Rezension/Kritik - Online seit 15.01.2010. Dieser Artikel wurde 6653 mal aufgerufen.

Heads of State

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Autor: Peter Hawes
Illustration: Czarnè
Verlag: eggertspiele
Rezension: Andreas Molter
Spieler: 2 - 5
Dauer: 90 - 120 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2008
Bewertung: 4,4 4,4 H@LL9000
4,0 4,0 Leser
Ranking: Platz 2526
Heads of State

Spielziel

Das Spiel versetzt uns in die Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts in Europa, in der einflussreiche Familien und königliche Dynastien versuchen, ihre Familienmitglieder an möglichst vielen europäischen Höfen in die höchsten Machtpositionen zu bringen. Das Streben nach den einflussreichsten Posten führt zu Intrigen und Verrat, so dass die eingesetzten Adligen ständig in der Angst vor Mordanschlägen durch Assassinen, dem Galgen, dem Schafott, dem Henker oder der spanischen Inquisition leben.

Ablauf

Die Spieler versuchen als Oberhäupter einer einflussreichen Familie ihre Adligen in den vier Ländern Britannien, Spanien, Frankreich und Deutschland über drei Jahrhunderte hinweg zu etablieren.

Mittels Attributkarten versucht man die verschiedenen Adligen vom Baron über den Duke zum Prinzen oder König auf das Spielbrett zu setzen. Hierzu zieht man Attributkarten von einer offenen Auslage bzw. vom verdeckten Stapel. Je mächtiger der Rang des Adligen ist, desto mehr Attributkarten werden benötigt. Ein einfacher Baron kostet eine Attributkarte Geld, während ein König alle 8 verschiedenen Attributkarten benötigt. Für alle dazwischen rangierenden Adligen benötigt man eine Kombination aus bestimmten verschiedenen Attributkarten.

Da jeder Adlige einen vorgeschriebenen Platz auf dem Brett einnehmen muss, werden die Einsetzmöglichkeiten im Laufe des Spiels immer begrenzter. Sollte kein freier Platz für einen Adligen mehr vorhanden sein, heißt es mittels Verratskarten diesen Platz zu schaffen. Verratskarten gibt es länderbezogen, z. B. die Guillotine in Frankreich und die spanische Inquisition, oder in Form von Assassinen, welche in jedem beliebigen Land eingesetzt werden können. Die länderbezogenen Verratskarten töten den angegriffenen Adligen auf jeden Fall, während die Assassinen nicht automatisch Erfolg haben. In diesem Fall werden vom angreifenden Spieler 3 Holzwürfel seiner Farbe in einen Sack geworfen, während vom angegriffenen Spieler nur ein Würfel in den Sack kommt. Wird ein Würfel in der Farbe des Angreifers gezogen, wird der angegriffene Adlige getötet und es ist ein Platz für einen neuen Adligen frei geworden.

Das Spiel verläuft über 3 Runden (Jahrhunderte), in denen der Stapel der Attributkarten durchgespielt wird. Ein Jahrhundert endet sofort, wenn die Revolutionskarte gezogen wird, welche unter die letzten 10 Attributkarten gemischt wurde. Hier wird das Spiel sofort unterbrochen und es kommt zu einer Zwischenwertung bzw. am Ende des dritten Jahrhunderts zum Spielende mit der Schlusswertung.

Die Jahrhunderte sind geprägt durch die einzelnen Spielzüge der Spieler, welche aus folgenden Möglichkeiten wählen können:

  • 3 Attributkarten nachziehen (offen oder verdeckt) oder
  • 1 Attributkarte und 1 Verratskarte nachziehen oder
  • alle Karten der offenen Auslage entfernen und 1 Karte der neuen Auslage nachziehen.

Hier steckt man immer in der Zwickmühle, möglichst viele verschiedene Attributkarten nachzuziehen, oder die unverzichtbaren Verratskarten, welche man benötigt, um Platz für seine Adligen zu schaffen. Anschließend darf man Adlige einsetzen und vorhandene Adlige mittels Verratskarten entfernen.

Siegpunkte bekommt man beim Einsetzen der Adligen, wenn man der Erste in einer Provinz eines Landes ist oder wenn man in allen Provinzen eines Landes vertreten ist bzw. war (tote Adlige verbleiben auf dem Spielbrett und zählen hierbei mit). Außerdem bekommt man Siegpunkte, wenn man als erster, zweiter oder dritter Spieler von allen 7 verschiedenen Adligen mindestens einen ins Spiel gebracht hat. Beim Wechsel der Jahrhunderte bekommt man Siegpunkte in den 4 Ländern, wenn man der Spieler mit der höchsten oder zweithöchsten Anzahl an Einflusspunkten ist. Am Spielende werden noch einmal zusätzlich Siegpunkte für die Mehrheiten bei den Adelskarten verteilt, d. h. der Spieler (bzw. die 2 Spieler) mit den meisten Adligen jeder Sorte bekommt nochmals Siegpunkte.

Fazit

Mit Heads of State erhält man ein Spiel, welches einfache und eingängige Mechanismen mit einer Vielzahl von Optionen zur Siegpunktbeschaffung verknüpft. Es handelt sich um ein Mehrheitenspiel, welches sowohl für Viel- als auch für Gelegenheitsspieler geeignet ist, weil ein nicht zu unterschätzender Glücksfaktor durch das Nachziehen der Karten ins Spiel kommt.

Die Mechanismen des Spiels hat man nach wenigen Spielzügen verstanden, so dass man sich schnell darauf konzentrieren kann, die Konkurrenten und die sich ständig ändernden Machtverhältnisse in den Ländern im Auge zu behalten, um sie für sich zu beeinflussen.

Die Grafik des Spielmaterials ist sehr schön, erschwert aber durch eine gewisse Überfrachtung die Übersicht. Es stellt sich hier die Frage, ob nicht weniger mehr gewesen wäre. In unseren Spielrunden wurde diese mangelnde Klarheit oft kritisiert, denn bei nicht optimalen Lichtverhältnissen muss man doch sehr genau hinschauen. Auch die nicht klare Trennung der Spieler- von den Länderfarben führte bei der Vergabe von Siegpunkten hin und wieder zu Fehlgriffen. Wenn z. B. der grüne Spieler in Britannien (Rot) gepunktet hat, verführte dies schnell dazu, die Siegpunkte Rot zuzuschreiben.

Das Spielmaterial, welches reichlich in Form von Karten, Adels- und Siegpunktmarkern aus Holz vorhanden ist, lässt qualitativ keine Wünsche offen. Auch die Karten weisen nach etlichen Spielen kaum Gebrauchspuren auf.

Die Spielanleitung enthält alle wichtigen Details und gute Beispiele, verfällt aber doch hin und wieder in unnötig lange Beschreibungen. Dies geht zu Lasten der Übersichtlichkeit, so dass man hin und wieder suchen muss, um bei Fragen den richtigen Abschnitt zu finden. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln finde ich auf einem gesonderten Blatt grundsätzlich besser als am Ende der Spielregel, denn dann kann man das Blatt bei Bedarf schnell weitergeben, anstatt immer mit der kompletten Regel arbeiten zu müssen.

Das Spiel selbst kam in unseren Spielrunden durchweg gut an, wobei vereinzelt die für diese Art von Spiel recht lange Spieldauer von 90 Minuten und mehr sowie der Glücksfaktor beim Nachziehen der Karten bemängelt wurden. Durch das Entfernen von fremden Adligen hat das Spiel einen nicht zu unterschätzenden Ärgerfaktor, den ich als sehr spaßig empfinde, was weniger frusttolerante Mitspieler aber oft anders empfinden. Man sollte beim Entfernen anderer Adliger aber darauf achten, dass man den frei gewordenen Platz sofort wieder belegen kann. Ansonsten freut sich wahrscheinlich der berühmte lachende Dritte.

Das eingeschränkte Platzangebot kommt erst bei Spielrunden mit 4 oder 5 Spielern voll zum Tragen und führt in diesen Runden auch zu weniger planbaren Spielzügen, weil sich die Spielsituation doch mitunter nach einer Spielrunde sehr stark verändert haben kann, so dass man seine Planungen immer wieder den veränderten Situationen anpassen muss. Mit abnehmender Spielerzahl wird das Spiel deutlich planbarer, weil zum einen mehr Platz vorhanden ist und zum anderen weniger Spieler um begehrte Plätze kämpfen.

Das Spielende kommt dann doch für den einen oder anderen Spieler zu früh und unvermittelt, weil die möglichen Optionen der Einflussnahme zum Spielende deutlich zunehmen und man gerne noch die eine oder andere Option wahrnehmen würde, um sich weitere Vorteile zu verschaffen.

Die angegebene Spieldauer von ca. 90 Minuten wird mit der vollen Spielerzahl oder bei wenig entscheidungsfreudigen Mitspielern oft deutlich überschritten. Im ersten Spielabschnitt (dem ersten Jahrhundert) wurde in unseren Spielrunden oft nur das Spielbrett mit Adligen gefüllt, erst nachdem das Brett gefüllt ist und man sich mittels Intrigenkarten Platz verschaffen muss, steigt der Spannungsbogen deutlich bis zum Spielende an. Der Sieger steht oft erst nach dem letzten Spielzug fest, da ein hinterhältiger Angriff kurz vor der letzten Revolution eventuell wertvolle Punkte bringen oder kosten kann.

Die angegebene Altersangabe von 12 Jahren ist passend ausgewählt, da das Spiel aufgrund seiner Spieldauer von 90 Minuten und mehr eine gewisse Ausdauer voraussetzt. Mit der Komplexität der Spielmechanismen und dem trotz vorhandenen Glücksfaktors notwendigen Planungsaufwand sind in unseren Spielrunden Teenager ohne Probleme klar gekommen.

Heads of State ist in Summe ein rundum gelungenes Spiel, welches sich erfrischend von der breiten Masse der zurzeit in allen Arten vorkommenden Aufbauspielen absetzt.

Rezension Andreas Molter

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Heads of State: 4,4 4,4, 5 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.12.09 von Andreas Molter
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.12.08 von Michael Andersch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.01.09 von Horst Sawroch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.01.10 von Regina Molter
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.06.12 von Katrin Husmann

Leserbewertungen

Leserwertung Heads of State: 4,0 4.0, 6 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.01.10 von Wolfgang Kirchhoff - Wir haben das Spiel bisher zweimal zu fünft gespielt. Haben beim ersten Mal ca. 3 Stunden, beim zweiten Mal ca. 2 1/2 Stunden benötigt. Übermäßig lange Denkpausen kamen kaum vor. Das Spiel ist sicherlich nicht der große Überflieger, aber es hat allen Spaß gemacht und jeder war zu weiteren Partien bereit, zwecks testen anderer Strategien.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.01.10 von Ernie - Dieses auf Karten(un)glück basierende Werk ist KEIN Strategiespiel, allenfalls ein Taktikbeitrag mit allerdings sehr geringem Tiefgang. Der Mechanismus ist ebenso schlicht wie die Grafik grauselig ist. Die Holzmarker wirken gewissermaßen -Verzeihung- "overdressed" ebenso wie der Spielplan "oversized". Es gibt gute Alternativen - auch aus dem Hause Eggertspiele.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.01.10 von Braz - Sehr schönes Strategiespiel basierend auf einem Kartenmechanismus. Mir hat es gut gefallen. Kein Knaller, aber es wird immer wieder gerne bei uns gespielt.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.02.10 von Babak Hadi - Jeder der Kardinal un Konig mag wird Heads of State lieben. Das Spiel ist viel strategischer als man zu anfang denkt. Ich mag auch das das Spiel in der letzten Runde sehr interactiv wird!
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.10.10 von Martin Schipper
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.10.10 von Heinz Tenk

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