Rezension/Kritik - Online seit 22.04.2020. Dieser Artikel wurde 3718 mal aufgerufen.

Azul: Der Sommerpavillon

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Autor: Michael Kiesling
Illustration: Chris Quilliams
Verlag: Pegasus Spiele
Next Move Games
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 4
Dauer: 30 - 45 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2019
Bewertung: 4,8 4,8 H@LL9000
5,5 5,5 Leser
Ranking: Platz 337
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Azul: Der Sommerpavillon

Spielziel

"Repetita non placent!" - meinte einst der römische Dichter Horaz (65 - 8 v. Chr.). Was Spiele anbelangt, gebe ich ihm meistens recht, denn viele Erweiterungen (also Wiederholungen) kommen qualitativ bei Weitem nicht an das Grundspiel heran, weshalb man mit Leichtigkeit darauf hätte verzichten können. Ob dies auch für das vorliegende Spiel gilt, einer Variante von Azul (immerhin Spiel des Jahres 2018), wollen wir im Rahmen dieser Rezension feststellen.

Diesmal gilt es, einen Auftrag von König Manuel I. zu erfüllen, der tatsächlich aufgrund des Todes des portugiesischen Monarchen nie verwirklicht wurde: der Bau eines prächtigen Sommerpavillons. Und wieder einmal sind unsere Künste als Handwerker gefragt, um das Bauwerk mit wunderschönen Fliesen auszustatten.

Ablauf

Nachdem die Spieler einzeln für sich ihre Fähigkeiten als Fliesenleger unter Beweis stellen müssen, bekommt jeder seinen persönlichen Plan des Pavillons, seine eigene Spielertafel. Der Plan zeigt sieben sternförmige Muster, wobei die äußeren Sterne in den angegebenen Farben gefliest werden müssen, während der zentrale Stern aus verschiedenen Farben bestehen muss.

Die Fliesen - von jeder der sechs Farben gibt es 22 Stück - werden in den Beutel gelegt. Danach werden 10 Fliesen gezogen und auf die Vorratsfelder des Spielplans platziert. Zu Beginn jeder Runde werden dann die im Kreis ausgelegten Manufakturplättchen - ihre Anzahl hängt von der Spielerzahl ab - mit jeweils 4 zufällig gezogenen Fliesen bestückt. Nachdem alle Spieler ihren Punktemarker auf die Zählleiste gestellt, der Startspielerstein in die Mitte der Manufakturplättchen gelegt und der Turm bereit gestellt wurde, kann das fröhliche Handwerken losgehen.

Der Spielablauf ist einfach und großteils bekannt. Zuerst werden in Phase 1 Fliesen erworben. Wer an der Reihe ist, wählt ein Manufakturplättchen, nimmt sich alle Fliesen einer Farbe in seinen Vorrat und verschiebt die verbliebenen Fliesen in die Mitte. Alternativ kann er aber auch die Tischmitte wählen und daraus alle Fliesen einer Farbe nehmen. Der erste Spieler, der dies in einer Runde macht, muss ein paar Minuspunkte in Kauf nehmen, wird dafür jedoch neuer Startspieler.

Sind alle Fliesen vergeben, werden in Phase 2 die Fliesen gelegt und gewertet. Reihum legen die Spieler ihre Fliesen auf die Felder ihrer Spielertafel. Auf jedem Feld ist angegeben, wie viele Fliesen welcher Farbe dafür notwendig sind. Eine Fliese davon wird auf das Feld gelegt, die restlichen werden in den Turm geworfen, von dem sie wieder in den Beutel wandern, sobald dieser leer ist. Jede gelegte Fliese bringt direkt so viele Punkte ein, wie sich dann im entsprechenden Stern benachbart miteinander verbunden befinden. Will oder kann ein Spieler nichts mehr legen, kann er passen. Dabei darf er bis zu 4 Fliesen lagern und somit für die nächste Runde mitnehmen.

Zwei Besonderheiten sollten noch erwähnt werden. In jeder Runde wird eine andere Farbe als Jokerfarbe definiert. In Phase 1 darf genau 1 Fliese dieser Farbe - sofern dort vertreten - zusätzlich genommen werden. Wird hingegen die Jokerfarbe selbst gewählt, darf lediglich 1 Fliese genommen werden, auch wenn sich auf dem betreffenden Manufakturplättchen oder in der Tischmitte mehrere davon befinden sollten. In Phase 2 fungieren die Fliesen der Jokerfarbe tatsächlich als Joker, wobei aber stets mindestens eine Fliese der "echten" Farbe - zum Platzieren auf der Spielertafel - darunter sein muss.

Die zweite Besonderheit stellen, die Säulen, Statuen und Fenster auf den Spielertafeln dar. Konnte ein Spieler alle angrenzenden Felder einer Säule mit Fliesen belegen, darf er sich sofort von den Vorratsfeldern des Spielplans eine beliebige Fliese als Bonus nehmen. Bei komplett umgebenen Statuen beträgt dieser Bonus schon 2 Fliesen, bei Fenstern - hier genügen bereits 2 Felder - sogar 3 beliebige Fliesen.

Nach sechs Runden endet das Spiel. In einer Schlusswertung erhalten die Spieler noch Sonderpunkte für komplett fertiggestellte Sterne. Außerdem bekommen sie noch Extrapunkte, wenn es ihnen gelungen ist, alle Einsen, Zweien, Dreien und/oder Vieren abzudecken. Minuspunkte gibt es hingegen für jede am Schluss übriggebliebene Fliese. Wer nun die meisten Punkte hat, gewinnt diesen spannenden Wettbewerb und empfiehlt sich der portugiesischen Königsfamilie als royaler Fliesenleger.

Fazit

Azul: Der Sommerpavillon weist - was ja zu erwarten war - eine starke Ähnlichkeit zu Azul auf, was es auch gar nicht verleugnen will. Im Gegenteil: Die Popularität des "Spiel des Jahres 2018" wurde wohl ganz bewusst genutzt, um die Verkaufszahlen zu steigern. Aus kaufmännischer Sicht ist dies natürlich eine nachvollziehbare Überlegung.

Aber: Brauchen wir Spieler noch so ein Spiel? Dazu müssen wir alle Spiele der (vorläufigen?) Trilogie miteinander vergleichen. Über die Qualität des Grundspiels brauchen wir nicht viele Worte verlieren. Die erlangten Trophäen (neben dem "Spiel des Jahres" gewann es im selben Jahr auch noch den Deutschen SpielePreis, den französischen Spielepreis "As d'Or", den niederländischen Spielepreis, etc.) reichen als Argumente aus.

Aber bereits über die Fortsetzung scheiden sich die Geister. Azul: Die Buntglasfenster von Sintra weist mit farbigen Glassteinen ebenfalls ein tolles Spielmaterial auf, hat allerdings - trotz ähnlichen Spielgefühls - wegen der zusätzlichen Punktemöglichkeiten einen doch etwas schwierigeren Zugang und spielt sich nicht so geradlinig. Für sich betrachtet ist es zwar ein exzellentes Spiel, jedoch nicht so verschieden vom Original, dass es ein absolutes Muss darstellte.

Dementsprechend skeptisch war ich betreffend des neuesten Werkes von Michael Kiesling. Das fängt bereits mit dem Thema an, bei dem es um einen Sommerpavillon geht, der zwar in Planung war, in der Realität aber nie gebaut wurde. Das klingt schon ein wenig konstruiert und aufgesetzt. Wurde da intensiv nach irgendeinem halbwegs passenden Gebäude gesucht, um eine Verlängerung der Erfolgsstory zu rechtfertigen?

Obwohl der Grundmechanismus 1:1 von Azul übernommen wurde, kann man im Detail doch kleine, aber feine Unterschiede erkennen. Damit meine ich nicht das Material oder die Aufmachung. Die Verwendung von rautenförmigen Fliesen erlaubt zwar neue geometrische Anordnungen, was sich jedoch nicht auf das generelle Spielgefühl auswirkt.

Viel entscheidender ist, dass der Spielablauf nun in 2 getrennte Phasen gegliedert wurde. Musste man sowohl bei Azul 1 als auch bei Azul 2 die genommenen Spielsteine sofort einbauen und damit verbundene Nachteile in Kauf nehmen, kann man hier nun in Phase 1 die Fliesen erst sammeln und sich dann in Phase 2 überlegen, wie man seinen Vorrat am besten einsetzt. Dies hat zur Folge, dass es sich weniger gemein, weniger konfrontativ spielt. Ich konnte feststellen, dass diese Verringerung des Ärgerpotenzials in unseren Spielrunden überaus positiv ankam und auch die interessante Regelung mit der Jokerfarbe begrüßt wurde.

Obwohl die meisten Entscheidungen taktischer Natur sind und man aufgrund der jeweils neuen Auslage an Fliesen auf den Manufakturplättchen eher kurzfristig und flexibel agiert, ist es doch möglich, seine Vorgehensweise auf verschiedene Art anzulegen. Dies liegt an den Extrapunkten, welche man bei der Schlusswertung erzielen kann.

Man kann sich beispielsweise darauf konzentrieren, zwei bis maximal drei Sterne zu vollenden, was zwischen 12 (für den mehrfarbigen Stern) und 20 Punkten (violetter Stern) einbringt. Oder man kann auf die Zusatzpunkte abzielen, die es für die Abdeckung aller Felder eines Wertes gibt. Die dafür ausgeschriebenen Belohnungen liegen zwischen 4 (für alle 1er) und 16 (für alle 4er) Punkten.

Wie immer man es aber auch anlegt, ohne die Bonusfliesen für Säulen, Stauen und Fenster (bei Belegung aller angrenzenden Felder) lässt sich kein Blumentopf gewinnen, weshalb man dies stets in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte. Dies wird durch die Tatsache belegt, dass jeder Spieler in den sechs Runden einer Partie zwischen 50 und 60 Fliesen in Phase 1 erhält. Da macht es schon einen großen Unterschied, ob man durch diesen Bonus beim Legen lediglich vereinzelte Fliesen oder doch 10 oder mehr bekommt.

Azul: Der Sommerpavillon ist für mich das beste Spiel der Trilogie, besser noch als das Original, womit die eingangs gestellte Frage beantwortet wäre. Genau so hätte es eigentlich von Anfang an sein müssen. Aber vielleicht hat Autor Michael Kiesling den Erfolg gebraucht, um - zusätzlich mit ein paar weiteren Monaten Reifezeit - das Spiel zu perfektionieren und zu diesem fast idealen Ergebnis zu gelangen. Ob die eine oder andere Jury derselben Meinung ist, wird sich bei der Vergabe der nächsten Spielepreise zeigen ...

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Azul: Der Sommerpavillon: 4,8 4,8, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.03.20 von Franky Bayer - Nachdem ich bereits für Azul eine 6 vergeben habe, komme ich nicht umhin, dem meiner Meinung nach noch besseren 3. Teil der Trilogie ebenfalls die Höchstnote zu verpassen!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.11.19 von Michael Andersch - Ich bin ja generell kein Azul-Fan, aber der Sommerpavillon hat mir von allen bisherigen Varianten noch am meisten Spaß gemacht. Sehr "frisch" finde ich die Idee, durch den Einbau der Fliesen noch gezielt an Bonusteile kommen zu können.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.11.19 von Udo Kalker - Das dritte Azul funktioniert wunderbar. Jetzt sammelt man erst einmal alle Teile, bevor man sie einbaut, was den Sommerpavillon taktischer werden lässt. Das erhöht dann insb. zum Ende hin auch leider den Grübelfaktor und nimmt Azul die Leichtigkeit des ersten Teils. Das ist aber nicht weiter schlimm, wenn man sich auf dieses taktische Legespiel dann einlässt. Der Sommerpavillion ist gut gelungen und lässt mich zwischen 4 und 5 Punkten schwanken. Dass es dann doch nur 4 geworden sind, ist begründet darin, dass die gespielte Taktik doch irgendwie immer ähnlich verläuft und nicht so viel Spielraum für Experimente lässt. Oft hängt es dann am Schluss an 1 oder 2 Steinen, die für einen fetten Bonus fehlen und die Punktewertung nochmal komplett umgekrempelt hätten ... vielleicht, denn den Mitspielern ergeht es oft ähnlich.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.01.20 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.04.20 von Bernd Eisenstein - Tolle, neue Möglichkeiten - besitzt einen höheren Wiederspielreiz als das erste Azul.

Leserbewertungen

Leserwertung Azul: Der Sommerpavillon: 5,5 5.5, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.01.20 von Peter Steinert - Uff, ist das Spiel gut! "Azul 3" treibt die bekannte Spielmechanik auf die Spitze, ist deutlich anspruchsvoller zu spielen als seine beiden Vorgänger und sieht echt super aus. Dank Joker-Regel, verzwickter Schlussphase und sehr cleverer Endwertung dürfte es auch Kenner absolut zufriedenstellen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 31.01.20 von Kichererbse - Macht großen Spaß! Habe Azul 1. Doch Azul 3 gefällt mir bzw. uns noch besser. Ich hätte mir am Spielende noch mehr Zusatzpunkte-Möglichkeiten gewünscht. All in all 5,5, rounded up 6 Points for Portugal!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.20 von Marco Stutzke - Teil 3 finde ich am besten. Nicht so gemein und viel planbarer.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.05.20 von vanM - Ich kann leider nicht in die Lobeshymnen für das dritte Azul einstimmen. Meine anfängliche Begeisterung ist schnell verflogen. Die Spiele sind mir zu repetetiv. Wenn es richtig gut läuft schafft man alle Einer, Zweier, Dreier und Vierer plus zwei Sterne. Meist reicht es dafür nicht ganz, weil ein paar Steine fehlen. Ein nicht unwesentlicher Einfluß in einer ausgewogenen Spielrunde ist wer wie häufig den Startspielerstein nimmt. Super wenn es der Spieler rechts von mir ist, nicht schön wenn es der Spieler links von mir ist. Im Zweifel muss ich also selber zugreifen, obwohl es noch bessere Züge gab. Anders als beim ersten Azul ist es hier vor allem wichtig viele Fliesen zu bekommen. Hier gilt eindeutig viel hilft viel. Minuspunkte durch Fliesen gibt es maximal durch die Boni in der letzten Runde, und die ein, zwei Minuspunkte sind in der Regel unerheblich. Ein paar positive Dinge gibt es natürlich auch. Das Optimieren des Abgreifens der Boni macht Spaß. Die steinanzahlabhängigen Minuspunkte für den Startspieler sind besser als der eine Minuspunkt in Azul 1. Trotz der vielen Kritikpunkte noch eine knappe vier von mir.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.05.20 von Spielbär - Azul 3. Top Fortsezung. Das macht richtig viel Spaß. War bei uns schon sehr sehr oft auf den Tisch. Ich hoffe die Spielefamilie AZUL ist noch nicht geschlossen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.06.20 von Chrizlutz

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