Rezension/Kritik - Online seit 12.06.2015. Dieser Artikel wurde 4867 mal aufgerufen.

Royals

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Autor: Peter Hawes
Illustration: Michael Menzel
Verlag: Abacus Spiele
Rezension: Christoph Schlewinski
Spieler: 2 - 5
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
4,4 4,4 Leser
Ranking: Platz 817
Download: Kurzspielregel
Royals

Spielziel

Fünf große Adelshäuser des 17. Jahrhunderts müssen im Verlauf von drei Epochen von den Spielern beeinflusst werden. Dazu übernehmen wir die Kontrolle über verschiedene Adelige, um durch sie Punkte für Städte, Länder und die drei Epochenwertungen zu sammeln.

Ablauf

Nachdem alle Wertungsplättchen an ihre passenden Stellen auf dem Spielplan gelegt wurden (was durchaus schon ein bisschen dauern kann), bekommt jeder - je nach Startposition - eine bestimmte Anzahl von Handkarten und dann geht's los.

Bis auf die erste Runde (in der man seine Karten ja schon bekommen hat), verläuft die Runde eines Spielers so:

- Karten ziehen (muss)

und dann:

- Karten spielen (kann).

Beim Ziehen muss man drei Länderkarten nehmen, entweder von der offenen Auslage, vom Nachziehstapel oder eine Mischung aus beidem. Oder man zieht je eine Intrigen- und Länderkarte.

Will man Karten ausspielen, macht man das, um die Kontrolle über einen Adeligen in einer Stadt zu übernehmen. Über welchen Adeligen hängt davon ab, in welchem Land er ansässig ist. Jedes Land braucht eine bestimmte Kartenfarbe - und jeder Adelige eine bestimmte Anzahl Karten dieser Farbe. Die Kontrolle über einen "Marshal" lässt sich mit einer Karte leicht gewinnen. Für den "Cardinal" braucht man schon fünf der gleichen Farbe und für den "King" natürlich die meisten gleichfarbigen Karten, satte acht Stück.

Übernimmt man die Kontrolle über eine Person, markiert man sie auf dem Brett ganz klassisch mit einem Würfel seiner Farbe. Dazu legt man noch einen Würfel auf das Portrait des jeweiligen Blaublüters am Spielfeldrand.

Ist man der Erste, der in einer Stadt eine royale Person kontrolliert, gibt es Punkte. Und ist man der Erste (und Zweite), der in jeder Stadt eines Landes mindestens einen Adeligen kontrolliert, gibt es ebenfalls Punkte.

Braucht man dringend eine bestimmte Adelsperson, die schon von einem Spieler besetzt ist, kann man sie trotzdem bekommen. Dazu muss man eine farblich passende Intrigenkarte spielen und dazu noch die passende Anzahl an gleichfarbigen Karten. Dann belegt man den Adeligen auf dem Plan und auch dessen Portrait am Rand.

Dazu kann man in seinem Zug immer drei Karten egal welcher Farbe in eine Wunschkarte umwandeln oder zwei Intrigenkarten in die, die man braucht.

Kann man am Ende seines Zuges die offene Auslage nicht mehr auf drei Karten auffüllen, wird das Spiel kurz unterbrochen, und es folgt eine Epochenwertung. Hier werden wieder Punkte vergeben und man schaut nach, wie mächtig die Adeligen sind, die man in einem Land kontrolliert (dargestellt durch die Zahl im Pergament neben dem Royalisten). Nur der erste und zweite Platz wird gewertet. Alle anderen müssen neidisch zusehen, wie die Punkte an die Mitspieler wandern.

Dann werden die Karten neu gemischt, die Auslage auf drei offene Karten ergänzt, und es geht weiter. Solange, bis die dritte Epochenwertung stattfand.

Danach gibt es noch Punkte für die verschiedenen Adeligen. Wer die meisten Würfel auf einem Portrait am Rand platzieren konnte, sackt es ein und damit auch die Siegpunkte. Bei Gleichstand zwischen zwei Spielern wird es auseinandergepuzzelt und jeder bekommt eine Hälfte ... und damit auch die Hälfte der Punkte.

Und gewonnen hat - natürlich - wer die meisten Punkte hat (bei der Masse der Chips kann das Zählen auch ein bisschen dauern).

Fazit

Die Spielbeschreibung von Royals mag zwar vor lauter Sonderfällen und "hier noch eine Regel" und "da passiert noch was" nur so wimmeln, aber das täuscht: Royals spielt sich flüssig, sauber, eingängig und vor allen Dingen zügig. Da man Karten ziehen muss und dann welche spielen kann, beschränken sich viele Spielzüge lediglich auf Karten ziehen, um für hochrangige Adelige zu sparen.

Diese Adeligen sind natürlich verlockend. Ein "King" bringt bei Spielende nicht nur 16 Punkte, wenn man im Laufe des Spiels die meisten Würfel auf sein Portrait platzieren konnte. Er gibt auch 4 Punkte, wenn es darum geht, wer den meisten Einfluss eines Landes während der Epochenwertung hat.

Aber Royals ist ein schönes Beispiel dafür, dass auch das berühmte Kleinvieh Mist macht. Man darf bei diesem Spiel die niederen Adelsmänner und Frauen auf keinen Fall unterschätzen. Sie sind mit weniger Kartenaufwand zu haben, egal ob noch frei oder vom Mitspieler belegt. Sie können, wenn in Massen in einem Land kontrolliert, durchaus die Führung in diesem Land bringen. Und sie können bei Spielende die entscheidenden Punkte zum Sieg sein.

Aber das ist eben das Schöne an Royals: Es gibt an jeder Ecke Punkte. Ständig kann man irgendwo welche abgrasen. Da hat man - besonders zu Anfang des Spiels - immer das Gefühl, dabei zu sein, etwas Sinnvolles machen zu können.

Wenn dann die freien Adeligen knapp werden, geht man plötzlich in sich. Besonders wenn die erste Epochenwertung abgefrühstückt ist und man sieht, wie man mit den Königlichen noch Punkten kann. Da hat Royals eine schöne Spannungskurve, denn mit einem Mal fangen die Spieler an, Intrigenkarten zu ziehen. Und man ahnt: Jetzt geht die Knüppelei los.

Auch schön ist, dass einem die einmal gewonnenen Punktechips nicht mehr abgeluchst werden können. Oder man seine Würfel auf den Portraits der Adelsleute nicht verliert. Selbst wenn man durch einen Spieler auf dem Plan von so einem vertrieben wurde. Was man an Punktechips hat, das hat man. Das verschafft einem auch ein gutes Gefühl.

Man kann bei Royals auch nie ganz aus dem Spiel sein. Durch die "3 Einflusskarten/2 Intrigenkarten können eine andere Karte ersetzen"-Regel kann man sich selbst bei enormen Karten-Nachzieh-Pech immer noch Plätze auf dem Plan und den Portraits sichern. Dadurch bleibt man ständig im Geschehen.

Besonders wenn man alles im Auge hat. Wer hat wo wie viel Einfluss? Wem fehlt noch eine letzte Stadt, um für ein Land Punkte einsacken zu können? Wo kann ich jemanden raus jagen, um dadurch noch einen Würfel auf einem Portrait setzen und damit vielleicht dort die Mehrheit haben zu können? Royals kommt zwar einfach daher, bietet aber dennoch überraschend viele Einflussmöglichkeiten und Tiefe.

Sehr hervorheben muss man auch die Qualität der Punktechips und der Portraits. Da wird es einem fast ein bisschen nostalgisch zumute, bei den dicken stabilen Plättchen. Und bei dem Gedanken, dass früher fast alle Spiele so tolle Pappchips aufweisen konnten. Dass man die Portraits bei Gleichstand auseinanderpuzzelt und damit jedem die Hälfte der Siegpunkte geben kann, ist auch ein netter und vor allem praktischer Gag, der überall gut ankommt.

Was an Royals nicht so gut gefällt:

- Das Thema "Europa im 17. Jh." ist zwar ein Klassiker im Brettspielbereich, aber bei anderen Spielen ist das Thema lebendiger. Bei Royals ist das "Karten ausspielen, Kontrolle übernehmen" relativ trocken und mechanisch. Man könnte das Thema problemlos z. B. in "Fred und Wilma Feuerstein gehen einkaufen" austauschen.

- Die Grafik ist zwar sehr schön, aber auf dem Plan kann es sehr wuselig zugehen. Jede Veränderung auf dem Plan löst einen kleinen Kopfrechnen-Marathon aus, weil man die Machtverhältnisse für die Epochenwertung neu zählen muss. Und je mehr Leute mitspielen, desto mehr Veränderungen ... und mehr rechnen. Größere Bilder und vor allem Pergamentrollen wären praktischer gewesen. Platz hätte es dafür auf dem Plan.

Das sollte einen aber nicht davon abhalten, mal ein Auge auf die Royals zu werfen. Besonders bei Wenig- und Gelegenheitsspielern kommt es sehr gut an und zeigt ihnen, dass nicht jedes Spiel mit dem Thema "17. Jh." ein Drei-Stunden-Klopper sein muss. Aber auch für Vielspieler bietet es einen sehr kurzweiligen und netten Ärgerspaß, der sicher noch häufiger auf den Tisch kommen wird.

(Royals ist übrigens eine überarbeitete Version von Heads of State. Und die Überarbeitung hat sich mehr als gelohnt)

Rezension Christoph Schlewinski

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H@LL9000-Bewertungen

Royals: 4 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 4,8 4,8

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.03.15 von Christoph Schlewinski - Fünf Punkte für Gelegenheits- und Gernespieler. Starke vier Punkte für Vielspieler.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.15 von Michael Kahrmann - Gefällt mir sehr gut. Sehr schönes Mehrheitenspiel, das man gut mit der Familie spielen kann.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.02.15 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.06.15 von Alexander Broglin - Ist die Wiederauflage von Head of States. Klassisches Mehrheitenspiel

Leserbewertungen

Royals: 9 Leserbewertungen, Durchschnitt: 4,4 4.4

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.15 von Hans Huehnchen - Nicht besonders tiefes, aber absolut solides Mehrheitenspiel. Der Sweet Spot liegt bei drei oder vier Spielern.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.15 von Maja - Wenn man Mehrheitsspiele mag kommt man an Royals nicht vorbei. Kam in unserer Runde sehr gut an!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.15 von Dennis L.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.15 von Wolfram Dübler-Zaeske - Sehr schönes Mehrheitenspiel, das durch seine Einfachheit richtig elegant zu spielen geht. Für mich eine Mischung aus Kardinal & König (Merheitenbildung, Merheitenwechsel) und Zug um Zug (Kartenmechanismus), die in vielen Runden auch Gelegenheitsspielern gefallen hat. Schön auch die Intrigenkarten, wodurch die nötige Interaktion ins Spiel kommt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.02.15 von zerics - Will gar nicht mehr sein als es ist. Schön straff sind die Regeln, spielt sich flott und hat genug Tiefe. Wäre ein Kandidat für's Kennerspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.15 von Florian Kalenda - Fand es ein unspektakuläres Dahinspielen. Funktioniert aber zweifellos, und ja, durchaus zugänglich.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.03.15 von Dencer - Hebt sich mit nichts aus der Masse der Mehrheitenspiele raus, aber solide konzipiert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.03.15 von StevieG - Sehr gutes Mehrheitenspiel, welches sich aufgrund seines straffen Regelwerks sehr flüssig und schnell spielt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.06.15 von Tim Mertens - Sehr schönes lockeres Mehrheitenspiel, das sich flott weg spielt und Spaß macht.

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