Rezension/Kritik - Online seit 27.06.2017. Dieser Artikel wurde 6066 mal aufgerufen.

Kanagawa

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Autor: Bruno Cathala
Charles Chevallier
Illustration: Jade Mosch
Verlag: HUCH!
IELLO
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 45 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2016, 2017
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
4,8 4,8 Leser
Ranking: Platz 545
Download: Kurzspielregel [PDF]
Kanagawa

Spielziel

Was sind wir Europäer doch eingebildet und von uns selbst überzeugt. In unseren Augen gelten nur die kulturellen Errungenschaften unserer Ahnen. In der Kunst sonnen wir uns in den Werken eines Michelangelos, eines Rembrandts, eines van Goghs. Dabei findet man auch in anderen Erdteilen erstaunliche künstlerische Leistungen, Meisterwerke, Chef d'Oeuvres. Zum Beispiel hat in Kanagawa, der großen Bucht von Tokio, der japanische Künstler Hokusai die Fachwelt mit seinen Aquarellen voller Harmonie begeistert und 1840 dort einer Malschule eröffnet.

Im Spiel Kanagawa schlüpfen wir in die Rolle eines seiner Schüler und versuchen, uns vor dem "verrückten alten Künstler" als würdig zu erweisen.

Ablauf

Wir beginnen das Spiel mit einem Startplättchen. Damit stellt uns der Meister anfangs schon mal zwei Malpinsel zur Verfügung dazu eine Leinwand mit einigen gekonnten Pinselstrichen. Für die Fortsetzung des Gemäldes sind wir nun selbst verantwortlich. Wenigstens hat uns Hokusai bereits in die richtige Maltechnik für eine bestimmte Landschaft (Wald, Berg, Ebene oder Ozean) eingewiesen.

Sowohl die Fortführung unseres Kunstwerks als auch unsere weitere Ausbildung in der Malschule werden durch Karten geregelt. Dazu sind alle Lektionskarten zweigeteilt. Legen wir sie unten an unser Startplättchen an, wird damit unser Atelier erweitert. Das bringt meistens ein Verbesserung unserer künstlerischen Fähigkeiten, etwa um eine bestimmte Landschaft malen zu können. Aber auch für andere Effekte können Karten im Atelier sorgen, zum Beispiel zusätzliche Malpinsel, die Startspielerfigur, etc.

Drehen wir eine Lektionskarte jedoch um 180 Grad, erweitert sie oberhalb unsere Grafik. Allerdings müssen wir dazu schon imstande sein, die entsprechende Landschaft malen zu können, was durch ein oder zwei Symbole dargestellt wird. Für jedes Symbol der neu angelegten Grafik muss eben ein Malpinsel auf einem passenden Feld unseres Ateliers stehen.

Wie kommen die Lektionskarten nun ins Spiel? Anfangs jeder Runde werden auf die Ablagetafel - "Schulbogen" genannt - so viele Karten gelegt, wie Schüler am Kurs teilnehmen. Sind wir am Zug, haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können unser Wissen erweitern, was so viel bedeutet, dass wir aussetzen und noch auf weitere Karten hoffen. Alternativ können wir unser neu erworbenes Wissen anwenden, indem wir alle Karten einer Spalte nehmen und sie in der Reihenfolge unserer Wahl in unser Atelier und/oder an unsere Grafik anlegen.

Nachdem alle Spieler an der Reihe waren, werden - falls sich noch Spieler in der Schule aufhalten - unterhalb der liegen gebliebenen Karten weitere Karten ausgelegt. Dies wiederholt sich bis zu einem Maximum von drei ausliegenden Reihen.

Erfüllen wir beim Anlegen einer Lektionskarte die Voraussetzungen eines Diplomplättchens (beispielsweise wenn unsere Grafik drei gleiche Landschaftssymbole aufweist), müssen wir uns sofort entscheiden, ob wird dieses Diplom annehmen, welches uns am Spielende wertvolle Extrapunkte ("Harmoniepunkte") einbringt.

Und damit sind wir auch schon bei der Schlusswertung. Das Spiel endet am Ende der Runde, in der entweder der Nachziehstapel an Lektionskarten aufgebraucht ist, oder mindestens ein Spieler elf oder mehr Karten in seiner Grafik hat. Wir erhalten Harmoniepunkte für folgende Leistungen: einen Harmoniepunkt für jede Lektionskarte in unserer Grafik, einen Punkt pro Karte in unserer längsten Folge gleicher Jahreszeiten, die Punkte auf den Lektionskarten in unserer Grafik und in unserem Atelier sowie auf den uns verliehenen Diplomen, außerdem zwei Harmoniepunkte, wenn wir am Ende die Großmeister-Figur besitzen.

Erreichen wir schlussendlich die meisten Harmoniepunkte, haben wir die Malschule erfolgreich absolviert und gewinnen nebenbei das Spiel.

Fazit

Was mein Interesse an Kanagawa geweckt hat, ist das originelle unverbrauchte Thema. Bildnerische Künste kommen nicht sehr oft in Spielen vor, und an ein Spiel über japanische Malerei kann ich mich überhaupt nicht erinnern.

Zudem ist dieses Thema traumhaft schön umgesetzt worden. Schon das Spielmaterial ist sehr gelungen. Der Schulbogen ist nicht bloß eine Tafel aus Karton, sondern eine stimmig passende Bambusmatte. Die Startspielerfiguren - eine große für den aktuellen Startspieler, eine kleine Figur für den (möglichen) nächsten Startspieler - aus Holz, ebenso wie die aufwändig gestalteten Malpinsel-Figuren. Die Handhabung der Karten mit ihren zwei Teilen ist sehr gut gelöst. Die Illustration des gesamten Spielmaterials von der Schweizerin Jade Mosch wurde übrigens für den französischen Grafikpreis "Grand Prix des Z'Illus" nominiert.

Das Spiel selbst reduziert sich auf das Sammeln von Lektionskarten. Punkte bringen meist nur Karten, mit denen man seine Grafik erweitert, wofür man halt dann die nötigen Voraussetzungen erfüllen muss, indem man die passenden Malutensilien vorweisen muss. Aber auch Karten, die man nicht an die eigene Grafik anlegen kann oder will, erfüllen ihren Zweck, kann man doch mit ihnen ohne Weiteres sein Atelier verbessern. In den meisten Fällen vergrößert dies in Folge die Chance darauf, mehr oder wertvollere Karten an die Grafik platzieren zu können.

Die Sache mit den Malpinseln möchte ich noch etwas genauer beschreiben, denn hier hatten einige Mitspieler Probleme mit dem Regelverständnis. Auf der Grafikseite jeder Karte sind ein oder zwei Landschaftssymbole angegeben. Will man mit einer Karte seine Grafik erweitern, muss man nicht nur in seinem Atelier die entsprechenden Landschaftssymbole besitzen (also über das entsprechende "Wissen" verfügen), sondern darauf auch Malpinsel stehen haben. Sind dort noch keine Malpinsel, kann man ungenutzte Pinsel neu einsetzen. Außerdem darf jeder Spieler von Haus aus einmal in seinem Zug einen Malpinsel versetzen, einige Atelierkarten erlauben weitere Versetzungen. Auf jeden Fall darf jeder Malpinsel in einem Zug nur einmal verwendet werden.

Üblicherweise ist es besser, länger in der Malschule auszuharren, um mehr Karten zu erhalten. Nachdem jede Karte irgendwie verwendet werden kann, gibt es nur wenig Gründe, sich mit zwei oder gar nur einer einzigen Karte zufrieden zu geben. Zwei Faktoren können jedoch bewirken, dass es manchmal sinnvoller ist schneller zuzugreifen.

Das eine sind die Diplomplättchen, welche man erhält, wenn man mit seinen Lektionskarten bestimmte Bedingungen erfüllt. Dabei werden verschiedene Aspekte belohnt: Bäume, Gebäude, Personen, Landschaften Tiere, Malpinsel, etc. Wie bereits erwähnt, muss man sich sofort dafür entscheiden, ob man das entsprechende Diplom nimmt oder auf ein besseres, punkteträchtigeres Plättchen wartet. Das Problem dabei ist, dass jeder Spieler von jeder Kategorie nur ein einziges Diplomplättchen sammeln darf.

Es kommt daher stark auf das richtige Timing an. Entscheidet man sich zu früh für ein Diplom, etwa jenes für vier Bäume in seiner Grafik, welches vier Harmoniepunkte einbringt, ärgert man sich unter Umständen, wenn man später fünf Bäume schafft, das entsprechend wertvollere Plättchen (sieben Harmoniepunkte) aber nicht mehr nehmen darf. Verzichtet man andererseits auf das Plättchen, steht man später jedoch vielleicht sogar mit leeren Händen da, wenn vorher ein anderer Spieler das bessere Plättchen wegschnappt. Diese knifflige Regel birgt einen hohen Dilemmafaktor.

Der zweite Faktor für einen möglichen rascheren Zugriff sind die Jahreszeiten. Die Extrapunkte für die längste Folge gleicher Jahreszeiten können manchmal den Ausschlag geben. In beiden Fällen - Diplomplättchen und Jahreszeiten - kann es Sinn machen, auf eine zweite oder dritte Karte zu verzichten, um ganz sicher die gewünschte(n) Karte(n) zu bekommen und zu verhindern, dass einem ein Mitspieler einen Strich durch die Rechnung macht. Kanagawa ist somit zwar nicht hochgradig interaktiv, aber zumindest gilt es auch die Optionen und Möglichkeiten der Konkurrenz mit zu berücksichtigen.

Bei aller Überlegung und Planung ist man allerdings doch in nicht unerheblichem Ausmaß vom Glück abhängig. So tauchen - wie bei Kartenspielen üblich - die Karten zufällig auf, sodass man wenig Einfluss darauf hat, ob die dringend benötigten Bäume, Personen oder Gebäude auch wirklich ins Angebot kommen. Ein Teil der Karten wird zudem verdeckt ausgelegt. Zwar sind die Rückseiten der Karten farblich unterschiedlich gestaltet, sodass man klar erkennen kann, dass auf einer Karte beispielsweise ein Gebäude oder Bäume sein könnten, aber eine gewisse Unsicherheit bleibt bestehen. Es gibt nämlich erstens keine Garantie darauf (einige Karten zeigen nur Landschaft, ohne jegliches andere grafische Element), zweitens weiß man dann noch immer nicht, um welches Gebäude, um wie viele Bäume es sich handelt.

So schön das Material auch ist, Abzüge gibt es dennoch wegen des Handlings. So pflegen die Malpinsel leicht umzufallen, und auch die Handhabung der Karten erweist sich als unpraktisch. Sie müssen ja unter bestehende Karten geschoben werden, was bei einer glatten Spieloberfläche eine besondere Herausforderung darstellt. Ich empfehle daher, auf jeden Fall ein Tischtuch zu verwenden, damit geht es eindeutig einfacher.

Insgesamt betrachtet ist Kanagawa nicht der große Strategiekracher, trotzdem gefällt mir das Gesamtkunstwerk, die gelungene Kombination aus hervorragender grafischer Gestaltung mit spielerisch überzeugender Komposition. Fairerweise muss ich jedoch erwähnen, dass das Spiel in meinem Umfeld weniger gut (eher durchschnittlich) angenommen wurde als von mir selbst, der ich Kanagawa jederzeit gerne spiele und daher auch gerne empfehle.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Kanagawa: 4,8 4,8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.05.17 von Franky Bayer - Traumhaft schön gestaltetes Sammelspiel, das auch spielerisch überzeugt. Für mich fehlt nicht viel für die Höchstnote.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.04.17 von Roland Winner - Sehr schönes und ungewöhnliches Spiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.05.17 von Michael Kahrmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.06.17 von Bernd Eisenstein - Optisch ein Leckerbissen mit grandiosem Material. Auf die Mechanik heruntergebrochen leider nur durchschnittlich. Aufträge erfüllen und Bonusplättchen sammeln, dazu fast schon ärgerlicher Glücksfaktor, wenn der Mitspieler zufällig die richtige Karte aufdeckt und aus meinen anvisierten 9 Bonuspunkten Null Punkte werden.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.06.17 von Andreas Odendahl - Eine große Überraschung für mich! Tolles Kartenspiel, das irgendwie einfach genug ist, aber gleichzeitig genug Entscheidungstiefe bietet. Wunderschön aufgemacht! Wertiges Material!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.06.17 von Sandra Lemberger - Spiel mit unverbrauchtem Thema und sehr schöner Aufmachung, das Gelegenheits- und Vielspieler gleichermaßen gerne mitspielen.

Leserbewertungen

Leserwertung Kanagawa: 4,8 4.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.01.17 von Dencer - Sehr schöne Aufmachung, nettes Spielprinzip, aber etwas fummelig beim Einbau der Karten. Stimmungsvoll und gute 4 Punkte.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.01.17 von Hartmut - Was für ein Augenschmaus! Dieses Spiel sieht wirklich schön aus. Und es bietet genug taktische Entscheidungsräume für ein spannendes Spiel. Nichts für Strategen, eher die Klasse "Take it easy", wo man zum Ende hin auch mal auf eine glückliche Wertung bangt und hofft. Interaktion ist gegeben, indem man sich ständig beäugt, wer welche lukrative Diplomwertung anstrebt und welche Karten er dafür bevorzugt. Spät zugreifen liefert mehr Material, zu spät zugreifen womöglich nicht das Gewünschte. Sehr reizvoll abgestimmt und soooo schön. PS: Fummelig? Das Unterstecken von Karten in zwei Reihen ist so herausfordernd nun auch wieder nicht. Lediglich die Regel ist nicht gerade super-didaktisch gestaltet, aber schnell gelesen und beim zweiten Durchlauf ist dann doch alles klar.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.01.17 von Dario - Ein Spiel, bei dem wir das Malen erlernen müssen. Als ich davon das erste Mal hörte, bekam ich große Ohren. Nachdem ich es dann einmal testen durfte, wusste ich, dass dieses Spiel den Weg in meine Sammlung finden muss. Ich habe selten ein solch kleines und kompaktes Spiel gesehen, welches einen derart hohen strategischen Tiefgang aufweist, thematisch nahezu perfekt umgesetzt ist, und bei dem das Spielmaterial seinesgleichen sucht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.01.17 von Marco Stutzke - Bis auf das fummelige Karteneinbauen, ein sehr hübsches gutes Spiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.17 von 00Schneider
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.11.17 von Shigeru - Schönes Spiel. Allerdings ist das Einbauen der Karten in die eigene Auslage etwas problematisch, da die Karten und Farbtöpfe jedes mal verrutschen können. Mit einer guten Tischdecke oder einer Mousepad-Unterlagen kann man dieses Problem in den Griff kriegen.

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