Rezension/Kritik - Online seit 10.02.2004. Dieser Artikel wurde 10286 mal aufgerufen.

Santiago

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Autor: Claudia Hely
Roman Pelek
Illustration: Oliver Freudenreich
Verlag: AMIGO
Rezension: Steffen Stroh
Spieler: 3 - 5
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 10 Jahren
Jahr: 2003
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
5,2 5,2 Leser
Ranking: Platz 633
Download: Kurzspielregel [PDF]
Santiago

Spielziel

15° Nördliche Breite, 600 km vor der Westküste Afrikas. Die Sonne brennt unerbittlich auf die Plantagen der Kapverdischen Insel Santiago. Nur eine schnelle und reichliche Bewässerung rettet unsere frisch gepflanzten Kartoffeln, Bohnen, Paprikas oder Bananen vor der Dürre. Doch über den Verlauf der Kanäle, die das segensreiche Nass spenden könnten, entscheidet der mürrische Kanalaufseher. Aber vielleicht lässt sich dieser Spießgeselle ja mit ein paar zusätzlichen Escudos dazu bewegen, den Verlauf der Kanäle in unserem Sinne zu gestalten...

Ablauf

10*8 Plantagenfelder ist sie groß, die karge Anbaufläche auf Santiago. Auf dass diese Landschaft aus Erde und Staub keine solche bleibt, werden Runde für Runde zufällig aufgedeckte Plantagen in Mitspielerzahl versteigert. Nicht alle Plantagen, die in fünf Typen von Plantagenfrüchten unterteilt sind, werfen dabei den gleichen Ertrag ab (manche doppelten, andere nur einfachen).

Im Rahmen unseres Escudobesitzes, zu Beginn haben wir davon 10, geben wir ein Gebot ab; bereits gemachte Gebote der Mitspieler müssen unter- oder überboten werden. Die Gebotshöhe legt fest, in welcher Reihenfolge die Mitspieler eine Plantage aus den offenliegenden aussuchen dürfen. Wer das niedrigste Gebot abgegeben hat, erhält zwangsläufig das unattraktivste Plantagenplättchen, schlüpft dafür aber in die Rolle des Kanalaufsehers, und darf später Schicksal beim Lauf der Bewässerung spielen.

Zunächst werden jedoch die eben erstandenen Plantagen platziert. Zu Beginn übt die einzige auf dem Spielplan vorhandene Wasserquelle eine magische Anziehungskraft aus, denn von hier aus verzweigen sich die überlebenswichtigen Bewässerungskanäle. Später lockt die Beteiligung an großen Monokulturen (aneinandergrenzende Plantagenplättchen gleichen Typs), denn zu Spielende werden Ertrag und Größe jeder zusammenhängenden Großplantage multipliziert. Doch blindwütig sollte man sein Plantagenplättchen nicht für eine solche Beteiligung verschwenden - denn alle an der Monokultur beteiligten Plantageneigner profitieren ebenfalls von der Vergrößerung. Besitzt ein Mitspieler also mehr Ertragssteine auf dieser großflächigen Plantage, kann dessen Profitsteigerung den eigenen Punktezuwachs deutlich übersteigen. Dann doch lieber eine kleine, aber dafür private Plantage an anderer Stelle.

Doch auch das einträglichste Plantagenfeld mutiert zur wertlosen Wüste, wenn nicht schleunigst für Wasserzufuhr gesorgt wird. Bevor der eigensinnige Kanalaufseher zur Schaufel greift, versuchen daher die übrigen Plantageneigner, ihn von einer bestimmten Wahl des Gewässerlaufs zu überzeugen. Fortlaufend von bestehenden Kanälen darf somit jeder Mitspieler dem Kanalaufseher einen Vorschlag unterbreiten, wo er den zwei Plättchenseiten langen Bewässerungskanal denn gerne sehen würde. Dieser Vorschlag wirkt umso überzeugender, wenn er mit einigen Escudos an Bestechungsgeld schmackhaft gemacht wird. Der umgarnte Kanalaufseher kann einen dieser Vorschläge (samt Bestechungsgeld) akzeptieren, oder seinem eigenen Willen folgen, und den Kanal an ganz anderer Stelle bauen. Solcherlei Dickköpfigkeit hat allerdings ihren Preis: Höchste Bestechungssumme plus 1 Escudo.

Bevor die Trockenheit zu Rundenende dafür sorgt, dass jedes unbewässerte Plantagenfeld einen Ertragsstein verliert (und ertragslose zur Wüste werden), können die Mitspieler einen Zusatzkanal bauen. Allerdings besitzt jeder Spieler nur einen solchen Zusatzkanal – man sollte sich mit dem Einsatz also zurückhalten, bis man ein besonders lukratives Plantagenfeld damit retten kann.

Das Spiel endet je nach Mitspielerzahl nach 9-11 Runden. Zu Spielende unbewässerte Plantagen mutieren zur Wüste. Alle übrigen Plantagenflächen erwirtschaften Punkte nach dem Prinzip Plantagengröße (Plättchenanzahl eines Typs, zusammenhängend) multipliziert mit den darauf liegenden, eigenen Ertragssteinen. Das Restgeld wird addiert.

Fazit

Es ist erstaunlich, wie perfekt in Santiago eine ganze Reihe bekannter Spielmechanismen ineinander greifen. Ständig zwingt mich das Spiel zu Entscheidungen, die meine weitere Vorgehensweise direkt beeinflussen. Biete ich viel für eine Plantage, kann die Investition dennoch umsonst sein, denn prompt fehlt mir in dieser Runde das finanzielle Potential, um auch noch den Kanalaufseher zu „überzeugen“. Und lohnt es sich, eine Plantage überhaupt zu vergrößern, oder profitieren die Miteigner nicht mindestens genauso davon? Dieses ist mit etwas Rechenarbeit noch vergleichsweise einfach zu lösen, die reizvollste Rolle ist zweifelsohne die des Kanalaufsehers. Gerade wenn keine freien Flanken an bestehenden Bewässerungskanälen vorhanden sind, locken unsere Mitstreiter den Kanalherren oft mit hohen Bestechungssummen. Und da wir mehr Geld brauchen als die 3 Escudos, die wir automatisch jede Runde kassieren, ist derlei Zubrot des öfteren unverzichtbar. Doch nicht selten verpokert sich ein Spieler in der Rolle des Kanalaufsehers, wenn die Mitspieler trotz drohender Dürre mit Angeboten geizen. Immerhin kann der Aufseher dann noch versuchen, gezielt Plantagenfelder vertrocknen zu lassen, um so eine fremde Monokultur zu blockieren, zu spalten oder zu verkleinern.

Diese ständigen Entscheidungszwänge, gepaart mit dem Ärgerpotential des Kanalarbeiters, halten das Spiel permanent spannend. Der einprägsame Spielverlauf wird nicht durch Wertungen unterbrochen, und so vergehen rund 60 unterhaltsame Minuten auf Santiago wie im Flug. Kurzum: Selten war Trockenheit so erfrischend!

Rezension Steffen Stroh

Regelvarianten

Dem Spiel liegen 3 Palmen bei, die im Rahmen einer Variante als zusätzliche Ertragssteine für denjenigen Spieler wirken, der eine Plantage am Wuchsort der Palme baut. Dies erhöht den Kapitaleinsatz, wenn solche Felder zur Verfügung stehen, bringt aber ansonsten keinen neuen Aspekt ins Spiel.

Amüsanter empfanden wir es, eine eigene Variante „Natürliche Bewässerung“ zu spielen: Die drei Felder, auf denen Palmen wachsen, genießen offensichtlich einen außergewöhnlich hohen Grundwasserspiegel (oder Kapillarwasseraufstieg?), und das dichte Blattwerk der Palmen schützt die untenliegenden Plantagenfrüchte vor der unerbittlichen Sonne. Daher ist hier KEINE zusätzliche Kanalbewässerung erforderlich, um den Ertrag zu erhalten. (Achtung: In dieser Variante entfällt natürlich der Bonusertrag!).

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Santiago: 4,5 4,5, 16 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Steffen Stroh
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Frank Gartner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Hans-Peter Stoll
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Jochen Traub
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Klaus Jörder
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Markus Hofmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Roland Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Rolf Braun
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.04 von Ulrich Fonrobert
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.03.05 von Bernd Eisenstein - Gutes Spiel. Leider von der Optik ein wenig "kaputt" gemacht worden
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.10.05 von Udo Kalker
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 19.01.06 von Ralph Bruhn
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.02.07 von Uta Weinkauf
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.03.07 von Rene Puttin
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.05.07 von Kathrin Nos
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.09.16 von Michael Andersch - Zunächst (2003/2004) hatte ich fünf Punkt vergeben. Nachdem ich es seit 2009 nicht mehr und gestern (07.09.16) das erste Mal seit langer Zeit wieder gespielt habe war ich aber echt enttäuscht (und nicht nur ich - die Mitspieler ebenfalls): Was wir als gewitzt und spannend in Erinnerung hatten wirkte simpel, ohne jeden Pfiff und schlicht langweilig. Daher jetzt Abwertung auf 3 Punkte.

Leserbewertungen

Leserwertung Santiago: 5,2 5.2, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.05.04 von Stephan Zimmermann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.10.04 von Carsten Pinnow
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.12.04 von Barbara Winner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.07.08 von Gerhard Passler - Taktisches, im Grunde abstraktes und trotz Bewässerungskanälen staubtrockenes Versteigerungsspiel mit gut ineinander greifenden Mechanismen; einfacher Spieleinstieg, allerdings viel Rechnerei notwendig, um erfolgreich abzuschneiden; der Schlüssel zum Erfolg bzw. Misserfolg liegt in der zentralen Rolle des Kanalaufsehers; anständig strukturierte, lückenlose Spielanleitung; grafisch wenig berauschend, der Spielplan schlicht und lieblos;
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.10.09 von Claus Jagoda

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