Rezension/Kritik - Online seit 13.12.2017. Dieser Artikel wurde 4363 mal aufgerufen.

Century: Die Gewürzstraße

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Autor: Emerson Matsuuchi
Illustration: David Richards
Fernanda Suárez
Verlag: Abacus Spiele
Plan B Games
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 5
Dauer: 30 - 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2017
Bewertung: 3,9 3,9 H@LL9000
3,3 3,3 Leser
Ranking: Platz 3796
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Century: Die Gewürzstraße

Spielziel

Vor Jahrhunderten war der Gewürzhandel weltweit der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Einige Gewürze waren noch weit wertvoller als Gold. Wohlan, versetzen wir uns zurück in jene Zeit. Als Karawanenführer wollen wir selbstverständlich teilhaben an diesem Reichtum. Wir kaufen entlang der Gewürzstraße Gewürze ein, handeln und tauschen diese, um auf den Märkten schließlich die begehrten Aufträge erfüllen zu können.

Ablauf

Vier verschiedene Gewürze kommen im Spiel vor, dargestellt durch farbige Würfel: gelb für Kurkuma (ein wesentlicher Bestandteil des Currypulvers), rot für Safran, grün für Kardamom (eine Pflanzenart aus der Familie der Ingwergewächse) und braun für Zimt. Diese Reihenfolge - gelb, rot, grün und braun - repräsentiert auch ihre aufsteigende Wertigkeit.

Wir beginnen unser Unternehmen mit einer Karawane, welche bis zu 10 Waren transportieren kann, außerdem mit zwei Händlern und ein paar Säcken Gewürzen, hauptsächlich Kurkuma. Unterwegs treffen wir auf weitere Händler und hilfreiche Personen. Vom gut gemischten Stapel der Händlerkarten werden sechs Händlerkarten offen in einer Reihe in der Tischmitte ausgelegt. Diese können uns entweder neue Gewürze beschaffen, Gewürze in wertvollere umwandeln oder erlauben uns einen Tausch bestimmter Gewürze in andere Gewürze.

Fehlen nur noch die Märkte. Die Märkte - sie werden hier etwas phantasielos "Punktekarten" genannt - liegen ebenfalls offen aus. Auf ihnen sind die gewünschten Gewürze sowie die damit verbundene Entlohnung (in Siegpunkten) angegeben. Oberhalb der beiden vordersten Karten werden zudem einige Silber- bzw. Goldmünzen gelegt, welche einen Bonus für besonders begehrte Gewürzkombinationen darstellen.

Wer an der Reihe ist, kann für seinen Spielzug eine von 4 Aktionsmöglichkeiten wählen. Er kann

A) eine seiner Handkarten ausspielen und die darauf abgebildete Aktion (Gewürze nehmen, umwandeln oder tauschen) ausführen.

B) eine Händlerkarte erwerben, indem er zuerst auf alle links des gewünschten Händlers liegenden Karten je ein Gewürz legt (die äußerst links befindliche Karte ist demnach umsonst), und dann die neue Karte auf die Hand nimmt, eventuell auf ihr liegende Gewürze legt er auf seine Karawanenkarte.

C) Rasten, was bedeutet, dass er alle ausgespielten Händlerkarten zurück auf seine Hand nimmt, wodurch sie ihm ab dem nächsten Spielzug wieder zur Verfügung stehen.

D) Punkte sammeln, indem er alle auf einem Markt benötigten Gewürze abgibt, und dann die Punktekarte verdeckt vor sich ablegt. War es eine der beiden ersten Punktekarten, bekommt er zusätzlich noch die dazugehörige Gold- oder Silbermünze.

Die Auslage wird im Falle der Aktionen B und D aufgefüllt, indem zuerst Lücken durch Schieben der Karten nach links geschlossen werden, und danach ganz rechts eine neue Karte (Händler- oder Punktekarte) vom entsprechenden Stapel aufgedeckt wird.

Das Spiel endet nach der Runde, in der mindestens ein Spieler seine 5. Punktekarte (bei 4 oder 5 Spielern) bzw. seine 6. Punktekarte (zu zweit oder zu dritt) genommen hat. Anschließend zählt jeder Spieler die Punkte auf seinen Punktekarten zusammen, addiert noch die Werte seiner gesammelten Gold- und Silbermünzen hinzu, außerdem zählt jedes verbliebene Gewürz (außer Kurkuma) je 1 Punkt. Der Spieler mit der höchsten Gesamtsumme hat sich schlussendlich als geschicktester Karawanenführer erwiesen.

Fazit

Das Spielprinzip von Century - Die Gewürzstraße ist ziemlich einfach und bedarf keiner langen Erklärungen: Karten ausspielen, ihren selbsterklärenden Anweisungen folgen, auf diese Weise die passenden Gewürze zusammensammeln und -tauschen, um Punktekarten zu erhalten.

Trotz seiner Simplizität ist das Spiel alles andere als banal. Es macht wenig Sinn, irgendwelche Händlerkarten aufzunehmen und wild hin- und herzu tauschen. Es gilt vielmehr, geschickte Kombinationen zu finden, sich auf Händlerkarten zu konzentrieren, deren Aktionen gut zusammenpassen, um möglichst zugsparend und flexibel vorgehen zu können.

So gesehen betreibt man bei Century eine Art Deckbuilding. Wie in Deckbauspielen kommen erworbene Karten nicht nur einmal zum Einsatz, sondern können öfter verwendet werden. Einige Unterschiede gibt es dennoch. So kommen erstens erworbene Karten sofort auf die Hand und können bereits im nächsten Zug eingesetzt werden. Zweitens entscheidet der Spieler selbst, wenn er den Ablagestapel durch die Aktion "Rasten" wieder aufnimmt. Da das Aufnehmen einen ganzen Spielzug verbraucht, sollte dies allerdings sinnvoll geschehen.

Am wichtigsten jedoch: Es gibt keinen Nachziehstapel. Der Spieler hält alle verfügbaren Karten auf der Hand, weshalb er nicht von etwaigem Kartenglück abhängig ist und wesentlich besser und gezielter vorgehen kann.

Das größte Atout von Century - Die Gewürzstraße ist aber der äußerst flotte Spielrhythmus. Da jeder Spieler in seinem Zug jeweils nur genau eine (kurze) Aktion ausführen kann ist die Downtime sehr gering. Selbst notorische Grübler vermögen das Spiel nicht lange aufzuhalten. Eine Partie dauert daher selten mehr als eine halbe Stunde, was schon mal zu einer Revanchepartie verleitet.

Aber auch das ausgezeichnete Spielmaterial verdient eine lobende Erwähnung. Die Karten sind großformatig wie Tarockkarten und sehr stabil, und ihre grafische Gestaltung gefällt mir ebenfalls ausgesprochen gut. Die Würfel, welche die Gewürze darstellen, sind aus Holz und können praktisch in den 4 Schalen sortiert werden. Dazu kommen noch echte Münzen aus Metall. Dies alles ist äußerst attraktiv und trägt zur gediegenen Atmosphäre bei.

Als guter Mathematiker möchte ich Century - Die Gewürzstraße auch kurz aus rein rechnerischer Sicht betrachten. Die Punkte auf den Punktekarten ergeben sich, wenn man den einzelnen Gewürzen in aufsteigender Reihenfolge die Werte von 1 (Kurkuma) bis 4 (Zimt) zuteilt. Es gilt also, mit seinen Aktionen - abgesehen davon, dass man die richtigen Gewürze benötigt - den Gesamtwert seiner Gewürze zu steigern. Die Händlerkarten sorgen - je nach Art - für einen Zuwachs von 2 bis 4 Punkten. Dieser Wert kann durch die Möglichkeit, einen Tausch auch mehrfach durchführen zu dürfen, noch gesteigert werden. Häufiges Rasten stellt sich hingegen als kontraproduktiv heraus. Wer diese Überlegungen berücksichtigt, kann dies zu seinem Vorteil nutzen.

Man muss aber nicht unbedingt eine mathematische Koryphäe sein, das Spiel lässt sich auch wunderbar aus dem Bauch heraus und mit gesundem Hausverstand spielen. Außerdem täte man Century auf diese trockene Weise Unrecht, denn insgesamt ist es eine gelungene Komposition, die sowohl gelegentliche als auch erfahrene Spieler anspricht, und in Bezug auf die relativ kurze Spieldauer doch viel taktischen Tiefgang bietet, inklusive etwas Interaktion durch die offenen Auslagen.

Der erste Teil des Spieletitels - Century - ist übrigens ein versteckter Hinweis darauf, dass es nicht bei diesem einzelnen Werk bleiben soll. Geplant ist vielmehr eine Trilogie, eine Reihe eigenständiger Spiele, die auch in Kombination spielbar sind, und bei der jeder Titel ein Jahrhundert zwischen 1400 und 1700 und die entsprechenden Märkte und Handelsrouten behandelt. Ich bin schon gespannt auf die beiden nächsten Spiele, welche 2018 und 2019 erscheinen sollen. Wenn die spielerische Qualität und der Wiederspielreiz ähnlich hoch sind wie bei Die Gewürzstraße, freue ich mich schon sehr drauf ...

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Century: Die Gewürzstraße: 3,9 3,9, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.06.17 von Franky Bayer - Deckbuilding auf eine andere Art: Händlerkarten nehmen, um Gewürze zu sammeln und umzuwandeln, mit den Gewürzen Punktekarten erfüllen. Schönes Spielmaterial und flotter Spielrhythmus, da vergebe ich gerne die 5.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.04.17 von Udo Kalker - Von der Art des Spiels durchaus in der "Schiene" von Splendor. Ein ewiges Hin- und Hergetausche, wo man oft das Gefühl hat, seine Ressourcen nicht wirklich zu vermehren, sondern nur zu tauschen...
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.06.17 von Michael Andersch - Tausche dies in das, das in jenes und alles zusammen in Siegpunkte. Beim Erklärt-Bekommen klang es langweilig - während des Spiels kommt dann aber durchaus Spannung auf. Viele kurze Züge, vieles, was man tun sollte, kleine Entscheidungen hier und da - nichts hochkomplexes, aber für diese geringe Regelmenge und die angenehme Spieldauer absolut Klasse!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.07.17 von Michael Kahrmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.10.17 von Michael Timpe - Ein spannendes Spiel für 30min bei dem es recht drauf ankommt, die passenden Karten zu kombinieren um passende Tauschaktionen aneinanderreihen zu können. Abwechslungsreich und schön zu spielen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.12.17 von Peter Zanow - Für so ein simples "Sammel hier, um andere Sache dort zu bekommen"-Spielchen zu aufwendig produziert.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.02.18 von Monika Harke - Sieht gut aus, das war's aber schon. Einfach nur langweilig.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.18 von Roland Winner - Man sollte m.E. die einzige Umwandlungskarte mit 3 Umwandlungen aus dem Spiel nehmen, da sie ein zu großer Vorteil für deren Besitzer ist.

Leserbewertungen

Leserwertung Century: Die Gewürzstraße: 3,3 3.3, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.03.17 von Ernst-Jürgen Ridder - Wenn es nicht schon beim Lesen und beim Betrachten des Spielmaterials aufgefallen ist, merkt man -jedenfalls als älterer Spieler- es spätestens beim Spielen: Das Spiel hat eine sehr große Ähnlichkeit in den Abläufen mit dem alten Bazaar von Sid Sackson (3M) aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Wie jenes ist es völlig losgelöst vom Thema ein rein abstraktes Spiel. Man erwirbt Farbklötzchen (heißen hier Kurkuma, Safran, Kardamom und Zimt) , wandelt diese in Farbklötzchen höherer Wertigkeit um (z.B. 2 gelbe in 2 rote oder 1 gelbes in 1 rotes und das dann in 1 grünes) oder tauscht sie mittels "Händler"karten (z.B. 4 gelbe in 2 grüne oder 3 rote in je 1 braunes, grünes und gelbes). Hat man die passende Kombi, erwirbt man damit eine Punktekarte unterschiedlicher Wertigkeit, je nachdem, auf welchem Platz die liegt, mit einer Gold- oder Silbermünze als Bonus, die am Schluss auch 3 bezw. 1 Punkt zählt. Händlerkarten nimmt sich aus einer Reihe, wobei man auf die links davon liegenden Händlerkarten je 1 Farbklötzchen legen muss. Wer eine Händlerkarte nimmt, auf der Farbklötzchen liegen, bekommt diese dazu. Hat einer 5 Punktekarten , wird die Runde noch zu Ende gespielt und abgerechnet. Weniger komplex als Bazaar, bei dem es nicht nur 4, sondern 5 Farben gibt. Früher habe ich oft Bazaar gespielt. Meine Erfahrung dabei: War in der Runde auch nur eine Frau, hatte kein Mann eine Chance. Bei den Frauen, mit denen ich das gespielt habe, haben die Synapsen im Bereich der Farbkombinationen deutlich besser funktioniert als bei den mitspielenden Männern, immerhin durften wir dabei sein. Ob das bei der Gewürzstraße anders ist, wird noch herauszufinden sein. Allerdings: Die abstrakte Hin- und Hertauscherei, um die für die Punktekarten passenden Kombis zu bekommen, ist vom Spielreiz her nicht wirklich meins.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.09.17 von Dencer - Für mich zu solitär und interaktionslos, thematisch beliebig und insgesamt wenig reizvoll bzgl. weiterer Partien.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.01.18 von Tim Mertens - Zu zweit würde ich 6 Punkte vergeben, zu dritt 5, zu viert 4 und zu fünft nur 3, weil es dann entschieden zu lange dauert für das , was es ist. Aber in kleiner Besetzung ausgesprochen flott zu spielen, viele Aktionen, eigene Entscheidungen - top.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.02.18 von vanM - Deckbuilding nur in den ersten Runden, danach rumwurschteln mit den Handkarten, die man mehr oder minder zufällig bekommen hat, das ist mir zu wenig, selbst für ein einfaches Familienspiel. Es geschieht einfach zu oft, dass keine brauchbaren Händlerkarten zur Verfügung stehen. Wer dann schon gute Händlerkarten auf der Hand hat ist zufrieden und spielt seine Kartenkombos immer wieder aus, alle Anderen krebsen mit ihren Handkarten rum und hoffen, dass das Spiel bald vorbei ist. Besonders frustrierend ist es wenn die Einen schöne Rohstoff produzierende Karten ergattern, während Andere nur auf ihre 2 Kurkuma produzierende Startkarte zurückgreifen können.

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