Rezension/Kritik - Online seit 21.03.2019. Dieser Artikel wurde 1787 mal aufgerufen.

Menara

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Autor: Oliver Richtberg
Verlag: Zoch Verlag
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 4
Dauer: 10 - 60 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2018
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
4,8 4,8 Leser
Ranking: Platz 1269
Menara

Spielziel

In der grünen Hölle von Menara entdeckt unser Forscherteam wundersam geformte Fragmente eines antiken Bauwerks. Gemeinsam machen wir uns ans Werk, den Tausende Jahre alten Tempel wieder aufzubauen, obwohl uns seltsame Glyphen vor einem uralten Fluch warnen, demzufolge für jeden Fehlgriff, der uns unterläuft, der Bau einer zusätzlichen Etage gefordert wird. Gelingt es uns als Team, den Tempel von Menara fertigzustellen und zu neuem Leben zu erwecken?

Ablauf

Bevor wir uns tatkräftig ins Zeug legen, eine kurze Bestandsaufnahme. Vor uns liegen mal die Fragmente, flache Bauteile in den verschiedensten, geschwungenen Formen. Diese Tempelböden sind mit farbigen Feldern verziert, wobei diese auf der hellen Vorder- und der dunklen Rückseite anders verteilt sind. Die Böden liegen alle auf einem Haufen, sodass wir immer nur auf den obersten Bauteil zugreifen können.

Die Säulen weisen dieselben Farben wie die Felder auf den Tempelböden auf: gelb, rot, schwarz, weiß und blau. Allerdings fällt auf, dass die Farben nicht gleich oft vorkommen. Während - laut Inschrift - von den gelben Säulen insgesamt 30 Stück vorhanden sein sollen, sollen es von den blauen Säulen - als anderes Extrem - gerade mal 6 Stück sein. Jeder von uns hat ein paar zufällige Säulen ausgegraben (aus einem Baumwollsäckchen) auch stehen im Camp noch sechs Säulen zum Austausch bereit. Der Rest bleibt noch im Beutel verborgen.

Und schließlich sind da noch die sogenannten "Glyphen"-Karten, welche die Bauregeln festlegen. Sie sind in drei unterschiedliche Schwierigkeitsstufen unterteilt. Im Stapel mit den blauen Glyphen verstecken sich meist leicht zu lösende Bauplankarten, unter den gelben Glyphen finden sich mittelschwere Aufgaben, und die Bauplankarten mit roten Glyphen sind überwiegend knifflig.

Bei den Aufgaben der Bauplankarten handelt es sich in den meisten Fällen um das Setzen von 1 bis 4 Säulen auf farblich passende Sockel beliebiger Tempelböden im Turm. Manchmal müssen wir zwei oder Säulen auf genau einen Tempelboden stellen. Manche Karten wiederum verlangen das Versetzen von Säulen auf beliebige höhere Etagen mit passenden leeren Sockeln. Und eine Karte - sie trägt natürlich eine rote Glyphe - gibt vor, dass ein bereits eingebauter Tempelboden versetzt wird, notfalls samt darauf stehenden Säulen!

Wir Forscher sind nacheinander dran. Unser Spielzug gliedert sich in vier Phasen:

  1. Wir dürfen zuerst Säulen mit dem Camp tauschen.
  2. Wir wählen einen Stapel aus und decken die oberste Karte auf.
  3. Wir bauen, wie es die aufgedeckte Bauplankarte vorgibt.
  4. Wir stocken unsere Säulen wieder zur vollen Anzahl auf.

Wenn es uns nicht gelingt, die geforderte Aufgabe zu erfüllen - sei es aus Ungeschicktheit oder weil die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind -, ereilt uns der Fluch. Die Anzahl der Etagen, aus denen der Tempel bis zum Ende des Spiels bestehen muss, steigt um eine weitere Etage, was unsere Aufgabe aus statischen Gründen nicht gerade erleichtert.

Das Spiel endet entweder mit dem Einsturz des Tempels, oder wenn das letzte Stück einer der 3 relevanten Bauteile (Säulen, Bauplankarten, Tempelböden) vom Vorrat genommen wurde. Nur wenn dann der Tempel (noch) die verlangte Mindesthöhe besitzt, haben wir als Team gewonnen.

Fazit

Ich hatte anfangs meine Bedenken gegenüber Menara. Rein äußerlich erinnert es nämlich stark an Villa Paletti (Autor: Bill Payne, erschienen ebenfalls im Zoch Verlag), welches 2002 sogar zum "Spiel des Jahres" gekürt wurde. Auch bei diesem Geschicklichkeitsspiel baute man Säulen und Etagen bis hoch hinauf in schwindelerregende Höhen.

Meine Befürchtung, hier würde nur eine alte Spielidee "recycelt", erweist sich jedoch bei genauerer Betrachtung als unbegründet. Im Unterschied zur "Villa", bei der die Baumeister in einem Wettstreit gegeneinander antreten, arbeiten hier die Forscher zusammen. Dieses kooperative Vorgehen erzeugt ein völlig anderes Spielgefühl.

Es kommt nämlich nun darauf an, sich bezüglich der Vorgehensweise gut abzusprechen. So gilt es einerseits, die offenen Informationen - den Säulenvorrat der Spieler, die momentane Ausgangssituation des Tempels, die Formen und Farben der nächsten Tempelböden - in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Andererseits heißt es, sich darauf zu einigen, von welchem Bauplanstapel die nächste Karte abgehoben werden soll. Hier herrscht doch ein gewisses Maß an Ungewissheit. Zwar ist bekannt, welche Schwierigkeiten die Spieler in den einzelnen Stapeln erwarten können, es bleibt aber noch ausreichend Raum für Spekulation, sodass man das Risiko gut abwägen muss. Ärgerlicherweise ist es nicht möglich, stets auf "Nummer Sicher" zu gehen, da die Karten des "einfachen" Stapels begrenzt sind. So ist man gezwungen, auch Karten der anderen Stapel zu nehmen. Der richtige Zeitpunkt für den richtigen Stapel sollte wohl bedacht sein, und sorgfältig gemeinsam beraten werden.

Viele Koop-Spiele leiden ja unter dem Problem eines "Alpha-Spielers", also eines Spielers, der die Zügel in die Hand nimmt und die Aktionen aller Mitspieler durchplant und koordiniert, und diese somit zu Statisten degradiert. Dies kann bei Menara höchstens während der gemeinsamen Beratung passieren. In der eigentlichen Bauphase kommt es einzig und allein auf den aktiven Spieler an. Seine Geschicklichkeit und sein Fingerspitzengefühl sind entscheidend, während alle anderen mit fiebern. Daher trägt jeder Spieler erfreulicherweise gleich viel bei, was Menara zu einem echten Teamspiel macht.

Für die erste Partie wird empfohlen, mit bloß 3 Etagenkarten zu beginnen. Dies ist noch relativ leicht zu bewältigen, denn selbst bei 2, 3 Fehlern werden es höchstens 5 oder 6 Etagen, was die Forscher vor keine großen Probleme stellen sollte. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich auf einfache Weise steigern. Für das normale Spiel reichen 4 Etagenkarten, wagemutige und erfahrene Spieler können mit 5 Etagenkarten starten. Mit Pech und/oder unnötigem Risiko kann die Aufgabe schnell auf 8 oder mehr Etagen anwachsen, wodurch es zu einer äußerst wackligen Angelegenheit wird, die keine zittrigen Hände mehr erlaubt.

Dafür wird man - sollte es trotzdem gelingen - mit einem beeindruckenden Bauwerk belohnt. Schafft man 10 Etagen, ist das Gebilde fast einen halben Meter (!) hoch. Ich habe in meiner langen Spielerkarriere noch nie ein Spiel erlebt, bei dem so oft am Ende die Handykamera gezückt wurde, um das fertige Ergebnis fotografisch festzuhalten und den persönlichen Erfolg in diversen elektronischen Medien zu posten. Menara ist optisch ein richtiger Hingucker, der 3D-Tempel hebt sich somit von der Masse anderer Bauspiele deutlich ab.

Ich kann Menara summa summarum einen hohen Wiederspielreiz und einen großen Aufforderungscharakter bescheinigen, weshalb ich das Spiel gerne empfehle. Lasst uns den Tempelturm (das bedeutet "menara" in Wirklichkeit auf malaysisch) in seiner vollen Pracht wiedererrichten!

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Menara: 4,0 4,0, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.12.18 von Franky Bayer - Villa Paletti als kooperatives Bauspiel. gefällt mir wirklich gut. Auch optisch ein richtiger Hingucker.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.04.18 von Michael Kahrmann - Hat bei mir so gar nicht gezündet, dabei fand ich die Idee eines kooperativen Bauspiels wirklich spannend.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.09.18 von Michael Andersch - Funktioniert gut und ich finde es auch irgendwie "interessant", allerdings ist es mir zu wenig spannend. Bei anderen Koops (Pandemie, Space Alert, Flash Point,...) fiebere ich irgendwie mehr mit.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.03.19 von Sandra Lemberger - Grundsätzlich eine spannende Idee. Wie viel Spaß eine Partie macht, hängt aber sehr von der Gruppe ab. "Menara" kann sich nämlich bei Vollbesetzung extrem in die Länge ziehen, wenn die Gruppe lange diskutiert und alle Eventualitäten durchrechnet, welche gefährlichen Baukarten noch im Spiel sind und erwischt werden könnten, wenn man jetzt von diesem oder jenem Stapel nimmt. Eine Spieldauer von 2 Stunden (wenn die Gruppe nichts umschmeißt) ist da durchaus drin, so lange hält der Spielspaß dann aber leider doch nicht an (Note 3). In flotten Gruppen dagegen macht es Spaß (Note 5).

Leserbewertungen

Leserwertung Menara: 4,8 4.8, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.05.18 von Heike - Bei uns ist das Spiel sehr gut angekommen. Material ist sehr gut und der Turm sieht optisch toll aus. Taktik ist vorhanden, da man absprechen sollte, welche Farben wer in und aus dem Camp nimmt, welche Baukarte sinnvoll gezogen werden sollte etc. Klar ist Zugglück dabei, aber das macht es spannend. Man darf natürlich als Strategievielspieler kein solches Spiel erwarten...diese Gruppe ist aber auch nicht Zielgruppe dieses Spieles. Bei uns kommt es derzeitig sehr gerne und oft auf den Tisch.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.06.18 von ravn - Kooperatives Bauspiel, das irgendwie nach Villa Paletti aussieht, aber ganz anders ist. Viel mehr ist es eine gemeinsame Herausforderung, die gestellten Bauaufgaben Schritt für Schritt zu bestehen. Wer nicht am Zug ist, berät mit und somit keinerlei Downtime, solange keine Analytiker am Tisch sitzen, die vorab alles und jedes Detail durchsprechen wollen. Empfehlenswert mit hohen Aufforderungscharakter.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.08.18 von Caddy - Beim ersten Mal gleich auf der schwersten Stufe geschafft. Ist jetzt die Lust raus ? Menara ist ein fein gemachtes Spiel mit dem man sicher auch mal Spielemuffel an den Tisch bekommt. Das einfache Spielprinzip lädt zum mitspielen ein und macht auch Spass. Das Material ist schön. Schauen wir mal ob es nochmal auf den Tisch kommt. Denke in unserer Spielgruppe nur noch als "Füller".
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.03.19 von JochenSch - Mit Safranito das beste Geschicklichkeitsspiel auf dem Markt. Egal ob mit Kindern, Erwachsenen oder solo, es funktioniert immer super. Ganz tolles Bauspiel - ein Segment, das mir eigentlich nicht gefällt
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.03.19 von Martina - Ein kooperatives Bauspiel - wirklich mal eine schöne Idee, die auch gut funktioniert. Das Material ist allein grafisch schon einladend gestaltet. Durch die wenigen zu erklärenden Regeln gelingt es, das Spiel in vielen Gruppen auf den Tisch zu bringen. Die Spieldauer kann je nach Diskussionsfreudigkeit der Gruppe schon mal an die 2 Stunden herangehen., das tut der Spielfreude aber Aich dann keinen Abbruch. Eine Empfehlung von mir!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.06.19 von Harald Hüpkes - Villa Paletti als Koop - Spiel, trifft den Nagel nicht ganz auf den Kopf. !. weil ich Villa Paletti schon vor 10 Jahren als Koop - Spiel innerhalb der Betreuungs - Angebote hier in Mönchengladbach gespielt habe. 2. Weil mit den Auftrags - Baukarten eine zusätzlich knifflige Komponente dazu gekommen ist. Somit eine logische Weiterentwicklung von Villa Paletti. Wobei ich das gemurre von einigen Rezensenten nicht nachvollziehen kann. Schaut euch die Angaben auf den Spieleschachteln an, damit Ihr wisst was euch erwartet und dann eifach unvoreingenommen und locker flöckig losgespielt. Mit dieser Einstellung lässt sich dann mitunter auch nachvollziehen warum gerade dieses oder jenes Spiel die Preise abgeräumt hat und nicht wie erwartet das Spiel mit der knalligsten Aufmachung und Spielregel. Der Jury sei gesagt auch für die kommenden Auszeichnungen weiterhin ein Augenmerk auf Spiele wie Dixit, Villa Paletti oder Zooloretto zu legen. Für mich ist auf jedenfalls Menara ein Spiel welches Kommunikation und Mitfiebern fördert ganz weit vorne. Ausstattung und Material lassen keine Wünsche offen. Top ! Ach ja für Villa Paletti habe ich noch gar keine Rezensionen geschrieben, das hole ich in den nächsten Tagen nach. Übrigens kann ich die Chamäleon Erweiterung wärmstens empfehlen. Also wo ist der Architekt, der Polier und Bob der Baumeister. Ach ja und Kalle mit der Kelle hat auch schon in die Hände gespuckt - noch wie viele Steine bis zum Richtfest ?

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