Rezension/Kritik - Online seit 20.05.2023. Dieser Artikel wurde 2384 mal aufgerufen.

Orichalcum

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Autor: Bruno Cathala
Johannes Goupy
Illustration: Paul Mafayon
Verlag: Pegasus Spiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 - 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2022, 2023
Bewertung: 4,7 4,7 H@LL9000
5,0 5,0 Leser
Ranking: Platz 782
Orichalcum

Spielziel

Man lernt nie aus.

Ursprünglich dachte ich, der Spieletitel Orichalkum wäre eine reine Phantasiebezeichnung. Doch dann googelte ich, und siehe da: Den Begriff gibt es tatsächlich! Er stammt aus dem Griechischen "oreichalkos", was so viel wie "Bergerz" bedeutet, und steht für eine Legierung aus Kupfer und Zink, bei uns besser bekannt als Messing. Der griechische Philosoph Platon berichtet in seinem Dialog Kritias, dass Oreichalkos ein "feurig schimmerndes Metall" sei, das die Bewohner von Atlantis nach Gold am meisten schätzten.

Und da sind wir mit der sagenumwobenen Insel Atlantis auch schon mitten im Spielgeschehen. Wir wurden von den Atlantiden ausgesandt, um eine passende Heimat für das dem Untergang geweihte Atlantis zu finden. Nur wer zuerst auf einer geeigneten Insel Orichalkum abbaut, dort Gebäude und Tempel errichtet, Hopliten rekrutiert und damit monströse Kreaturen besiegt, wird seinem Volk ein neues Zuhause finden.

Ablauf

Wir haben auch schon eine vielversprechende Insel gefunden, welche durch eine (doppelseitige) Inseltafel dargestellt wird. Unsere Hauptstadt - der Ausgangspunkt unserer Inselerkundung - wird allerdings erst knapp vor unserem allerersten Spielzug festgelegt. Wenigstens beginnen wir bereits mit einem Hopliten (eine Art Krieger) und einem Stück Orichalkum.

Die allgemeine offene Auslage bilden einerseits eine Bautafel, auf die aus einem Beutel vier Gebäudeplättchen (je eines für die vier Landschaftstypen Gebirge, Lagune, Wüste und Wald) platziert werden, und andererseits eine Aktionstafel. Auf jedes Feld dieser Tafel wird eine zufällige Aktionskarte gelegt, mitsamt einem passenden Landschaftsplättchen, welches sich je nach Karte aus 1 bis 3 Feldern zusammensetzt. Für jeden so aufgedeckten Vulkan ziehen wir eine zufällige Kreatur aus einem Beutel.

Unser Spielzug besteht aus 4 Phasen:
1. Aktionskarte auswählen (verpflichtend)
2. Neue Landschaft platzieren (verpflichtend)
3. Aktionskarte abhandeln (optional)
4. Zusatzaktion ausführen (optional)

Ad 1.: Die Position der Aktionskarte auf der Tafel gibt die Kosten vor. So sind die beiden äußerst linken Karten kostenlos zu haben, während wir für die weiter rechts liegenden Karten 1 bis 2 Hopliten aus unserem Vorrat abgeben müssen. Nachdem wir eine Karte genommen haben, werden alle Karten rechts davon nachgerückt.

Ad 2.: Danach müssen wir das auf der Karte liegende Landschaftsplättchen auf unsere Insel legen, und zwar angrenzend an ein bereits vorhandenes Plättchen. Kreaturen auf Vulkanfeldern nehmen wir dabei mit. Erreichen wir mit einem Plättchen einen Hafen, erhalten wir den angegebenen Vorteil (Orichalkum und/oder Hopliten).

Gelingt es uns, ein Areal mit mindestens 3 Landschaftsfeldern der gleichen Art zu bilden oder zu erweitern, erregen wir die Aufmerksamkeit eines Titanen. Wir dürfen den entsprechenden Titan mit der aktiven Seite oberhalb unserer Inseltafel anlegen. Einmal in unserem Zug dürfen wir die damit verbundene Gunst des Titanen nutzen, woraufhin dieser auf die inaktive Seite gewendet wird.

Ad 3.: Die gewählte Aktionskarte bietet uns eine von 4 Aktionen. So können wir je nach Aktionskarte entweder A) Orichalkum produzieren (wir erhalten 1 Orichalkum pro Mine auf unserer Insel), B) Hopliten rekrutieren (pro Trainingslager auf unserer Insel heuern wir einen neuen Hopliten an), C) Kreaturen bekämpfen oder D) Bauen.

Um Kreaturen bekämpfen zu können, brauchen wir Würfel. Für jeden Hopliten, den wir für den Kampf einsetzen, dürfen wir einen Würfel werfen. Erreichen wir die für diese Kreatur notwendige Zahl (zwischen 4 und 12) oder zeigt zumindest ein Würfel das "Totenkopf"-Symbol, haben wir die Kreatur besiegt. Wir erhalten die darauf angegebene Belohnung und stellen die Kreatur auf das entsprechende Feld unserer Inseltafel. Wenn wir wollen, dürfen wir anschließend gegen eine weitere Kreatur auf die gleiche Weise kämpfen. Bei einer Niederlage endet unsere Aktion jedoch, die dafür abgestellten Hopliten bleiben bei der Kreatur-Figur auf dem Vulkan stehen.

Beim Bauen dürfen wir zwischen drei verschiedenen Möglichkeiten wählen. So können wir eines der Gebäude von der Bautafel auf die angegebene Landschaft stellen und fortan seinen Vorteil nutzen. Haben wir vier unterschiedliche Landschaften in einer Rautenform auf unserer Insel (von Kreaturen befreite Vulkanfelder zählen hierbei als Joker), dürfen wir einen Tempel errichten, indem wir ein Tempelplättchen über die dafür genutzten Landschaften legen. Oder wir geben 5 Orichalkum ab, um eine Medaille zu erhalten, welche wir oberhalb unserer Inseltafel anlegen.

Ad 4.: Abschließend können wir genau eine Zusatzaktion durchführen, indem wir zuerst 2 Hopliten, 2 Orichalkum oder 2 Kreaturen von unserer Tafel zurück in den Vorrat geben. Dabei stehen uns - bis auf wenige logische Beschränkungen - die oben genannten Aktionsmöglichkeiten (A bis D) zur Auswahl.

Sobald wir alle unseren Spielzug ausgeführt haben, werden die Aktionstafel und die Bautafel wieder aufgefüllt, sowie der neue Startspieler - jener mit den meisten Hopliten - für die nächste Runde ermittelt.

Jeder Tempel, jede Medaille und jeder Titan unter unserer Kontrolle (üblicherweise dürfen wir jedoch höchstens einen Titanen besitzen) ist einen Siegpunkt wert. Gelingt es uns, mindestens 5 Siegpunkte oberhalb unserer Inseltafel zu haben und gleichzeitig keine unbesiegten Kreaturen mehr auf unserer Insel, haben wir sofort gewonnen.

Fazit

Orichalkum richtig einzuordnen fällt mir schwer. Eigentlich ist es eine interessante Verbindung aus Legespiel und Aktionswahl. Die Karten auf der Aktionstafel bieten unterschiedliche Kombinationen aus Landschaftsplättchen zusammen mit einer Aktionskarte an. Es liegt in der Natur der Sache, dass das Angebot nicht immer zu den eigenen Bedürfnissen, zur momentanen Situation passt. Das war aber auch schon bei Cascadia so. Während man aber beim letztjährigen "Spiel des Jahres" durch die Zapfen einen - wenn auch beschränkten - Einfluss auf die Kombination hatte, sind Plättchen und Aktion hier fix aneinander gekettet. So muss man halt nehmen was kommt.

Dafür ist die gewählte Aktion optional, muss also nicht zwingend durchgeführt werden. Natürlich bringt einem jede durchgeführte Aktion etwas Positives, mal mehr, mal weniger. Dies können Hopliten sein, Orichalkum, ein Gebäude oder eine Kampf gegen eine Kreatur. Leider ist so manche Aktion nicht immer sinnvoll. Wenn beispielsweise nur die Aktionen "Bauen" und "Kreatur bekämpfen" verfügbar und/oder leistbar sind, aber weder Kreatur noch passende Bauplätze vorhanden, muss man wohl oder übel auf die Aktion verzichten.

Dem Startspieler kommt deshalb eine wichtige Rolle zu, da ihm eine größere Auswahl auf der Aktionstafel zur Verfügung steht. Die Anzahl der Hopliten im Vorrat entscheidet am Ende jeder Runde, wer neuer Startspieler wird, bei einem Gleichstand kommt es auf jeden Fall zum Startspielerwechsel. Zum Ausgleich erhält der letzte Spieler in der neu ermittelnden Spielerreihenfolge einen Hopliten vom allgemeinen Vorrat.

Abwechslung erfährt Orichalkum einerseits durch die verschiedenen Landschaftsplättchen, die sich nicht nur in der Anzahl der Felder (1 bis 3), sondern auch in den darauf vorkommenden Landschaften unterscheiden. Hier stehen die Spieler häufig vor dem kniffligen Dilemma, dass mehrere benachbarte Felder der gleichen Landschaftsart zwar einen Titanen mitsamt seinem Effekt bringen können, für das Errichten eines Tempels aber vier unterschiedliche Landschaften in Rautenform benötigt werden.

Aber auch die unterschiedlichen Gebäude bringen Varianz ins Spiel. Da gibt es welche, die bei bestimmten Aktionen mehr Einkommen bringen, wie etwa zusätzliche Minen und Trainingslager (für Orichalkum und Hopliten). Andere Gebäude helfen beim Kampf gegen Kreaturen (Belagerungsmaschinen). Ein paar hebeln die Regeln ein wenig aus, um beispielsweise mehr als einen Titanen gleichzeitig besitzen (Oratorium) oder ein Gebäude auch neben einer Kreatur bauen zu dürfen (Schutzkristall).

Besonders vorteilhaft sind die Statuen, mit deren Hilfe die Kosten für eine Zusatzaktion um die Hälfte reduziert werden, und die Schmiede, welche eine 2. Zusatzaktion erlaubt. Leider ist die Kombination der beiden letztgenannten Gebäude (Statue + Schmiede) viel zu stark und lässt eine Partie aus dem Gleichgewicht geraten. Hier hätte sich der Verlag unbedingt eine einschränkende Regelung einfallen lassen müssen.

Die Kämpfe werden mit Würfeln ausgetragen, wodurch naturgemäß das Glück eine gewisse Rolle spielt. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten, dem Zufall ein Schnippchen zu schlagen. So erhöht man mit mehreren eingesetzten Hopliten die Chancen auf einen Erfolg, im Falle einer Niederlage können diese zudem im nächsten Versuch wieder eingesetzt werden. Und einige Gebäude können - wie erwähnt - ebenfalls recht hilfreich sein, weshalb der verbliebene Glücksfaktor zu verkraften ist.

Ein paar Bemerkungen noch zu den Titanen. Wie man einen Titanen erwirbt, ist etwas ungewohnt, denn man muss nicht das größte Areal einer Landschaftsart besitzen, um den entsprechenden Titanen zu erhalten, sondern bloß ein Gebiet aus 3 oder mehr Landschaftsfelder der gleichen Art bilden oder vergrößern. Jeder Titan verleiht dem Spieler einen Vorteil ("Gunst"), den er einmalig nutzen kann. So verdoppelt etwa Hyperion, der Titan der Gebirge, die Produktion von Orichalkum, oder erlaubt Kronos, der Titan der Wüsten, eine Kreatur automatisch zu besiegen.

Jeder Titan ist übrigens je 1 Siegpunkt wert, genauso wie jeder Tempel und jede Medaille. Während letztere aber dauerhaft sind, können Titanen ihren Besitzer wechseln. Manchmal kommt es so zu einem Gerangel um bestimmte Titanen, was aber dadurch entschärft wird, dass jeder Spieler üblicherweise ohnehin bloß einen Titanen haben darf. Das Rennen um Siegpunkte ist trotzdem recht spannend, und wie ich finde auch durch die Aussparungen am oberen Rand der Inseltafeln sehr ansprechend gelöst.

Überhaupt muss ich Orichalkum ein großes Lob aussprechen. Das Spielmaterial ist vorbildlich: Stabile Plättchen und Tafeln, großformatige Karten, Kunststofffüße für die Kreaturen, Plastikedelsteine als Orichalkum, die Hopliten als Holzfiguren, Beutel für die Gebäude und die Kreaturen, Spezialwürfel. Die Spielanleitung gut gegliedert, ausreichend bebildert und fehlerfrei, dazu ein praktisches Übersichtsblatt. Alles ist zudem von Paul Mafayon sehr ansprechend illustriert worden.

Aber auch das Spiel selbst ist gut durchdacht und eigentlich perfekt komponiert. Ich würde Orichalkum als gehobenes Familienspiel oder auf niedrigem Kennerniveau einstufen. Aber obwohl es (bis auf die erwähnte Ausnahme) ausgezeichnet funktioniert, abwechslungsreich ist und wunderschön gestaltet, kann es mich nicht hundertprozentig begeistern. Irgendetwas fehlt mir zu einem wirklich tollen Spiel, ohne dass ich es genau benennen könnte. So ordnet es sich ein in die lange Liste der interessanten Neuerscheinungen, aber leider halt nicht zu den absoluten Highlights.

Rezension Franky Bayer

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Orichalcum: 4,7 4,7, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.23 von Franky Bayer - Zu einem absoluten Topspiel fehlt mir - trotz perfekter Komposition und tollem Spielmaterial - ein klein wenig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.03.23 von Michael Andersch - Nach den vor mir hier abgegebenen sehr hohen Bewertungen htte ich es fast blind gekauft - ein Glck habe ich es nicht gemacht. Das Spiel selbst ist zwar an sich ok, allerdings finde ich, dass die Gebude "Sonderaktion billiger ausfhren drfen" in Kombination mit dem nur 1x existierenden Gebude, das eine weitere Sonderaktion erlaubt, unglaublich stark sind. Ob man diese Kombi erhlt ist weitestgehend Glckssache (Spielreihenfolge, Auftauchen der Plttchen, kann ich es gerade unterbringen/bezahlen) und das hat mir das Spiel doch sehr verleidet. Aber auch abgesehen davon ist es eine ziemlich solitre Angelegenheit, was man da so auf seinem Gebiet baut. Haut mich nicht vom Stuhl, und fr preiswrdig halte ich es schon gar nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.05.23 von Michael Kahrmann - Sehr gut zugnglich und tolle grafische Gestaltung. Einfache Regeln aber stetig steigender Spannungsbogen durch das Wettrennen nach Siegpunkten. Gefllt mir sehr gut. Nachtrag: Spielreiz Note von 5 auf 6 erhht, es macht einfach richtig Spa!

Leserbewertungen

Leserwertung Orichalcum: 5,0 5.0, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.03.23 von Hans Huehnchen - Spannendes Wettrennen im unteren Kennerbereich. Taktisch, mit leichtem Glcksfaktor, tollem Material und einer guten Portion Spielspa. I love it!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.03.23 von Maja - Auf einem Spieletreff kennengelernt und ich war sofort Feuer und Flamme. Gut, bei uns ist Orichalcum Gold und die Hopliten die blauen Mnnchen aber das wars auch mit der Kritik. Schnes gehobenes Familienspiel auf Kennerniveau das mir Spa macht und meist geht das Rennen um die 5 Siegpunkte sehr eng aus und man fiebert bis zum Schlu mit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.03.23 von Dennis L. - Tendenz zu Spielreiz Note 6.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.03.23 von Mike Camen - Klasse. Kennerspiel 2023?!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.04.23 von Stefan H. - Finde ich gut! Die Vorzge des Spiels wurden alle schon beschrieben.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.05.23 von Dieter Schmitz - Ich hatte mir mehr von dem Spiel versprochen. Ganz nett, aber nicht gut.

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