Rezension/Kritik - Online seit 30.06.2014. Dieser Artikel wurde 2908 mal aufgerufen.

Mauerhüpfer

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Autor: Norbert Tauscher
Verlag: Schmidt Spiele
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 2747
Mauerhüpfer

Spielziel

Zum 100-jährigen Jubiläum seines berühmten Klassikers Mensch ärgere Dich nicht hat der Schmidt Spiele-Verlag ein neues Familienspiel entwickelt, das den Spielern wieder etwas zum Ärgern gibt. Die neueste Variante des Klassikers verbindet die einfachen Regeln seines beliebten Vorbilds mit neuen Herausforderungen.

Ablauf

Nachdem die fünf Mauerteile in den Spielplan gesteckt und die Pöppel auf die Startfelder gestellt wurden, kann das Spiel auch schon beginnen. Wer an der Reihe ist, würfelt mit zwei Würfeln und zieht entsprechend dem Ergebnis eine seiner Figuren. Man benötigt übrigens keine 6, um starten zu dürfen. Mit seinem Pöppel darf man sowohl vorwärts als auch rückwärts ziehen; allerdings muss man eine Augenzahl komplett ausführen, bevor man mit der zweiten die Laufrichtung ändert. Landet man am Ende seines Zuges auf einem besetzten Feld, schlägt man die gegnerische Figur, die wieder zum Start zurückkehren muss.

Außerdem gibt es da noch jenes Element, das dem Spiel seinen Namen verliehen hat: das Mauerhüpfen. Wenn man nämlich mit seiner Figur neben einem Mauerabschnitt mit derselben Zahl steht, die man gerade gewürfelt hat, kann man mit einem Satz über diese Mauer springen und somit ein Stück des Weges abkürzen.

Auf eines der beiden Zielfelder darf man ziehen, wenn man mit der Summe aus beiden Würfeln genau darauf landet. Dann wird die entsprechende Figur in den sicheren Zielbereich gesetzt. Wer dort als Erster alle seine vier Spielfiguren versammelt hat, hat gewonnen.

Fazit

Dass man zum Starten keine 6 benötigt, stellt eine gelungene Verbesserung zum großen Vorbild dar. Und – ebenfalls anders als beim Original - wird bei Mauerhüpfer mit zwei Würfeln gewürfelt. Das bringt Tempo ins Spiel, denn gute Ergebnisse bringen die Figuren gegebenenfalls gleich ein großes Stück vorwärts. Schafft man mit den Zahlen vielleicht sogar noch einen Mauersprung – umso besser! Da macht es dann gar nichts, wenn öfter mal eine eigene Figur rausgeworfen wird, denn ziemlich schnell kann man wieder kurz vor dem Ziel stehen. Dort hineinzukommen, ist wie im Klassiker jedoch nicht ganz so einfach, denn auch hier muss man den Punkt genau erreichen, was manchmal ein Weilchen dauern kann. Die Felder vor dem Ziel sind übrigens jene, wo am meisten Figuren wieder den Weg zum Start antreten müssen, weil sich - ebenfalls anders als beim Klassiker - alle um dieselben zwei Zielfelder tummeln, was unweigerlich zu Platznot führt.

Am Spielmaterial und der Regel gibt es nichts auszusetzen. Bei der Anleitung verwirrt allerdings im ersten Spiel ein bisschen die Tatsache, dass die Beispielbilder der Mauern nicht mit den Originalteilen übereinstimmen. Die Aufmachung orientiert sich sehr stark am Original, was manchen wegen des Wiedererkennungseffektes gut gefällt, von anderen wiederum für zu altbacken gehalten wird. Nun denn, die Geschmäcker sind eben verschieden!

Das Spiel funktioniert in allen Bestzungen tadellos. Je mehr jedoch mitspielen, desto öfter wird geschlagen und desto turbulenter geht es zu. Was sich natürlich auch auf die Spieldauer auswirkt, weshalb eine Partie zu zweit wesentlich schneller gespielt ist als eine in Vollbesetzung.

Mauerhüpfer ist nicht ganz so einfach zu spielen wie Mensch ärgere dich nicht. Erstens muss man immer die Möglichkeit des Mauernspringens im Auge behalten, zweitens eröffnet die Option, auch rückwärts ziehen zu dürfen, weitere Zugchancen. Auch beim Schlagen von Figuren muss bedacht werden, dass man – wenn man seine Figur mit beiden Würfelergebnissen in eine Richtung zieht – nur auf dem letzten Feld schlagen darf, Figuren die man mit dem ersten Würfelergebnis erreichen würde, bleiben dagegen verschont, weil sie einfach übersprungen werden. Wechselt man jedoch zwischendurch die Zugrichtung oder macht einen Mauersprung, können auch zwei Figuren in einem Spielzug geschlagen werden. Vergessen wird außerdem gerne, dass man seine Spielfigur niemals mit dem ersten Würfelergebnis ins Ziel ziehen darf, sondern nur mit dem zweiten.

Das alles sind Regeln, die von Kindern erst einmal verinnerlicht werden wollen. Andererseits bringen aber gerade diese Finessen Würze und Spannung ins Spiel, die über das simple Vorwärtslaufen und Figurenschlagen des Klassikers hinausgehen.

100 Jahre alt ist der Klassiker Mensch ärgere dich nicht, den in Deutschland fast jeder kennt, und von dem mittlerweile etwa 90 Millionen Exemplare insgesamt verkauft wurden. Da lohnt es sich, jetzt auch noch einen kurzen Blick zurückzuwerfen, um zu erfahren, wie das Spiel entstand, dessen Erfolg der Schmidt Spiele-Verlag auch seine Gründung verdankt.

Der Händler Joseph Friedrich Schmidt suchte 1914 nach einem "Beruhigungsmittel", mit dem er den Tatendrang seiner drei Söhne in der engen Münchener Wohnung bremsen könne. Inspirieren ließ er sich dabei von dem etwa 2000 Jahre alten indischen Laufspiel Pachisi. Weil seine Familie großen Spaß an dem Spiel hatte, wollte er es auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Der Vorabend des Ersten Weltkrieges war aber anscheinend nicht der richtige Zeitpunkt, um ein neues Spiel unter die Menschen zu bringen, weshalb er keines seiner gebastelten Exemplare verkaufen konnte. Zum Glück gab Friedrich Schmidt nicht auf, sondern ließ 3 000 Stück seines Spieles herstellen und schickte diese Erstserie als Sachspende an die Lazarette. Dort schlug der lustige Zeitvertreib mit Pöppeln und Würfeln richtig ein, und als die deutschen Soldaten zu Hause ihre Tornister wieder auspackten, steckte darin neben vielen Erinnerungen auch Mensch ärgere Dich nicht.

Bereits zwei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs standen mehr als eine Million der roten Kartons mit dem düsteren Herrn im geschwungenen M in den Wohnzimmern der Deutschen, das zu dieser Zeit 35 Pfennige kostete – weniger, als man damals für ein Pfund Zucker zahlte. Immer noch lieben die Menschen dieses Spiel, denn auch heute werden jährlich noch rund 400 000 Exemplare des Klassikers verkauft.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Mauerhüpfer: 4,5 4,5, 2 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.05.14 von Sandra Lemberger
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.07.14 von Michael Kahrmann

Leserbewertungen

Leserwertung Mauerhüpfer: 4,0 4.0, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.04.14 von Hans Huehnchen - Der neue Klassiker? Wohl kaum. Aber irgendwie doch reizvoll, zudem generationenübergreifend spielbar.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.04.14 von Stefan - Besser als gedacht! Lebt, wie das optische Vorbild, von der Schadenfreude, andere rauszuwerfen. Gewisse taktische Überlegungen sind möglich, aber überwiegend regiert das Glück. Für Vielspieler wahrscheinlich zu seicht, für Wenigspieler möglicherweise schon wieder zu viele Möglichkeiten, wenn mehrere Figuren im Spiel sind.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.07.14 von Maja - Schöne Weiterententwicklung der MÄDN Idee
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.07.14 von Dennis L. - Gleich noch eine Runde bitte.

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