Rezension/Kritik - Online seit 01.10.2020. Dieser Artikel wurde 2775 mal aufgerufen.

Coloma

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Autor: Jonny Pac Cantin
Verlag: Final Frontier Games
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 1 - 6
Dauer: 60 - 90 Minuten
Alter: ab 13 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
4,1 4,1 Leser
Ranking: Platz 3562
Coloma

Spielziel

Im Winter 1848 entdeckte ein Mann am American River Gold und löste damit den kalifornischen Goldrausch aus. Coloma ist jene Stadt, die damit zu einer der am schnellsten wachsenden Städte ihrer Zeit wurde, Saloons und Hotels entstanden beinahe über Nacht. Im gleichnamigen Spiel schlüpfen die Teilnehmer in die Rolle von Pionieren, die im Westen ihr Glück suchen. Dazu ist es notwendig, mit zuvor erworbenen Pferden durch die Lande zu ziehen, Flüsse zu erkunden, Brücken und Gebäude zu bauen und die Stadt vor Banditen zu schützen.

Ablauf

Jeder Spieler erhält ein kleines Tableau, auf dem sein Karten-Nachziehstapel platziert wird, sowie Gold, Geld, Pferde, Zelte und Goldgräber, die man im Laufe des Spiels erhält. Über dem Tableau können Flussplättchen und Brücken angelegt werden, daneben die ausgespielten Gebäudekarten. Sogar ein kleiner Friedhof findet sich da – die Zeit des Goldrausches war nichts für Weicheier, einige starben immer wieder einen frühzeitigen Tod und mussten schließlich irgendwo beerdigt werden.

Auf dem großen Spielplan finden sich diverse Schauplätze, und in der Mitte prangt das Aktionsrad, das Herz des Spiels. Es zeigt fünf Abschnitte, welche für die fünf Runden eines Jahres stehen. Drei Jahre werden gespielt, jeder ist also 15-mal am Zug. Zu Beginn wird das Rad immer auf den nächsten Standort gedreht. Dort wird zuerst ein Ereignis ausgelöst, das allen Gold, Geld, Karten oder Goldgräber bringt oder den Tausch von Gold in Siegpunkte ermöglicht. Hat man an einem Standort im Laufe des Spiels ein Zelt platziert, so gibt es den doppelten Ertrag.

Anschließend stellen alle Spieler auf ihren Drehrädern geheim ein, welchen Ort sie besuchen möchten. Nach dem gleichzeitigen Aufdecken stellen die Spieler ihre Figuren auf die entsprechenden Orte, und es wird überprüft, welchen Ort die meisten aufgesucht haben. Dort wird eine von zwei Aktionen gesperrt, alle anderen Pioniere dürfen beide Aktionen ihres Standorts ausführen, als da sind: Fluss vermessen, Brücke oder Gebäude bauen, Zelt und Goldgräber platzieren, alltägliche Arbeiten verrichten oder den Wagen bewegen. Fünfmal wird dieses "Rad drehen – Figuren einsetzen – Aktionen ausführen" wiederholt, dann ist ein Jahr zu Ende.

Nach jedem der drei Spieljahre findet eine Schießerei statt, in der zuerst überprüft wird, ob die Goldgräber den Banditen zahlenmäßig überlegen sind. Falls ja, werden alle belohnt, die sich beteiligt haben, umso mehr, je mehr sie zur Verteidigung beigetragen haben. Leute, die sich darum überhaupt nicht gekümmert haben, werden bestraft, wie sehr, hängt davon ab, ob die Auseinandersetzung gewonnen wurde oder nicht. In letzterem Fall dürfen die Spieler ihre Feiglinge in den Gräbern auf ihren Spielertableaus verscharren. Anschließend werden wieder Banditen auf den Duellplatz gestellt, der Goldvorrat wird aufgefüllt, und ein neues Jahr beginnt.

Nach dem dritten Jahr endet eine Partie Coloma und neben den bereits während des Spiels erworbenen Siegpunkten gibt es nun noch Punkte für erkundete Flüsse, gebaute Brücken und Häuser sowie Zelte auf der Landkarte; Goldgräber auf dem Friedhof bringen dagegen Minuspunkte.

Fazit

Das grundlegende Spielprinzip von Coloma ist schnell verstanden: Rädchen einstellen, aufdecken, Figuren platzieren, reihum die gewählte(n) Aktion(en) ausführen. Was in meinen Runden allerdings immer wieder nachgelesen werden musste, war die Position der beweglichen Teile des Rades zu Beginn der Partie. Es wollte einfach nicht in unsere Köpfe, ob der Anpreiser (= unterer Teil) in Runde 1 auf Abschnitt 1 steht oder auf Abschnitt 5. Zum Glück ist die Spielregel gut gegliedert und reich bebildert, so dass die entsprechende Stelle immer schnell gefunden werden konnte.

Überhaupt ist dieser Anpreiser mit seinem Wegweiser, der immer die zweite Aktion der vorherigen Station verdeckt und stattdessen auf die vorvorige Station weist, ein ziemlich trickreiches Element des Spiels. So mancher würde lieber beide Aktionen einer Station ausführen und nicht stattdessen als Zweitaktion die einer ganz anderen Station. Und als ob das noch nicht genug wäre, kann auch immer noch die Sperrfunktion in die eigenen Pläne funken und die Zweitaktion einer Station komplett verdecken, so dass man nur eine Aktion ausführen kann.

Das ist dann der Fall, wenn sich die Mehrheit der Spieler auf der entsprechenden Station befindet. Aber es geht auch andersrum: Manchmal spekuliert man darauf, dass die Zweitaktion gesperrt sein wird und setzt sich trotzdem auf die entsprechende Station, weil man gute Gebäudekarten ausliegen hat, die eine Trostaktion spenden – aber eben nur dann, wenn die Zweitaktion einer Station gesperrt ist. Von diesen Gebäudekarten gibt es jeweils 16 unterschiedliche, und obwohl alle Spieler über den gleichen Kartensatz verfügen, bekommt jeder diese Karten zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf die Hand. Je nachdem, wofür man sich zu Beginn entscheidet, kann man die eigene Spielstrategie schon von Anfang an ein wenig nach diesen Karten ausrichten.

Obwohl Coloma keineswegs zu glückslastig ist, so hat Fortuna doch großzügig ihre Finger im Spiel. Das fängt eben schon bei den Karten an, die man zu Beginn auf die Hand bekommt, und setzt sich fort über den Auspreiser. Hat jemand das Pech, immer oder sehr oft jenen Ort ausgewählt zu haben, wo die Mehrheit der Spieler sitzt und somit nur die Möglichkeit einer Aktion bekommt, so macht sich das im Spielverlauf unweigerlich negativ bemerkbar. Glücklicherweise kann man mit den ausgespielten Gebäudekarten aber ein wenig gegensteuern, indem man versucht, zumindest für einige Stationen Ersatzaktionen zu erhalten, sollte die Zweitaktion gesperrt sein.

Zwar ist dieses Spiel wesentlich komplexer als die meisten Spiele der Kategorie "Ich denke, dass du denkst und deshalb mache ich dies oder jenes", nichtsdestotrotz stellt dies ein wesentlicher Bestandteil von Coloma dar. Das muss man mögen, sonst ist man hier definitiv falsch aufgehoben, denn dieses Element zieht sich über die gesamte Spieldauer, die selten bei den angegebenen 90 Minuten liegt, sondern deutlich darüber.

Ansonsten bietet Coloma viele verschiedene Möglichkeiten, an Punkte zu kommen, und stets hat man die Qual der Wahl bei insgesamt nur 15 Spielzügen: Gebäude errichten, Flüsse erkunden, Brücken bauen, bei den Cowboy-Duellen an vorderster Front mitmischen oder im Land umherreisen. Letzteres sollte man in keinem Fall aus dem Auge verlieren, denn es bringt sehr viele Punkte, wenn man an einigen Orten ein eigenes Zelt platzieren konnte.

Das semi-kooperative Element der Schießerei am Ende eines Jahres gefällt mir gut. So versuchen die meisten Spieler einerseits darauf zu achten, dass die Anzahl der Banditen nicht die der Cowboys übersteigt, denn sonst fallen die Belohnungen für die engagierten Cowboys schlechter und die Bestrafungen für eine Nichtbeteiligung am Duell höher aus. Andererseits gibt es aber auch immer wieder Spieler, die nur einen einzigen Cowboy auf den Duellplatz stellen, um damit zumindest vor einer Strafe geschützt zu sein, dann aber hemmungslos ein teures Fass nach dem anderen an sich nehmen, wodurch die Banditen in großer Zahl herbeiströmen und das Duell am Ende doch nicht gewonnen wird.

Coloma ist ein gut ausgestattetes Spiel mit tollem Material und ansprechender Grafik. Partien mit 2 bis 4 Spielern konnten mich überzeugen, ab 5 Beteiligten wird die Angelegenheit sehr zäh, obwohl auch da alles tadellos funktioniert.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Coloma: 4,0 4,0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.09.20 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.07.20 von Michael Kahrmann - Puhhh.. Eins dieser Spiele das erst beim zweiten Mal begriffen wird. Man wird hier erschlagen von einer sehr unübersichtlichen Ikonographie. Das erste Spiel artet in Arbeit aus. Stellt sich die Frage ob ich das will. Die Antwort ist nein. Coloma bietet mir einfach zu wenig. Es ist ganz ok, mehr aber auch nicht.

Leserbewertungen

Leserwertung Coloma: 4,1 4.1, 11 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.05.20 von s.Oliver - Großartiges Spiel. Das Hauptfeature Aktionen gleichzeitig verdeckt auszuwählen und dann die Aktion, die am häufigsten zu entwerten, regt zum Grübeln an und macht es notwendig die Gegner im Blick zu behalten. Aus genau diesem Grund ist das Spiel auch Solo und zweit nicht zu empfehlen, da hier das Hauptfeature kaum bis gar nicht zum Tragen kommt. Am besten zu viert und fünft. Zu dritt würde ich den Dummy Spieler (eigentlich für die Solo und 2 Spieler Partie gedacht) dazunehmen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.08.20 von Eric Babak - Es erfindet das Rad nicht neu, aber der Aktionsmechanismus ist schon Klasse. Man hofft immer *das macht jetzt keiner* und schwupps, ist das Feld doch so begehrt und die Zusatzaktion ist futsch. Auch toll mit dem Magneten gemacht. Spielerisch kennt man die Aktionsmöglichkeiten von vielen anderen Spielen aber dafür flutscht es auch bei sechs Spielern relativ flott. Und das muss man auch mal erwähnen das es von Anfang an zu sechst spielbar ist, leider kommen heute viel zu wenig Spiele die auch mit einer Sechsertruppe spielbar sind, heraus. Mal abgesehen von Partyspielen. Nach gut eineinhalb Stunden steht auch der Sieger fest, keine ewige Orgie, wie gesagt spielt sich fluffig und raffiniert. Schön anzusehen ist es auch, die Straßen der Reisemöglichkeit sind etwas unglücklich, aber das ist alles was es zu mosern gäbe. Für die Familie vielleicht zu viel, aber im mittleren Kennerbereich gut aufgehoben.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.10.20 von Dietrich
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.10.20 von Dennis L.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.10.20 von Maja
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.10.20 von MAG - Schon die erste Partie in Essen 2019 lief recht flüssig. Kennen alle das Spiel, treten keine großen Wartezeiten auf. Der Mechanismus mit dem Rad ist pfiffig. Die Reisen mit dem Absetzen der Zelte darf man nicht vernachlässigen, auch weil da reichlich Nachschub zu holen ist und Punkte bei Spielende zu gewinnen sind. Macht immer wieder Spaß.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.10.20 von Ernst-Jürgen Ridder - Ein Western-Spiel, das auch ein wenig Western-Flair bietet. Der Aktionswahlmechanismus ist vielleicht nichts für Planer, aber er ist spannend, weil ich nicht weiß, ob ich meine Aktionen wirklich vollständig so machen kann, wie gewollt; das ist auch im Spiel zu zweit so. Das immer wieder stattfindende Duell mit den Banditen ist wie das Salz in der Suppe. Klar, am Ende geht es um Punkte. Verkrampft man sich da aber nicht allzu sehr, kann man das Spiel auch atmosphärisch erleben, was mir letztlich wichtiger ist, als viele Punkte.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.10.20 von Marco Stutzke
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.10.20 von Braz - Für mich ein rundum gelungenes Spiel mit einer top Ausstattung. Tolles Spiel!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.10.20 von Daniel Noé - Ein komplett rundes Spiel, mit ganz interessant kombinierten Mechanismen. Das Spielgefühl ist toll, gerade der Antizipationsteil auch hoch interaktiv. Kommt gerne und wieder wieder auf den Tisch Starke 5 Punkte
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.10.20 von Mike Camen - Uff. Einfach nur unübersichtlich.

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