Rezension/Kritik - Online seit 17.10.2017. Dieser Artikel wurde 3187 mal aufgerufen.

Chickwood Forest

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Autor: Matt Loomis
Illustration: Alexander Jung
Verlag: Zoch Verlag
Rezension: André Beautemps
Spieler: 2 - 5
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
4,8 4,8 Leser
Ranking: Platz 598
Chickwood Forest

Spielziel

Wir befinden uns tief im Chickwood Forest. Naja. Also eigentlich befinden wir uns vor ein paar Schlössern. Und dort spielen wir Weihnachtsmann. Für uns selbst. Wir legen lauter Schätze und sonstige Vorteile an die Schlösser und rauben diese dann eines nach dem anderen aus.

Ablauf

Es liegen ein paar Schlösser mit unterschiedlichen Werten in einer Reihe auf dem Tisch. Jeder Spieler hat ebenfalls eine eindeutige Schlosskarte zufällig erhalten. Diese Schlosskarte bestimmt die Spielreihenfolge, die niedrigen Werte sind vor den höheren an der Reihe.

Pro Runde gibt es 3 (im Spiel zu zweit: 4) Karten vom verdeckten Allgemeinstapel auf jede Spielerhand. Reihum wird je eine Karte unter ein Schloss der eigenen Wahl gelegt. Es sei denn, unter dem ersten Schloss liegen bereits 2 bzw. dem zweiten Schloss bereits 3 Karten, dann ist dort keine weitere Karte anzulegen.

Ob die Karte offen oder verdeckt angelegt wird, steht ebenfalls auf der für die laufende Runde eigenen Schlosskarte. Sind alle Karten angelegt, beginnt wiederum der Spieler mit der niedrigsten Schlosskarte und darf zuerst ein Schloss ausrauben. Dazu nimmt er die Schlosskarte und alle darunter angelegten Karten.

Die Schlosskarte kommt auf die eigene Schlosskarte und bestimmt dadurch Reihenfolge und verdecktes/offenes Spielen für die nächste Runde. Die anderen Karten werden nach Typ sortiert offen vor einem ausgelegt.

Sind darunter sogenannte Wohltäterkarten, dürfen auf am Tischrand ausgelegten Dorfkarten eigene Spielsteine (Almosen) platziert werden. Dabei gelten bestimmte Setzregeln und ein Kapazitätsmaximum. Um in der Endabrechnung viele Punkte zu ergattern, muss man die Mehrheit im Dorf besitzen oder bei Gleichstand als Letzter ins Dorf gehuscht sein.

Hat jeder Spieler ein Schloss ausgeraubt (man darf kein Schloss in einer Runde ein zweites Mal ausrauben), werden übriggebliebene angelegte Karten entfernt und die nächste Runde gespielt.

Sobald der Nachziehstapel aufgebraucht ist, endet das Spiel mit einer Endabrechnung. Die einzelnen Karten der eigenen Auslage werden nun kategorieweise abgerechnet. Eine Besonderheit spielen dabei die Schatztruhen, denn dahinter verbirgt sich ein pfiffiger Abrechnungsmodus. Es gibt Schatztruhen in unterschiedlichen Farben, und die Farbe mit den meisten Karten bringt die Anzahl der Karten zum Quadrat an Siegpunkten. Bei 4 Karten 16 Punkte, bei 5 Karten 25 usw. Abgezogen wird je andersfarbiger Schatztruhe jeweils ein Siegpunkt.

Die Dörfer bringen aufgrund der Mehrheiten Punkte, und zum Schluss gibt es noch die Punkte der Schlösser selbst. Die höchste Punktzahl in Summe bestimmt den erfolgreichsten Erst-Reinleger-Und-Dann-Wieder-Rausnehmer.

Fazit

"Was für ein schönes Mitbringspiel für Familien, die nicht gar so häufig zu Karten, Würfel und Pöppel greifen!", so meine ersten Gedanken, als mir die Herren Redakteure vom Zoch-Verlag den eigens für mich mit eigener Muskelkraft angefertigten Prototypen zukommen ließen. Diese Annahme hätte Mr. Trump mit Sicherheit sofort als das entlarvt, was sie ist: Fake News!

In die kurzzeitige Irre führte mich die Aufmachung von Spielschachtel und -karten: eindeutig im Comicstil gehalten. Dazu legt der Spieletitel Chickwood Forest die Einordnung in alles federviehartige Spielethema nahe, von dem der Verlag ja nicht gerade wenig produziert hat.

Die Gestaltung ist schön, im Detail liebevoll und lediglich in der Größe insbesondere der verwendeten Symbolik auf den Karten nicht im Wunschmaß abgebildet.

Die Altersangabe auf der Seite des Kartons unterbrach den Weg in die Familienspielwelt: Erst ab 12 Jahren soll das Werk angegangen werden. Nanu? Das klingt eher nicht nach Heck-Meck und Zicke-Zacke!

Schaut man sich die Spielregel an, ist man doch wieder im Zweifel: Das Ganze ist gut beschrieben und reich bebildert, mit Beispielen versehen und im Spielablauf überhaupt nicht komplex. Also doch was für die Familie?

Nach der Beschreibung des Ablaufs folgen 3,5 Seiten nur für die Schlusswertung. Aha! Da ist sie also, die Stelle, wo der Elefant das Wasser lässt! Und in der Tat ist die Abrechnung zum Schluss zwar ebenfalls gut beschrieben und lässt sich fehlerfrei gemäß Anleitung durchführen, aber es ist recht langwierig im Verhältnis zum vorherigen Spielgeschehen.

Und bei den Punkten trennt sich tatsächlich die Spreu vom Weizen: Strategisch geschulte oder mindestens talentierte Spieler sind solchen ohne diese Gabe weit überlegen. Dabei haben alle ein paar Karten zufällig auf die Hand gekriegt, hie und dort angelegt und sich hinterher eine der entstandenen Reihen geschnappt.

Und damit ist man mitten im Spielgeschehen, welches von der reinen Mechanik simpel abläuft, nicht aber beim Ausbaldowern der für einen selbst günstigsten Gelegenheiten sowohl für die Kartenablage als erst recht beim Schlossraub.

Das Dilemma hierbei: Schlösser mit hohen Werten haben einen deutlich höheren Erwerbreiz als die niedrigen, beinhalten aber meist ein paar ungünstige Karten, zum Beispiel Schatztruhen in der falschen Farbe oder die gefürchteten Schergen, die einfach nur zum interaktiven Ärgern 3 Minuspunkte einbringen.

Dazu wählt man mit einem hohen Schloss auch den Nachteil, in der Folgerunde später als die Mitspieler auswählen zu dürfen und bekommt vielleicht tatsächlich ein Schloss, welches man so gar nicht haben will. Dazu darf man nie die anderen Spieler aus den Augen lassen bzw. deren Auslage und auch deren bereits auf den Dorfkarten platzierten Almosensteine.

Als Minimum sollte man unbedingt wissen, wer im Schnitt meist Schlösser mit höheren Werten ausraubt. Die Perfektionisten merken sich natürlich die Zwischensummen der einzelnen Spieler.

Für alle anderen sind zumindest alle Auslagen und die dadurch zu vergebenden Punkte offen und klar ersichtlich: Dadurch erhält das Spiel ein großes Stück Planbarkeit. Dennoch muss mit den Unbillen des Zufalls stets gerechnet werden: Kommt man immer dann zu spät, wenn Almosenkarten zu ergattern sind, wird man die erhofften und benötigten Dorfpunkte nicht einfahren.

Kann ein Spieler ständig die von ihm favorisierte Schatztruhenfarbe regelmäßig und schön verteilt selbst platzieren, erhöht das die Chancen ungemein, hierüber einen ordentlichen Batzen Punkte einfahren zu können.

Die Spieldauer von einer guten Dreiviertelstunde erlaubt stets eine rasche Revanche zu üben, sollten einem in einer Partie alle Punktehoffnungen durch die Finger geronnen sein.

Das Herz des Spiels ist die Spannung, ob die eigenen Pläne wohl wirklich aufgehen oder ob die lieben Mitspieler einem ein paar Striche zu viel durch die Rechnung gemacht haben, indem sie Karten in die Wahlauslage schmuggelten, die das Punktekonto eher schmälern als bereichern.

Es ist durch die durchmischte Kartenablage und -aufnahme reichlich Interaktion vorhanden. Die Idee, einen Teil der Karten verdeckt auszulegen, würzt das Ganze und gibt Chickwood Forest einen eigenen Spielegeschmack, der sehr bekömmlich und für das Verlagsprogramm insofern ungewöhnlich ist, als dass die durch dieses Spiel angesprochene Klientel nicht zur Stammkäuferschaft zählt.

Verlagsseitig wurde ich bereits darauf aufmerksam gemacht, dass durchaus immer wieder Spiele in dieser Komplexitätsstufe dort erscheinen, zuletzt im Vorjahr Mea Culpa. Aber eben nicht mit Hühnern.

Man ist also gespannt, ob es sich um einen Ausreißer oder einen neuen Zweig der Hühnchenspiele handelt, der zart, aber bemerkenswert am Spielestammbaum sprießt.

Rezension André Beautemps

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Chickwood Forest: 4,8 4,8, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.10.17 von André Beautemps - Bei mir persönlich fällt der Spielreiz im 2-Personen-Spiel auf 3. Dafür wäre ich bei der Vollbesetzung schon zu einer 6 geneigt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.10.17 von Andreas Molter - Schnell erklärt, schnell gespielt. Interaktiv, abwechselungsreich, reizt zur sofortigen Revanche. Zu zweit fällt der Spielreiz leicht ab, funktioniert aber ohne große Regelanpassungen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.10.17 von Dirk Bosawe - Dieses Spiel habe ich sowohl zu zweit, als auch zu viert gespielt. In der größeren Runde etwas zufälliger aber reizvoller. Zu zweit eher umgekehrt. Funktioniert aber tadellos und ist schnell gespielt. Leichte Anpassungen beim Spiel zu zweit sind in der Kartenauslage zu machen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.10.17 von Regina Molter
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.11.17 von Michael Kahrmann

Leserbewertungen

Leserwertung Chickwood Forest: 4,8 4.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.11.17 von Hans Huehnchen - Das Spiel ist ein glückslastiges Ärgerspiel, wie man es schon zig mal gesehen hat. Es dauert mir einen Tick zu lange und der Einfluss der Spieler auf das Spiel ist kaum erwähnenswert. Allerdings: Die Zeichnungen sind toll und das eingebaute Mehrheiten-Element habe ich in einem Spiel dieser Kategorie auch noch nicht gesehen. Mit 4 oder 5 Spielern vergebe ich 4 Punkte, mit weniger Spielern sinkt auch der Spielreiz.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.11.17 von Carlo - Ein schönes Setcollection-Spiel mit einem für mich neuartigen Mehrheitenmechanismus. Nach dem ersten Spiel stellt man fest, dass das Spiel durchaus taktische Überlegungen zulässt. Die Grafik gefällt mir gut und das Thema Robin Hood ist nett umgesetzt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.17 von edru
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.17 von Dennis L. - Eine echte Perle.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.17 von Maja
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.11.17 von Mike Camen

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