Rezension/Kritik - Online seit 04.06.2015. Dieser Artikel wurde 8581 mal aufgerufen.

Antike II

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Autor: Walther Gerdts
Verlag: PD-Verlag
Rezension: Hardy Jackson
Spieler: 2 - 6
Dauer: 120 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2014
Bewertung: 5,5 5,5 H@LL9000
6,0 6,0 Leser
Ranking: Platz 174
Antike II

Spielziel

Bei Antike II übernimmt jeder Spieler die Führung eines Volkes, das mit seinen Nachbarn um die territoriale, wirtschaftliche und wissenschaftliche Vorherrschaft konkurriert. Durch bestimmte Errungenschaften auf den jeweiligen Gebieten lockt man große Persönlichkeiten in sein Reich. Wer zuerst die vorgegebene Zahl an solchen versammelt hat, gewinnt das Spiel.

Ablauf

Bei Antike II handelt es sich um eine überarbeitete Neuauflage von Antike, das 2005 als erstes Spiel von Mac Gerdts erschien. Damals auch schon mit dem Aktionsrondell, das zum Markenzeichen des Autors wurde. Zwischenzeitlich erschien auch die Zweispieler-Variante Antike Duellum (2012), die Gerdts dazu anregte, auch die Mehrspielerversion einer Überarbeitung zu unterziehen.

Die Grundmechanismen sind indes gleich geblieben: Der Ablauf wird über das Rondell gesteuert. Wer am Zug ist, darf seine Holzfigur ein bis drei Felder vorziehen (gegen Bezahlung auch mehr) und anschließend die spezifische Aktion des jeweiligen Zielfeldes ausführen. Drei der sieben verschiedenen Aktionsfeldtypen bescheren einem jeweils einen der Rohstoffe Gold, Marmor oder Eisen. Wie viel man davon bekommt, hängt von der Anzahl der Städte mit dem jeweiligen Ressourcensymbol in seinem Besitz ab.

Mit einem Rohstoff-Mix lassen sich im Spiel jederzeit weitere Städte gründen (zusätzlich zur Rondellaktion), vorausgesetzt, man hat eine Militäreinheit vor Ort. Solche kann man auf dem Aktionsfeld „Militia“ für Eisen erstehen. Mit Marmor errichtet man auf „Templum“ Tempel, welche die Rohstoffproduktion und den Verteidigungswert der Stadt erhöhen. Für Gold schließlich kann man auf „Scientia“ technische Fortschritte entdecken, die im weiteren Spielverlauf Vorteile bringen, zum Beispiel den, dass sich bei der Aktion „Movere“ die Bewegungsweite der eigenen Einheiten erhöht.

Mit den Einheiten (Legionen oder Galeeren) kann man nicht nur noch freie Felder besetzen, um dort Städte zu gründen, sondern auch gegnerische Einheiten und Städte attackieren. Kämpfe laufen dabei ohne Glücksfaktor ab, Einheiten werden schlicht eins zu eins abgetauscht. Zur Eroberung von Städten müssen meist mehrere Einheiten geopfert werden, abhängig davon, ob dort ein Tempel steht und ob der Angegriffene schon Verteidigungs-Fortschritte erworben hat.

Die Persönlichkeiten (die im Grunde nichts anderes als Siegpunkte sind), die man zum Sieg benötigt, kann man auf vielfältige Weise zu sich locken: Durch den Bau vieler Städte oder Tempeln oder indem man Fortschritte als Erster entdeckt (die anderen Spieler können diese Fortschritte dann günstiger erwerben, bekommen aber keine Persönlichkeit mehr dafür). Oder aber, indem man mit seinen Schiffen die Meere kontrolliert. Und schließlich auch durch das Erobern fremder Städte mit Tempeln (die dabei zerstört werden). Einmal erhaltene Persönlichkeiten bleiben immer erhalten, auch wenn man z. B. die Städte, für die man sie bekommen hat, später wieder verliert.

Fazit

Antike II kommt reichhaltig ausgestattet daher: Die Schachtel ist mit vielen Holzsteinen sowie Pappmarkern gut gefüllt, der große Spielplan ist beidseitig bedruckt und bietet so zwei Kartenvarianten zur Auswahl. Außer der Spielanleitung in Deutsch und Englisch liegt noch eine Schnellanleitung sowie ein kleiner Almanach bei. In diesem findet man Kurzbiographien der historischen Persönlichkeiten wie etwa Aristoteles oder Hannibal, die man im Spiel erwerben kann.

Dieses Bemühen um historisches Flair steht im Gegensatz zum eigentlich Spiel, in dem die Persönlichkeiten keine andere Funktion haben, als Siegpunkte zu sein. Auch sonst kommt Antike II im Vergleich zu anderen Zivilisationsspielen relativ abstrakt daher: Auf thematisch inspirierte Regeldetails verzichtet das Spiel nahezu komplett.

Antike II ist streng mathematisch durchkomponiert und von jedem spielmechanisch nicht notwendigen Regelballast befreit. Weder gibt es Ereignisse noch andere Zufallselemente. Und selbst bei den Kämpfen wird nicht gewürfelt oder Karten gespielt, sondern einfach nüchtern Armeen gegeneinander aufgewogen. Auch völkerspezifische Spezialeigenschaften sucht man hier vergeblich. Somit macht es kaum einen Unterschied, ob man nun die Griechen, Römer oder Ägypter spielt, außer dass die Lage auf der Karte etwas anders ist (was allerdings immerhin z. B. wegen der unterschiedlichen Ressourcenverteilung manche Strategien bei manchen Völkern besser ermöglicht als bei anderen).

Wer also historischen Realismus und Detailverliebtheit sucht oder bei Konfliktspielen gerade den Nervenkitzel beim Austragen von Schlachten liebt, für den ist Antike II nicht das Richtige. Dessen Stärke liegt in seiner schlichten Eleganz des Regelwerkes und der Abläufe. Die Regeln sind für ein Zivilationsspiel erfreulich einfach und klar, genau wieder Ablauf, was ein zügiges Spiel ermöglicht. Auch mit vier bis sechs Spielern ist eine Partie in etwa zwei Stunden zu schaffen. Mit der neuen Auflage ist das Spiel nochmal ein Stück gereift. Alles funktioniert bestens, spielt sich flüssig und wirkt gut ausbalanciert.

Bei Antike II steht dabei der militärische Konflikt nicht so im Vordergrund wie man zunächst meinen könnte. Wenn die Akteure mit Bedacht vorgehen, wird es in der ersten Hälfte des Spieles kaum Scharmützel geben. Vielmehr ist jeder damit beschäftigt, seine Produktionsmaschinerie in Gang zu bringen. Ein früher Konflikt mit einem Nachbarn würde beiden Seiten schaden (u. A. auch deshalb, weil im Vergleich zum Vorgänger die Kosten zum Bau von Einheiten verdoppelt wurden). Man muss dabei allerdings aufpassen, sich seinen Kontrahenten nicht allzu wehrlos zu präsentieren. Es ist also zunächst mal ein kalter Krieg, der hier stattfindet.

Erst später im Spiel, wenn es darum geht, noch schnell die benötigten Persönlichkeiten zu ergattern, werden Überfälle auf die Mitspieler interessant: Schließlich locken auch zerstörte Tempel die Personen an. Und unbesetzte Stadtfelder gibt es später im Spiel nicht mehr, sodass man hier auf Eroberungen angewiesen ist, wenn man noch dringend Städte braucht. Wer sich primär auf Goldproduktion und den Erwerb von Fortschritten spezialisiert, kann das Spiel auch gewinnen, ohne jemals etwas erobert zu haben, wenn die Mitspieler dies nicht verhindern, indem sie auch bei den Fortschritten mitmischen oder den führenden Spieler rechtzeitig angreifen.

Bei Antike II kommt es darauf an, seine Aktionen effizient zu planen und den Konkurrenten im entscheidenden Augenblick immer einen Schritt voraus zu sein. Wie bei allen Konfliktspielen gibt es die Problematik, dass frühzeitiges Verbünden gegen einen Mitspieler diesem kaum eine Chance lässt. Willkürliche Attacken sind zumindest unter klugen Spielern aber selten, weil der Angreifer sich dadurch selber benachteiligt. Willkür der Mitspieler und Königsmacherei ist daher bei Antike II meist weniger ausgeprägt als bei reinen Konfliktspielen.

Unterm Strich ist Antike II in unseren Spielrunden gut angekommen. Es ist relativ schnell erklärt und verstanden, die Regeln sind schlank und wirken ausgereift, der Ablauf flüssig. Für manchen Geschmack ist das Spiel aber schon zu schlank: Ein Zivilisationsspiel mit kaum thematischen Details, recht limitierten Ausbau- und Fortschrittsmöglichkeiten und einem sehr nüchternen Kampfsystem ist sicher nicht jedermanns Geschmack.

Mehr als andere Spiele erfordert dieses Werk aufgrund der nicht vorhandenen Glückselemente zudem ein ausgewogenes Spielstärken-Niveau der Mitspieler, um optimal zu funktionieren. Anfänger können mit unbedachten Aktionen schnell nicht nur ihre eigenen Chancen ruinieren, sondern auch die Balance zwischen den anderen Spielern nachhaltig durcheinander bringen. In einer Runde gewiefter Strategen kann Antike II aber für eine sehr spannende und herausfordernde Spielerfahrung sorgen.

Rezension Hardy Jackson

Vergleich

Die wichtigsten Neuerungen bei Antike II im Vergleich zu Antike (nicht vollständig):

  • Militär-Einheiten kosten nun zwei Eisen (statt nur eins)
  • Man braucht keine Extra-Bewegung mehr für den Angriff auf eine Stadt, dafür gibt es aber auch nur noch einstufige Bewegungs-Fortschritte
  • Bis zum Erhalt der dritten Persönlichkeit haben Städte eine erhöhten Schutz gegen Angriff
  • Fortschritte wurden überarbeitet, neu sind z.B. die Warentausch-Fortschritte.
  • Auf einer der beiden Karten gibt es nun auch Städte, bei denen man die Rohstoffart frei wählen kann
  • Die Bellona-Karte, die zunächst der letzte Spieler in der Zugreihenfolge bekommt und nach Benutzung weitergereicht wird, gleicht den Startspieler-Vorteil aus.
  • keine 2-Spieler Variante mehr enthalten (dafür gibt es ja mittlerweile Antike Duellum)

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Antike II: 5,5 5,5, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.04.15 von Hardy Jackson
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.03.15 von Jost Schwider - Das überragende Spiel nochmals verbessert! Dank Upgrade Kit lohnt es sich auch für Besitzer des Urspiels.

Leserbewertungen

Leserwertung Antike II: 6,0 6.0, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.03.15 von Hans Huehnchen - Simple Regeln, hohe Tiefe und sehr kurzweilig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.15 von Markus Bach - Da ist Hans' knapper Aussage nichts mehr hinzuzufügen. Auch als Antike Duellum für zwei Spieler einen Blick wert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.06.15 von nora - Wir haben Antike II mehrmals in verschiedenen Runden zu viert gespielt -- von sehr aggressiv bis zu sehr friedlich auf Mittelmeer und Orient und es hat jedesmal viel Spaß gemacht. Die Skalierung könnte noch etwas deutlicher ausfallen, aber das ist schon der einzige Kritikpunkt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.06.15 von 49152 - Was bei allen MacGerdts-Spielen einfach einzigartig ist, ist die Entwicklungszeit. Man merkt dem Spiel an, dass hier unzählige Testrunden ein phantastisches Spiel haben entstehen lassen, das in punkto Zugänglichkeit, Spielreiz, Spielwert und hinsichtlich verschiedener Taktiken seinesgleichen sucht. Meiner Meinung nach das beste Rondellspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.06.15 von Ernst-Jürgen Ridder - Noch etwas besser als das Vorgängerspiel. Knappe 6 Punkte.

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