieren. Was nicht markiert ist, gehört sonst in der nächsten Runde dem Ersten, der sich danach bückt.

Eine andere Verwendungsmöglichkeit für die Stammessiegel ist während der Einsetzphase ein Siegel auszuspielen und dafür eine halbe Rongo-Steintafel zu erhalten (jene, von welchen man zwei braucht, um den Häuptling als Medizinmann zu verwenden). Nur kann man diese Siegel in dieser Runde dann nicht mehr zum Markieren verwenden.

Sind alle Bewegungen beendet, nimmt sich jeder Spieler sein Material wieder zurück hinter seinen Sichtschirm, der Startspieler geht eins weiter und die nächste Runde kann beginnen. Dies solange, bis ein Spieler die je nach Spielerzahl vorgegebene Anzahl von Statuen errichtet hat. Dann endet das Spiel mit der Punktauswertung der aufgestellten Moais. Je 2 gesammelte Steintafeln sind ebenfalls noch 3 Punkte wert.

Fazit

Ich bin begeistert! Giants ist spielerisch keine ganz leichte Kost, bietet dafür aber strategischen Tiefgang gepaart mit thematischer Dichte. Ich fühle mich als Spieler zwar nicht direkt zurückversetzt auf die Osterinsel, aber die thematische Einbettung erscheint stimmig und ist gut umgesetzt, was auch den Spielablauf intuitiv und verständlich macht.
Das Studium der ausführlichen und gut strukturierten Regel erfordert zunächst etwas Zeit, und auch die Mitspieler müssen sich auf gute 20 Minuten Erklärung einlassen, aber dann steht dem flüssigen Spielverlauf nichts mehr im Weg. Auch mit neuen Spielern tauchen im Spiel kaum Regelfragen auf, die nicht mit der Kurzregel auf der Rückseite der Sichtschirme sofort geklärt werden können.

Das Spielmaterial ist ebenfalls bemerkenswert: Äußerst opulent und schön gestaltet trägt es toll zum Spielgefühl bei, wenn es auch manchmal etwas voll und dann fummelig auf dem Spielplan hergeht. Besonders das Markieren und Aufstellen der Statuen ist nicht immer ganz unproblematisch, da nicht alle Statuen einen glatten Boden und passende Köpfe haben. Hier lohnt es sich, die Stellfläche der Figuren mit einer Feile plan zu feilen, um die nervigen "Umfälle" während des Spiels zu vermeiden. An dieser Stelle sei noch angemerkt: Der Moai mit dem fest sitzenden Hut ist kein Produktionsfehler, sondern der Startspielermarker; und nein, den Hut kann man nicht abnehmen. Glauben Sie es mir, ich habe es ausgiebig versucht. Es geht doch nichts über stabiles, idiotensicheres Spielmaterial.

Die Spieldauer liegt nach meiner Erfahrung um die zwei Stunden und wird - wenn überhaupt - dann meist eher am Anfang etwas lang, wenn das Spiel Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Spätestens ab der Hälfte steigt der Spannungsbogen dann deutlich bis zum Ende hin an. Das liegt zum einen sicher mit daran, dass man aus den Augen verliert, wer wo und wie viele Statuen aufgestellt hat, zum anderen daran, dass die Transportketten über die Insel immer länger und effizienter werden, und man immer besser kalkulieren muss, auf welchen Feldern und mit welchem Einsatz man dabei sein möchte.

Besagte Transportketten sind für mich auch der Punkt, der es mir am meisten angetan hat. Richtig zu kalkulieren, wer wohin will, wo sich gemeinsame Strecken mit meinen Mitspielern ergeben, und wo ich selber genug Männchen aufstellen muss, um meine Statue zu transportieren, erfordert einen guten Überblick und vorausschauende Planung. Ebenso ist der Erwerb von Statuen und Hüten zur rechten Zeit ein wichtiges strategisches Element, das es zu beachten gilt. Da beide Elemente stark vom Spiel der Mitspieler abhängen, verlaufen die Partien stets unterschiedlich und es ergibt sich auch ohne direkte Interaktion ein spannendes Miteinander.

Drei bis fünf Spieler können sich so auf der Osterinsel tummeln, und jede Spielerzahl hat ihren Reiz, da mache Aktionen, z. B. Bäume roden (habe ich hier nicht weiter erklärt, gibt es trotzdem) oder Bauplätze sichern mit unterschiedlicher Spielerzahl mehr oder weniger wichtig werden. Mir persönlich gefällt es zu viert am besten, da Spieldauer und Planbarkeit im optimalen Verhältnis stehen.

Ich gehöre zu den Spielern, die aufwendiges Material schätzen, aber auch kritisch begutachten, da damit allzu oft versucht wird, ein schlechtes Spiel "aufzuhübschen". Für Giants gilt dies aber nicht, und ich möchte es gerade wegen der selten gut gelungenen Kombination aus sowohl optischem, spielerischem als auch thematischem Anspruch als bemerkenswert bezeichnen. Für die familiäre Spielrunde ist es sicherlich zu anspruchsvoll, halbwegs geübte Spieler, die des Lesens kundig sind, sollten aber eigentlich keine Probleme damit haben. Der Spielablauf ist noch recht überschaubar und nach einer Runde auch ziemlich intuitiv. Was die strategischen Möglichkeiten angeht, habe zumindest ich nach jeder Runde das Gefühl und den Wunsch, beim nächsten Mal alles anders und besser zu machen. Ob das je ganz klappen wird, steht in den Sternen, denn das größte Manko an diesem Spiel: Wir spielen es einfach zu selten.

Rezension Michael Timpe

Regelvarianten

In meinen Spielrunden haben wir die Rongo-Steintafeln als zu mächtig erlebt. Tiebreaker, Sonderaktion und am Ende noch Siegpunkte, da ist es einfach zu wichtig, am Anfang auf Stammesmarker und damit auf Steintafeln zu spielen, was dem Spielspaß aber eher entgegen läuft. Ich empfehle daher am Ende keine Siegpunkte für die Tafeln zu vergeben, denn selbst dann sind sie immer noch stark.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Giants: 4,2 4,2, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.07.11 von Michael Timpe - So macht spielen Spaß, ich liebe dieses Hobby!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.12.08 von Michael Andersch - Packungsangabe: Spieldauer 60 Minuten. Tatsächliche Spieldauer: Mehr als das doppelte. Das Spiel ist zwar gut, aber viel zu lang. Würde es tatsächlich nur 60 Minuten dauern, dann würde ich sicherlich eine 4 vergeben. Und wenn dann noch die Figuren ordentlich stehen bleiben würden (viele sind leider unten nicht eben, sondern rundlich und fallen sehr leicht um) und die Stammesmarker und Hüte (trotz erfolgtem Austausch letzterer durch ProLudo) ordentlich auf den Hötzen halten würden, dann gäb's sogar 'ne 5.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.06.09 von Horst Sawroch - Trotz tischgroßer Spielplan fummeliges Spielmaterial - langatmige Grüblerwartezeit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.10.09 von Arne Hoffmann - Mich stören weder die längere Spielzeit noch die zum Teil schlecht bis gar nicht passenden Hüte und Stammesmarker. Giants offeriert ein erstaunlich dichtes Spielgefühl und lässt mich über die gesamte Spieldauer hinweg in die Faszination der Osterinsel eintauchen. Da ein Spielsieg eine gute Logistik benötigt, ist das Spiel anfällig für Grübelorgien. In meinen Partien sind mir keine unangenehm aufgefallen, da ich gleichzeitig meine eigenen Züge planen kann.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.11.09 von Jörn Griesbach

Leserbewertungen

Leserwertung Giants: 4,8 4.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.07.09 von Christoph Kainrath - Ich finde das Spiel ist eines der besten im Jahre 2008! Freilich, kleiner Mangel: Die Hüte passen teilweise nicht ganz auf die Moais und Hölzer sind etwas klein geraten. Das Spielprinzip finde ich einfach genial, daher trotzdem die hohe Wertung!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.07.09 von Detlef Vanis - Trotz fummeliger Hüte und einer falsch verstandenen Regel in Ordnung!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.07.09 von TRH - Eine sehr gelungene thematische Einkleidung korrespondiert hier sehr schönem Material und einem anspruchsvollen Spielspaß. Kleines Manko sind die schlecht sitzenden "Mützen"; zu grübelig wars uns eigentlich nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.07.09 von Thomas Kühnemann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.09.11 von Ernst-Jürgen Ridder - Na ja, das Spiel ist zwar ganz gut, aber auch sehr, sehr lang, wenn auch nur ein Grübler mitspielt. Für die dann deutlich längere Spielzeit als 60 Minuten nicht spannend genug. Das Material lässt zu wünschen übrig, auch nach Austausch. Insgesamt eine knappe 4.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.10.11 von Marco

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