Rezension/Kritik - Online seit 25.05.2020. Dieser Artikel wurde 2396 mal aufgerufen.

Man muss auch gönnen können

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Autor: Ulrich Blum
Jens Merkl
Illustration: Leon Schiffer
Verlag: Schmidt Spiele
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 1 - 4
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2020
Bewertung: 4,6 4,6 H@LL9000
4,7 4,7 Leser
Ranking: Platz 1190
Man muss auch gönnen können
Tags:Würfeln

Spielziel

Bei diesem Würfelspiel gibt es kein vorgedrucktes Blatt, auf dem die Ergebnisse festgehalten werden, sondern die Spieler stellen sich ihren Spielblock im Laufe des Spiels durch den Kauf von Karten selbst zusammen. Im Spiel selbst darf nicht nur der aktive Spieler Ergebnisse auf seinen Karten eintragen, sondern auch alle anderen Spieler können mitmachen, sofern er nachwürfelt.

Ablauf

Zu Beginn erhält jeder einen Stift und legt drei Würfelkarten vor sich aus. Im späteren Verlauf darf diese Auslage nicht größer als 3 x 3 werden.

Der obere Bereich aller Karten ist so gestaltet, dass er eine Würfelaufgabe stellt: aufsteigende Reihen, gleiche Zahlen oder eine bestimmte Gesamtsumme. Der untere Bereich unterteilt die Karten in zwei Sorten: Siegpunktkarten und Bonuskarten. Beiden ist gemeinsam, dass sie ihre Wirkung erst entfalten, wenn ihre Würfelaufgabe im oberen Bereich erfüllt wurde. Siegpunktkarten geben am Spielende Punkte für die Erfüllung bestimmter Bedingungen, zum Beispiel für komplette Reihen oder Spalten, für bestimmte Farbkarten in der Auslage usw. Die Bonuskarten bringen meistens während des Spiels Vorteile, beispielsweise dass man ein Würfelergebnis um eins erhöhen bzw. verringern oder die Farbe eines Würfels verändern darf.

Das Spiel verläuft so, dass der aktive Spieler mit allen Würfeln würfelt. Ist er mit diesem Ergebnis zufrieden, so kann er seine Würfelaktivität beenden und die Mitspieler gehen leer aus. Entscheidet er sich jedoch, weiter zu würfeln (was er bis zu zweimal machen darf), so dürfen sich die Mitspieler jeweils einen Würfel aussuchen, dessen Wert sie auf ihren Karten eintragen.

Der aktive Spieler darf mit seinem Ergebnis entweder eine neue Würfelkarte kaufen (für drei oder vier gleiche Würfelwerte) und/oder es auf seinen Würfelkarten eintragen. Bei letzterem unterliegt er jedoch der Einschränkung, dass er mit diesem Eintrag die Aufgabenstellung der kompletten Karte beenden muss. Kann er keine der beiden Aktionen ausführen, erhält er als Trost entweder eine Würfelkarte vom verdeckten Stapel oder er darf zwei Kreuze auf beliebigen seiner Würfelkarten setzen, wobei er die jeweiligen Zahlen natürlich gewürfelt haben muss.

Das Spiel wird reihum so lange fortgesetzt, bis ein Spieler die neunte Würfelkarte für seine Auslage kauft. Danach wird die Runde fertig gespielt und noch eine komplette Runde drangehängt, ehe es zur Abrechnung kommt. Der Spieler mit den meisten Punkten aus seinen Siegpunktkarten gewinnt.

Fazit

So genannte "Roll & Write" Spiele gibt es schon eine ganze Menge; der Mechanismus, dass die anderen am Zug des aktiven Spielers "mitnaschen" dürfen, ist also nicht neu. Neu an diesem Vertreter des o. g. Genres ist jedoch die Tatsache, dass nicht auf Papierplätter geschrieben wird, sondern auf abwischbare Kärtchen. Es muss also nach absehbarer Zeit nicht nach Ersatzblöcken oder nach einem Laminiergerät Ausschau gehalten werden. Höchstens nach neuen abwischbaren Stiften, aber diese hat zumindest ein Spielerhaushalt mittlerweile immer vorrätig. Selbst für die Abrechnung wird kein Block benötigt, sondern die Punkte werden direkt auf den Karten in dafür vorgesehene Felder eingetragen; außerdem steht noch jedem Spieler eine separate Karte zum Addieren zur Verfügung. Das Ganze ist also hinsichtlich des Materials sehr gut durchdacht! Und spielerisch?

Auch da weiß Man muss auch gönnen können zu überzeugen, sofern man die erste Hürde des Regellesens genommen hat. Für Vielspieler stellt die Anleitung sicher kein Problem dar, aber Gelegenheitsspieler brauchen zum Verstehen des Spiels selbst dann eine ganze Weile, wenn sie den Ablauf erklärt bekommen. Nicht, dass dieser so schwierig wäre, aber es gibt eben doch einiges zu beachten. Was zum Beispiel immer wieder vergessen wird, ist die Tatsache, dass man als aktiver Spieler nur dann auf den eigenen Tafeln Kreuze setzen darf, wenn man die entsprechende Aufgabenkarte damit auch komplett abschließt. Oder dass man nur dann auf die Notoption von zwei Kreuzen zurückgreifen darf, wenn man bereits dreimal gewürfelt hat und mit dem Ergebnis nichts Besseres erzielen konnte. Auch dass das erste Würfelergebnis eines Spielers für alle tabu ist, muss erst einmal verinnerlicht werden.

Aber sind diese (man möchte meinen, recht kleinen, aber trotzdem immer wiederkehrenden) Hürden erst einmal genommen, so verläuft das Spiel recht flott und kann auch von Gelegenheitsspielern gut bewältigt werden.

Aufgrund der Würfel spielt natürlich das Glück eine nicht unwesentliche Rolle. Hatte man schon zu Beginn das Pech, dass die Karten für die eigene Auslage nicht so recht zusammenpassen und schafft es dann einige Runden lang nicht, drei oder vier gleiche Würfelergebnisse zu erzielen, um sich neue Karten kaufen zu können, so kommt das Spiel anfangs schwer ins Rollen. Frustrierend kann es dann schon sein, wenn man sieht, dass es bei den Mitspielern regelrecht flutscht. Aber diese extremen Pechsituationen habe ich in häufigen Partien nur sehr selten erlebt, meistens trifft das Unglück alle Teilnehmer im Wechsel.

Leidet man nur unter den üblichen schlechten Würfelergebnissen, so kann man schon dafür sorgen, sich Fortuna ein wenig gefügig zu machen. Das erkennt man schon daran, dass Anfänger selten gegen Leute gewinnen, die schon einige Partien hinter sich haben. So ist es zum Beispiel wichtig, Bonuskarten recht früh zu erfüllen, um deren Vorteile während des Spiels komplett ausnutzen zu können. Hingegen darf man den Zeitpunkt nicht verpassen, wo man auf Siegpunktkarten umsteigen sollte. Denn die besten Boni helfen am Ende nichts, bringen sie doch im Normalfall keine Siegpunkte ein. Auch auf die Anordnung der Karten sollte man genau achten. Selbst wenn man zu Beginn keine der Karten zieht, die Punkte für bestimmte angrenzende Karten generieren, so schadet ein Blick auf die allgemeine Kartenauslage nicht, um zu überprüfen, ob solche Karten in absehbarer Zeit kommen und für die eigene Auslage genutzt werden könnten.

Wichtig ist es ebenfalls, darauf zu achten, immer für neuen Kartennachschub zu sorgen. Es macht keinen Sinn, im eigenen Zug die letzte ausliegende Karte zu beenden, wenn man dann im Zug der Mitspieler keine Möglichkeit hat, an deren Würfelergebnissen teilzuhaben.

Alles in allem ein schönes Würfelspiel, das seinem Namen alle Ehre macht, denn oft genug überlegt der aktive Spieler, ob er die Würfel noch einmal herausfordert, um mehr aus seinem Zug herauszuholen, damit gleichzeitig aber auch seinen Mitspielern etwas gönnt, oder ob er sich mit weniger zufrieden gibt und seine Mitspieler dafür leer ausgehen. Man muss auch gönnen können funktioniert in jeder Besetzung gut, zu zweit hat es mir aber am wenigsten gefallen, denn hier hat man sehr wenig Mitkreuz-Gelegenheiten, würfelt dafür aber sehr oft selbst und kann/muss dann öfter die Option der Notkreuze nutzen. Außerdem ändert sich die Kartenauslage zu selten.

In jedem Fall sollte man sich dessen bewusst sein, dass es sich bei Man muss auch gönnen können in größerer Besetzung keineswegs um ein kurzes Spielchen für zwischendurch handelt, sondern dass es zu viert durchaus mal eine Stunde dauern kann.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Man muss auch gönnen können: 4,6 4,6, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.05.20 von Sandra Lemberger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.20 von Udo Kalker - Netter Absacker oder Spielchen für zwischendurch, bei dem natürlich wie immer das Würfelglück eine Rolle spielt im momentan so beliebten Roll and Write Segment. Der 3x3 Kartenaufbau bringt noch einen Schwung Dynamik mit rein.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.02.20 von Alexander Broglin - Man könnte sagen schon wieder ein Würfel-Spiel mit ankreuzen, aber diesmal steckt mehr dahinter. Für einen "Absacker" schon fast zu lange, mit vielen taktischen Möglichkeiten und natürlich ist auch hier der Name des Spiels Programm. Macht wirklich Laune und wann gibt es schon mal ein Spiel bei dem man den Mitspielern guten Gewissens was gönnen kann.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.03.20 von Michael Kahrmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.04.20 von Michael Andersch - Wie so viele Roll&Write eine recht solitäre Angelegenheit. Dieses ist noch dazu recht verkopft und auch ein wenig "man sieht es oder man sieht es nicht". Es wirkt aufgrund der vielen Möglichkeiten zwar recht strategisch, allerdings...wenn die Würfel nicht mitspielen...

Leserbewertungen

Leserwertung Man muss auch gönnen können: 4,7 4.7, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.20 von Daniel R. - Aufgrund von Aufmachung und Titel nicht erwartet aber: Dies ist mMn ein Kennerspiel. Karten müssen gekauft werden, Verschiedene Boni, bzw Fähigkeiten die ineinander Greifen, Und Wertungskarten bringen keine Absoluten Punkte sondern alles zählt nur nach Position einer Karte in der Auslage in Relation zu (allen) anderen. Das ist realtiv Komplex, geht über Qwixx hinaus und ist für Gelgenheutsspieler glaub ich zu fodernd. Das Spiel an sich ist toll, hat allerding ein paar Balancing Probleme: Einige Bonuskarten verlangen 5 oder 6 Kreuze, also man muss 5 - 6 Würfel nutzen um die Bonuskarte zu aktivieren, dafür darf man dann mit der KArte nur 3 Würfel manipulieren...ein Minusgeschäft. Dann lieber direkt auf Punktekarten gehen. AUch da kommen mir einige zu stark vor, bspw. 24 Punkte wenn man von jeder Farbe eine Karte irgendwo in der eigenen Auslage hat. ZUm Aktivieren braucht man 4 mal 1 und 4 mal 6...im laufe der PArtie bekomme ich das als passiver Spieler realtiv gut zusammen, auch je eine KArte pro Farbe ist nicht zu schwierig zu erreichen, zumal die Position dieser Karten egal ist, und diese somit zusätzlich bei anderen Karten mitzählen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.06.20 von Michael Fecke - Im Spiel hört man immer wieder die gleichen Sätze: "Oooch, würfel doch nochmal!" oder "An Deiner Stelle würde ich nochmal würfeln". Das Schöne ist, dass das Würfelspiel somit auch etwas Interaktivität hat. Es ist taktisch aber auch glücklich. Wenn die passenden Karten einfach nicht ausliegen, ist das einfach Pech! Aber auf jeden Fall ist es sehr unterhaltsam und macht Spaß! Und das ist mMn das wichtigste!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.07.20 von Heike - hatte irgendwie mehr vom Spiel erwartet. Es ist echt schwer genügend Kreuze machen zu können. Oft passt der Würfelwurf dann doch nicht wie erhofft. Nett, würde auch wieder mitspielen, aber überzeugt hat es nicht.

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