Rezension/Kritik - Online seit 15.05.2018. Dieser Artikel wurde 2555 mal aufgerufen.

Port Royal: Ein Auftrag geht noch...

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Autor: Alexander Pfister
Illustration: Klemens Franz
Verlag: Pegasus Spiele
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 5
Dauer: 20 - 50 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2015
Bewertung: 6,0 6,0 H@LL9000
5,3 5,3 Leser
Ranking: Platz 246
Port Royal: Ein Auftrag geht noch...
Erweiterungen/Hauptspiel:Port Royal

Spielziel

Wieder einmal tauchen am Horizont schwer beladene Pinassen, Fleuten, Barken, Fregatten und Galeonen auf. Am Kai sind neue, fremde Personen anzutreffen, die darauf warten angeheuert zu werden. Ja, wir sind erneut gefordert, unser Glück in Port Royal beim Handeln und Heuern zu suchen. Aber diesmal gibt es auch lukrative Aufträge zu erfüllen, die wir im Wettstreit gegeneinander oder aber gemeinschaftlich im erbitterten Wettlauf mit der Zeit zu erledigen versuchen.

Ablauf

Es handelt sich bei diesem Spiel - wie der Leser richtigerweise vermuten wird - um eine Erweiterung zum Kartenspiel Port Royal. Für die Regeln des Grundspiel, welche im Prinzip gleich geblieben sind, verweise ich auf meine entsprechende Rezension hier auf H@ll 9000.

Und was bringt uns diese Erweiterung? Zum einen mal neue Personen. Drei verschiedene Personenkarten finden wir in der kleinen Schachtel. Ein Kontorist funktioniert ähnlich wie der Händler, allerdings bringt er bei einem farblich passenden Schiff keine Extramünze, sondern eine zusätzliche Karte aus der Hafenauslage. Ein Kanonier sorgt für ein Zusatzeinkommen, wenn man in der Phase "Handeln und Heuern" an die Reihe kommt, und zwar 1 Geld weniger als Schiffe ausliegen. Ebenso der Vizeadmiral, bei dem man 1 Münze erhält, wenn sich in seinem Zug 3 oder 4 Karten in der Hafenauslage befinden.

Auch auf ein paar neue Schiffe treffen wir. Von jeder Farbe kommen 2 weitere Schiffe ins Spiel, wobei aber nur je eines eine neue Auswirkung besitzt: Zusätzlich zu den 3 Münzen, die der Spieler dafür bekommt, erhält ein Mitspieler seiner Wahl 1 Münze.

Die einzig wirkliche Neuerung stellen aber - wie der Untertitel bereits verrät - die Aufträge dar. 18 großformatige Auftragskarten, von denen zu Beginn des Spiels ein paar Karten zufällig aufgedeckt werden, warten auf ihre Erledigung. Die Aufträge können dabei sehr unterschiedlich ausfallen. In einigen Fällen werden bestimmte Personen benötigt, so verlangt etwa die Karte "Charmeur" sowohl einen Kapitän als auch ein Fräulein. Manch Auftrag erfordert den Verzicht auf Handel, selbst wenn man dem aktiven Spieler bereits 1 Münze zahlen musste. Mal sind die Zahlung von Geld oder die Abwehr von Schiffen mit ausreichend Säbeln gefragt. Weitere Aufträge erfordern mehr oder weniger Risiko beim Aufdecken von Schiffen, dann wieder die Entrichtung von Steuern, die Erfüllung eines Expeditionsaufrufs, u. s. w.

Abgesehen von 2 Ausnahmen kann jeder Auftrag von mehreren Spielern erfüllt werden, allerdings fällt die Belohnung in Form von Münzen umso höher aus, je früher man einen Auftrag erledigen konnte. Zusätzlich kann eine Auftragskarte auch 1 Einflusspunkt bringen, allerdings erst ab dem zweiten erfüllten Auftrag. Es ist jedoch zu beachten, dass jeder Spieler einen Auftrag nur 1 x erfüllen darf, außerdem besitzt jeder Spieler nur 3 kleine Holzwürferl zum Markieren, womit auch die Anzahl der möglichen Aufträge pro Spieler beschränkt ist.

Das Spielziel bleibt vollkommen gleich. Wieder gewinnt jener Spieler, der am Ende die meisten Einflusspunkte erzielt.

Fazit

Wer mich kennt, weiß, dass ich kaum und zudem recht ungern Rezensionen zu Erweiterungen, Spielvarianten, u. ä. schreibe. Meist greife ich in solchen Fällen nur dann zur Feder, wenn sich der zentrale Spielmechanismus ändert (als Beispiel dafür möchte ich Skull King und Skull King - Das Würfelspiel anführen), oder komplett neue Spielelemente hinzukommen.

Die erwähnten Änderungen bei Port Royal - Ein Auftrag geht noch... sind aber nicht der Rede wert. Schlimmer noch, sie bewirken nicht einmal eine nennenswerte Verbesserung des Grundspiels. Warum also mein Sinneswandel, mein plötzliches Interesse an der Beschreibung einer Erweiterung?

Dies liegt daran, dass die Erweiterung ermöglicht, Port Royal nun auch kooperativ zu spielen. In diesem Fall legt man - abhängig von der Spielerzahl - eine bestimmte Anzahl von Auftragskarten offen aus. Diese gilt es dann, innerhalb einer gewissen Anzahl an Runden gemeinsam zu erledigen. Ein Auftrag gilt dann als erfüllt, wenn mindestens ein Spieler die geforderten Bedingungen erfüllt.

Um zu eruieren, wie viele Runden die Gruppe dafür zur Verfügung hat, werden zur Basiszahl von 13 Runden noch die auf den Auftragskarten angegebenen Modifikationen berücksichtigt. Zusätzlich zu den Zahlen (von - 1 bis +2) noch je 1 Karte pro unterschiedlichem Buchstaben. Die so ermittelte Anzahl an Karten wird als eigener Zeitstapel bereitgelegt.

Der aktive Spieler muss die allererste Karte seines Zuges immer vom Zeitstapel ziehen, die Karten danach jeweils vom Nachziehstapel. Gelingt es, alle Aufträge zu erfüllen, bevor der Zeitstapel aufgebraucht ist, konnte die Partie gewonnen werden. Kann hingegen keine Karte mehr vom Zeitstapel gezogen werden, und die Aufträge wurden noch nicht alle erfüllt, haben alle gemeinsam verloren.

Das daraus resultierende Spielgefühl ist komplett anders als beim herkömmlichen Port Royal. Schaute man früher nur auf seinen persönlichen Vorteil, und hörte als aktiver Spieler bereits nach einer passenden Karte auf, um den Mitspielern ja keine Gelegenheit zu bieten, gute Karten zu erhalten, wird jetzt ganz im Gegenteil versucht, möglichst jedem Spieler eine sinnvolle Karte zukommen zu lassen.

Wie in vielen Koop-Spielen fungiert der Kartenstapel auch hier als Gegner. Natürlich bleibt wie im Grundspiel der Glücksanteil durch das zufällige Aufdecken recht hoch. Gerade mit den Handelsschiffen kann man manchmal Pech haben, wenn dummerweise viel zu früh ein gleichfarbiges Schiff aufgedeckt wird. Hier kommt allerdings noch erschwerend hinzu, dass einige Personenkarten für die ausliegenden Aufträge ohne Bedeutung sind, während andere unbedingt erforderlich sind, um bestimmte Aufträge überhaupt schaffen zu können.

Gerade dadurch ist es notwendig, sich abzusprechen, wer wohl welche Aufträge übernehmen soll, und das gemeinsame Vorgehen zu organisieren und zu koordinieren. Wie im kompetitiven Spiel stehen jedem Spieler nur 3 Holzwürferl zur Verfügung. Da einige Aufträge besser zusammenpassen als andere, sollte man anfangs zumindest einen groben Plan haben. Auch die Sitzreihenfolge kann einen Einfluss auf die Entscheidungen haben. Mit ausreichend taktischem Geschick kann aber so manches Missgeschick, so manches unvorhergesehenes Malheur weggesteckt werden.

Das alte Port Royal ist - trotz des hohen Glücksfaktors - ein gutes, spannendes Spiel, wie man ja auch an meiner damaligen Spielreiznote (eine knappe "5") ablesen kann. Diese kooperative Variante gefällt mir nun aber sogar noch ein bisschen besser. Meiner Meinung nach passt dieses Zockerelement, dieser Nervenkitzel, ob man nicht doch noch die eine Karte mehr aufdecken sollte oder lieber nicht, noch wesentlich besser für ein Teamspiel. Man jubelt gemeinsam, wenn etwas gelingt, leidet zusammen, wenn es mal besonders blöd läuft. Port Royal kommt deshalb nun mit dieser Erweiterung viel öfter auf den Spieltisch als vorher, und das ist ein deutliches Indiz für einen höheren Spielreiz.

Auch solo ist Port Royal nun spielbar. Es gelten dieselben Regeln wie im Kooperationsspiel. Man versucht halt alleine, 3 Aufträge zu erledigen, bevor die Zeit abgelaufen ist. Als zusätzlichen Anreiz kann man den Schwierigkeitsgrad steigern (was übrigens auch im Teamspiel möglich ist), indem man vor seinem ersten Spielzug eine beliebige Anzahl an Karten vom Zeitstapel entfernt, wodurch für die Aufgabe weniger Spielzüge zur Verfügung stehen. Im Laufe des Spiels kann man dann bei jeder aufgedeckten "Steuer" eine weitere Karte zur Seite legen. Bei einer erfolgreichen Erledigung aller Aufträge erhält man dann einen Titel abhängig von der Anzahl an insgesamt vom Zeitstapel entfernten Karten, von "Landratte" (0 bis 1 Karte) bis hin zum "Herrscher der Meere" (ab 8 Karten).

Ob kooperativ oder solo, ob in normaler Stärke oder mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad - ohne diese Erweiterung kommt Port Royal bei uns gar nicht mehr auf den Spieltisch!

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Port Royal: Ein Auftrag geht noch...: 6,0 6,0, 2 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.06.17 von Franky Bayer - Nachdem ich dem Grundspiel eine knappe 5 gab, und die Erweiterung noch besser finde, ist eine knappe 6 nur logisch.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.12.15 von Jost Schwider - Viel Spiel in kleiner Packung! Mit dieser Erweiterung mancht das Grundspiel nioch mehr Spaß. Jetzt auch als kooperative Variante oder auch mal Solo.

Leserbewertungen

Leserwertung Port Royal: Ein Auftrag geht noch...: 5,3 5.3, 7 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.12.15 von Michael F. - Diese Erweiterung macht das ohnehin schon gute Grundspiel noch einen Tick interessanter! Man kann es auch kooperativ spielen, wobei es schwer ist, das Spiel dann zu gewinnen. Den hauptsächlichen Reiz des Spiels macht immer noch das Zocken aus: Eigentlich möchte man ja keine weitere Karte nehmen, da es schon wirklich riskant ist, aber mann kann es dann doch nicht lassen! Meist mit bösem Ausgang. ABER: wenn es dann doch klappt ist der Jubel groß! Für mich ist Port Royal Erweiterung schon jetzt ein Klassiker... Selbst meine Frau spielt gern ne Partie mit... und das will schon was heißen... Da für mich der Fun für alle Spieler beim Spielen das wichtigste ist, vergebe ich hier mal die Höchstnote!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.01.16 von adm - ärgerlich ist, dass die Karten im Vergleich zum Original des Österreichischen Spielemuseums nicht identisch sind in ihrer Größe. Ansonsten werden auch mehr Schiffe in den Spielestapel gemischt, was das Erreichen von 5 Schiffen schwieriger macht. Keine so dolle Erweiterung.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.02.16 von DaLi - wenn ich mich in meinem Spieleregal umsehe, ist es die erste Erweiterung eines Spiels, die wir wirklich immer nutzen. Die kooperative Variante verändert das Spiel erheblich. Es sit schwer zu schaffen, aber genial. Für uns als Familie jetzt ein Dauerbrenner als kooperative Variante. Großartig!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.07.16 von Emil - Eine Erweiterung, die das ohnehin schon tolle Grundspiel wirklich erweitert bzw. variiert. Eine echte Bereicherung für ein Spiele-Highlight.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.01.17 von Jonas - Gute Erweiterung zum Grundspiel, welche die (übertriebene) Stärke einiger Karten aus dem Grundspiel etwas relativiert und das Spiel somit insgesamt ausgeglichener und weniger glückslastig gestaltet.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.10.17 von Skacom - Das Grundspiel ist schon super und erfährt durch die Erweiterung gleich noch einen Schub nach vorne ! Top !
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.12.17 von Tim - Die kooperative Variante macht das an sich schon sehr gute Spiel zu einem absoluten Volltreffer. Super! Lediglich die Regel könnte gern noch etwas klarer sein.

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