Rezension/Kritik - Online seit 21.12.2008. Dieser Artikel wurde 12657 mal aufgerufen.

Sylla

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Autor: Dominique Ehrhard
Illustration: Arnaud Demaegd
Verlag: Ystari Games
Rezension: Horst Sawroch
Spieler: 3 - 4
Dauer: 60 - 90 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2008
Bewertung: 4,6 4,6 H@LL9000
4,4 4,4 Leser
Ranking: Platz 751
Download: Kurzspielregel
Sylla

Spielziel

Lucius Cornelius Sylla, der Herrscher Roms, dankt ab (79 v. Chr.). Welcher Senator tritt in seine Fußstapfen? Die Spieler übernehmen die Rolle dieser Senatoren und versuchen, das höchste Ansehen in der Bevölkerung zu erwerben. Dazu gilt es, sich eine Kartenauslage unterstützender Charaktere und Bauwerke aufzubauen, Bauvorhaben durchzuführen und Seuchen, Hungersnot und Krisen möglichst abzuwenden.

Ablauf

Jeder der 3 bis 4 Spieler übernimmt die Rolle eines römischen Senators. Über 5 Runden, die jeweils aus 7 Phasen bestehen, sollen möglichst viele Ruhmespunkte gesammelt werden. Einige der Ruhmespunkte sammelt man während des Spiels, z. B. durch die Beteiligung an der Errichtung von Bauwerken. Mindestens genauso wichtig ist aber der Erwerb von Res-Publica-Markern, die nur einmal am Ende des Spiels gewertet werden. Diese gibt es in drei verschiedenen Ausprägungen (Farben), deren aktueller Wert auf der "Res-Publica-Leiste" angezeigt wird. Diese Werte werden durch das Verhalten der Spieler während des Spiels gesteuert.

Zur Unterstützung erhalten die Senatoren zu Beginn ein kleines Gefolge in Form von einigen Charakterkarten. Es gibt 5 Sorten von Charakteren, die jeweils eine Fähigkeit haben, die nur in einer bestimmten Phase genutzt werden kann. Allen Charakteren gemeinsam ist die Doppelfunktion, über eine Eigenschaft und über Kaufkraft in Form von Edelstein-Farbmarkern zu verfügen. Letzteres kann genutzt werden zum Ersteigern von Bauwerken - wenn die Farbmarker mit dem Angebot übereinstimmen. Jeder Charakter kann aber nur in einer Funktion pro Runde eingesetzt werden: Entweder mit seiner Kaufkraft bei der Versteigerung der Bauwerke oder entsprechend seiner Fähigkeit.


Die folgenden sieben Phasen einer Runde werden immer in der angegebenen Reihenfolge ausgeführt:

  1. Das Amt "Erster Konsul" wird versteigert. Die Konsul-Würde bringt einige Vorteile, z. B. einen Res-Publica-Marker oder die Entscheidungsgewalt bei Gleichstand.
  2. Jeder Spieler erweitert sein Gefolge aus einer offenliegenden Auswahl um einen Charakter.
  3. Mit den Charakterkarten werden Bauwerke ersteigert, die Werte (Geld, Marker, Ruhmespunkte) einbringen oder Zusatzfunktionen ermöglichen. Ein hier eingesetzter Charakter darf in den folgenden Phasen der Runde nicht mehr eingesetzt werden!
  4. Einkommen für alle - die Höhe des Geldbetrags richtet sich nach ausliegenden Bauwerken und Händler-Charakteren.
  5. Seuchen - in Form von vier Negativereignissen gilt es nun mit den Charakteren "Vestalin" und "Soldat" zu bekämpfen. Jeder dieser Charaktere hat einen Stärkepunkt für die Entscheidung, welches Ereignis nicht ausgeführt wird. Für jedes Ereignis erhält der jeweils einflussreichste Senator eine Belohnung, meist Res-Publica-Marker oder Ruhmespunkte.
    Die beiden Ereignisse mit den wenigsten Stärkepunkten treten ein und führen in den meisten Fällen zu einer negativen Beeinflussung der Res-Publica-Leiste.
  6. Im versteckten Bietmodus wird ein Bauvorhaben zum Wohle Roms durchgeführt. Dies führt selbstverständlich zu einer positiven Beeinflussung der Res-Publica-Leiste und belohnt die beteiligten Senatoren mit Ruhmespunkten - den fleißigsten Spender natürlich mit den meisten.
  7. Sinkt einer der Marker auf der Res-Publica-Leiste auf den Tiefstwert, tritt eine Krise ein. Wer sich in dieser Kategorie am wenigsten engagiert hat, d. h. über entsprechende Res-Publica-Marker verfügt, verliert Ruhmespunkte - und umgekehrt.

In der letzten Runde wird die Kirche als zusätzliches Bauwerk errichtet und alle Sklaven und Christen, gekennzeichnet durch ein Fisch-Symbol auf den Charakterkarten, gelten thematisch als befreit und bringen ihren Besitzern weiteren Ruhm.

Als letzter Vorgang werden zu Spielende die gesammelten Res-Publica-Marker ausgewertet. Diese werden nun multipliziert mit dem entsprechenden Stand der Res-Publica-Leiste und so mit weiteren Ruhmespunkten honoriert. Der Lorbeerkranz gebührt jenem Spieler, der den größten Ruhm erworben hat - er ist Spielsieger und neuer Herrscher Roms!

Fazit

Ystari – Sylla: wie gewohnt finden die beiden als Verlagskennzeichen dienenden Buchstaben ihren Platz im Spielnamen - wenn auch erstmals in vertauschter Reihenfolge. Soll das symbolisch dafür stehen, dass hier bekannte Spielekomponenten in neuer Anordnung verwendet wurden? Auf den ersten Blick scheint sich dies wie ein roter Faden durch das Spiel zu ziehen.

Aber werfen wir zuerst einen Blick auf die Ausstattung: Vom Ausmaß erschreckt hält man ein 10 Seiten starkes Regelheft in der Hand. Der Umfang bleibt jedoch das einzig Erschreckende – über eine historische Einführung wird man hineingesogen in eine interessante, leicht lesbare Erklärung des Spielablaufs, die keine Fragen offen lässt. Spielziel, Vorbereitung, Spieleprinzip, Spielablauf und Spielende sind in eigenen Rubriken, reich an Beispielen und Bildern, übersichtlich und vorbildlich erklärt.

Das Spielmaterial ist gut – besonders hervorzuheben sind die stimmungvoll und detailliert gezeichneten Bauvorhabenkarten. Nervig ist die zu klein geratene Ruhmespunktleiste. Durch die etwas zu groß geratenen Ruhmespunktmarker muss man schon sehr Obacht geben, die Zählerstände nicht versehentlich zu verschieben. In unseren Spielrunden benutzten wir je einen der beiliegenden kleinen Farbwürfel und konnten dadurch drohenden Ärger nahezu ausschließen.

Nun aber von diesem eher nebensächlichen Aspekt zum Spieleindruck, denn dieser ist wirklich hervorragend! Man findet in der Tat bekannte Spielkomponenten - aber ist es nicht auch das Geheimnis berühmter Köche, wie man durch geschicktes Verarbeiten bekannter Zutaten neue Geschmackserlebnisse kreiert? Analog wurden hier Spielemechanismen in eine stimmungsvolle Thematik eingebettet und geschickt, uhrwerkgleich und spannend miteinander verwoben.

Zu Anfang der Runden gilt es, durch die verschiedenen Charaktereigenschaften und die Doppelfunktion der Karten über alle Phasen vorausschauend zu planen. Welche Schwerpunkte setze ich mir je Runde und mit welchem Gefolge strebe ich diese an? Reicht mein Einkommen in der Bietphase? Welchen Charakter "opfere" ich zum Ersteigern eines Bauwerks? Gerade Vestalin und Soldat setzt man ja auch gerne zur Einflussnahme auf die Negativereignisse ein. Durch kurze Phasen sind die Spieler nahezu ständig aktiv und in stetig wechselnde Entscheidungen eingebunden. Zusätzlich heißt es, die Möglichkeiten der Mitspieler abschätzen, die verdeckt gesammelten Res-Publica-Marker nicht zu vernachlässigen und den eigenen gefühlten Mangel verwalten.

Strategie mit einer Vielfalt an Faktoren, die es im Auge zu behalten gilt, bestimmt das Spiel - Glück spielt nur bei der Auswahl von Charakterkarten und Bauwerken eine geringe Rolle. Eine zweifelsfrei siegbringende Strategie konnte ich nicht feststellen und dies spricht eindeutig für die hervorragende Variabilität. Beispielsweise kann man versuchen, durch viele Vestalinnen und Soldaten Einfluss auf die Negativereignisse zu nehmen oder man setzt auf abstimmungsunterstützende Senatoren und geldbringende Gebäude, um Ruhmespunkte bei den Bauvorhaben zu sammeln.

Natürlich gibt es bei soviel Licht auch ein wenig Schatten: Manchmal vermisst man mehr Möglichkeiten, direkten Einfluss auf die Res-Publica-Leiste nehmen zu können. Wenn Marker einmal am unteren Ende der Leiste angekommen sind, ist es schwierig, sie dort wieder wegzubekommen. Da hilft es nur noch, den betreffenden Marker zu sammeln, damit man bei der nächsten Krise nicht mehr die wenigsten Marker dieser Farbe hat. Ferner empfiehlt es sich, bei der Charakterauswahl bereits frühzeitig die Wertung des letzten Bauwerks, der Kirche, in die eigenen Planungen einzuschließen, damit man später angemessen am Ruhm der Sklaven und Christenbefreiung teilhaben kann.

Sylla ist sicherlich kein einfaches Familienspiel, aber bereits Wenig-Spieler dürften, erleichtert durch Thematik und strukturierten Ablauf, ihre Freude an dem Spiel haben. Es ist vielschichtig, interaktiv und jedes Spiel öffnet immer wieder neue reizvolle Aspekte. Für ein Spiel mit einer solchen Vielfalt an Faktoren, die es im Auge zu behalten gilt, und gleichzeitig einer Spielzeit merklich unter 90 Minuten ist es ein Stern am Ystari-Himmel - und nicht nur dort!

Rezension Horst Sawroch

Regelvarianten

Auf der ProLudo-Homepage wird eine Variante für zwei Personen angeboten: http://blog.proludo.de/regel-downloads/

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H@LL9000-Bewertungen

Sylla: 12 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 4,6 4,6

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.12.08 von Horst Sawroch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.11.08 von Carsten Pinnow
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.08 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.08 von Barbara Winner
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.08 von Patrizia Holz
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.12.08 von Andrea Poganiuch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.12.08 von Michael Andersch
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.12.08 von Frank Gartner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.12.08 von Rene Puttin
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.12.08 von Michael Schlepphorst
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.03.09 von Bernd Eisenstein - Gnadenlos überschätzt.Aneinanderreihung von Mechanismen - mehr nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.07.10 von Andreas Odendahl

Leserbewertungen

Sylla: 13 Leserbewertungen, Durchschnitt: 4,4 4.4

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.12.08 von Ernie - Ehrhards bisher ambitioniertestes Werk bietet ein Sammelsurium an bekannten Elementen und Mechanismen, die hier - im Gegensatz zu anderen Epigonen - allerdings absolut stimmig umgesetzt wurden. Man darf auf das nächste Werk gespannt sein, weyter so !
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.12.08 von Braz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.12.08 von Frank - "Das Spiel läßt viele Strategien zu" so urteilte ein Vorredner. Ich habe das eher als eine gewisse Beliebigkeit erlebt. Egal was man tut, ein paar Punkte gibt es halt immer. Der Einfluß auf die Res-Publica-Leiter ist doch eher gering. Ein sicher interessantes Spiel, aber kein Meitserwerk aus dem Y-Haus. Liegt für mich im Spielspaß zwischen 3 und 4.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.12.08 von Jo Speicher
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.01.09 von Frank - Eine Sammlung diverser Mechanismen, deren Kombination ein sehr interessantes Spiel ergeben! Man muss flexibel agieren und stets seine Mitspieler im Auge behalten... Klasse Spiel, Spielspaß ist eine 5-6!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.02.09 von Tom Hilgert - Ein Spiel, das mindestens 90 Minuten dauert aber immer nur auf Karten reagieren lässt ist etwas unbefriedigend. Grafik zwar wunderschön, aber oft unbrauchbar kleine Symbole
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.04.09 von Gelber Pöppelfresser
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.05.09 von Andreas
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.05.09 von Julius Tasler - Sylla hat fast schon zuviele Optionen und Stellschrauben, daher ist es schwierig, eine feste Linie zu verfolgen. Dennoch ein gutes Spiel aufgrund seiner zahlreichen Möglichkeiten der Interaktion und Einflußnahme.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.11.09 von Andreas Odendahl - Einige Spielelemente kommen mir arg unausgewogen vor. In meinen Augen eher ein schwaches Ystari-Spiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.04.10 von Mike
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.11.13 von Andreas Freye - Wenn es schon ein historisches Thema sein soll, dann bitte richtig recherchieren. Christenverfolgungen und Kirchenbau in einem vorchristlichen Jahrhundert? Bitte was? 6, setzten.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.03.16 von Gentledom - Viele Wege führen nach Rom, ähm zum Sieg. Durchaus ein schönes Spiel das immer mal wieder auf den Tisch kommt. Bei mir schwankt es zwischen 4 und 5 Punkten, weil der Wiederspielwert aber nicht gering ist und es auch für Wenigspieler geeignet ist, schwache 5 Punkte.

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