Rezension/Kritik - Online seit 09.05.2006. Dieser Artikel wurde 8011 mal aufgerufen.

Nottingham

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Autor: Uwe Rosenberg
Verlag: Abacus Spiele
Rezension: Michael Andersch
Spieler: 3 - 7
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 13 Jahren
Jahr: 2006
Bewertung: 3,9 3,9 H@LL9000
4,3 4,3 Leser
Ranking: Platz 2929
Download: Kurzspielregel [PDF]
Nottingham

Spielziel

Wie schön! In diesem Spiel darf ich böse sein, darf so richtig meine dunklen Charakterzüge raushängen lassen. Denn ich bin ein Gehilfe des Sheriffs von Nottingham, und dieser ist bekanntlich der widerrechtlichen Aneignung fremder Besitztümer nicht abgeneigt. Und zur Zeit hat er es besonders nötig, denn es stehen Wahlen an, und wer wird den Schurken wählen? Vermutlich niemand, das ist wahr – es sei denn, eine kleine Bestechung hier und eine klitzekleine Aufmerksamkeit dort, Sie verstehen …? Und so bin ich ausgesandt, ihm etwas Erleichterung von seinen Finanznöten zu verschaffen, und dafür ist mir jedes Mittel recht, hehe – denn derjenige von seinen Gehilfen, der ihn am erfolgreichsten unterstützt, soll sein Stellvertreter werden. Und dass ich – aufrecht, ehrenhaft und moralisch absolut untadelig, wie ich nun mal bin – hierfür der allererste Kandidat bin dürfte auch klar sein.

Nun aber genug geredet, die Pflicht ruft! Bevor ich Sie nun aber verlasse, wollte ich Sie noch bitten, mir brav Ihre goldene Kette auszuhändigen, alldieweil ich mich ansonsten genötigt sehe, Ihnen mit meinem Dolch Ihren edlen Wams ein wenig aufzuschlitzen und nachzusehen, ob sich darunter nicht weitere lohnenswerte Objekte verbergen …!

Ablauf

Das Spielmaterial besteht im wesentlichen aus 7 verschiedenen, jeweils mehrmals vorhandenen Spielkarten. Ziel ist es, Kartendrillinge zu sammeln oder 4 fest vorgegebene andere Kartenkombinationen zu erreichen, welche auf Aufgabenkarten dargestellt sind.

Jede Sorte Spielkarten weist dabei 3 Merkmale auf: Einen Gegenstand (z. B. Münze, Kette, Schatzkiste), einen dem Gegenstand fest zugeordneten Wert (von 7 bis 13) und eine Aktion, die es erlaubt, die eigene Kartenhand zu beeinflussen.

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler 3 dieser Karten, die übrigen werden als verdeckter Zugstapel bereit gelegt. Außerdem wird ein Stapel mit Hinterhaltkarten (dazu später mehr) bereit gelegt sowie der Sheriff von Nottingham (in Gestalt einer Holzfigur) auf einen 23 Felder langen Parcours gestellt. Und es gibt noch 4 verschiedene Aufgabenkarten (jeweils zweimal). Diese werden für alle gut sichtbar offen ausgelegt.

Nun sind die Spieler reihum nacheinander am Zug. Der Zug eines Spielers besteht darin, die oberste Karte vom Zugstapel für alle sichtbar aufzudecken, und diese entweder seiner Kartenhand hinzuzufügen oder die darauf abgebildete Sonderaktion durchzuführen. Eine solche Sonderaktion ist beispielsweise das Ziehen einer Karte von einem Mitspieler (zufällig oder nach Ansehen seiner Kartenhand – im Extremfall sogar so, dass auch alle anderen Mitspieler dessen komplette Kartenhand einsehen können), das Verkaufen dieser Karte an einen Mitspieler, oder das Auslegen eines Hinterhaltes (Geduld - in Kürze werde ich erklären, was es damit auf sich hat). Bei den Aktionen, die den Mitspieler um eine Karte erleichtern, ist es allerdings so, dass dieser als Entschädigung die gerade aufgedeckte Karte bekommt – häufig lässt sich der Diebstahl daher einigermaßen verschmerzen.

Hat man nun seine Aktion durchgeführt, kann man entweder eine der Aufgabenkarten erfüllen (gefordert sind hier z. B. das Abgeben von 4 Pärchen oder von sieben verschiedenen Karten) oder einen Kartendrilling ablegen. Im ersten Fall legt man die benötigten Karten auf den Ablagestapel und erhält dafür die entsprechende Aufgabenkarte, welche je nach Schwierigkeit eine bestimmte Anzahl von Siegpunkten wert ist. Außerdem sind erfüllte Aufgabenkarten aus dem Spiel, es lohnt sich also, schneller als die Mitspieler zu sein.

Im zweiten Fall – dem Ablegen eines Drillings – legt man zwei der benötigten Karten auf den Ablagestapel, die dritte sammelt man auf seinem Siegpunktstapel. Der Wert des Drillings ist abhängig von der Art der Karten und direkt auf den Karten selbst abzulesen. Es ist auch erlaubt, mehr als drei gleiche Karten abzulegen. Dies bringt zwar nicht mehr Punkte, schützt aber möglicherweise vor einem Hinterhalt.

Mit letzterem verhält es sich nämlich wie folgt: Wer beim Aufdecken einer entsprechenden Karte die Aktion „Hinterhalt“ gewählt hat, durfte sich aus dem Stapel der Hinterhaltkarten eine Karte nehmen. Diese zeigt entweder einen bestimmten Mitspieler oder eine bestimmte Kartenart. Versucht nun ein Spieler, entsprechend einen Drilling abzulegen, so könnte er Opfer des Hinterhalts werden, was bedeutet, dass eine seiner drei Karten entfernt wird. Übrig sind nun nur noch zwei, und zwei sind nun mal kein Drilling, weswegen es dafür auch keine Punkte gibt und ein neuer Anlauf vonnöten ist.

Immer dann, wenn ein Spieler es schafft, Siegpunkte zu erringen, zieht der Sheriff auf seinem Parcours ein Feld weiter. Dies bringt uns zum einen dem Spielende näher, zum anderen bringt dies möglicherweise neue Karten. Auf jedem Feld des Parcours ist nämlich eine Zahl aufgedruckt. Alle Spieler, die in diesem Moment nicht mehr Karten auf der Hand haben, als diese Zahl besagt, dürfen eine Karte vom Nachziehstapel ziehen.

Das Spiel endet, wenn der Sheriff nach 23 Schritten wieder in seiner Burg angekommen ist – alternativ auch, wenn alle acht Aufgabenkarten erfüllt wurden. Gewonnen hat dann, wer die meisten Siegpunkte aus abgelegten Drillingen und erfüllten Auftragskarten vorweisen kann, wobei letztere wertvoller sind, wenn kein Mitspieler die selbe Aufgabe ebenfalls erfüllen konnte.

Fazit

Beginnen wir beim Thema – dieses ist durchaus nett und hie und da auch im Spielablauf wieder zu entdecken (Hinterhalt). Nüchtern betrachtet handelt es sich bei Nottingham aber letztendlich um eine Kartensammelspiel, ein zum Thema passendes „Hände hoch und gib mir all dein Gold oder ich lass dich meinen Dolch spüren“ - Gefühl mag leider trotz der stimmungsvollen Grafik gar nicht so recht aufkommen.

Die Illustration der Karten ist nicht nur thematisch gut gelungen, auch funktional gibt es nichts auszusetzen. Alle relevanten Kartenmerkmale lassen sich gut erkennen, und auch die Piktogramme, welche die den Karten zugeordneten Sonderaktionen veranschaulichen, lassen nach einmaliger Regelerklärung keine Fragen mehr aufkommen.

Die Regel selbst ist präzise verfasst und ausreichend mit Bildern versehen. In unseren Runden blieben keine Fragen offen und auftauchende Unklarheiten konnten rasch nachgeschlagen und geklärt werden.

Positiv zu erwähnen ist die große Bandbreite an möglichen Mitspielern: Bis zu sieben Spieler sind möglich, und das Spiel funktioniert auch in allen Besetzungen gleichermaßen gut. Mir persönlich waren allerdings die Wartezeiten zu sechst und zu siebt etwas zu lang, und auch die Spieldauer überschritt in diesen Fällen die angegebenen 30 Minuten deutlich. Leider konnte der Spannungsbogen über diese Spieldauer nicht so recht tragen, eine knappe Stunde Karten aufdecken und gegebenenfalls auf irgendeine Art (abhängig von der aufgedruckten Aktion) mit den Mitspielern tauschen, war dann doch etwas zu viel des Guten. Entsprechend waren auch die Reaktionen der Mitspieler, eine rechte Begeisterung wollte nie so recht aufkommen. Allenfalls in kleiner Runde (zu dritt bzw. zu viert) war die Bereitschaft gegeben, einer ersten Partie noch eine weitere folgen zu lassen.

Insgesamt fehlte mir bei „Nottingham“ etwas der zündende Funke, die Spannung, der Druck aus wenig viel zu machen. Ein gewisses Ärgerelement ist zwar gegeben, die eigenen Entscheidungen stellen einen aber nie vor große Herausforderungen im Sinne von „es gibt so viel zu tun, aber man kann immer nur ein Ding zu einer Zeit erledigen“.

So kann ich „Nottingham“ leider nicht uneingeschränkt empfehlen, zumindest nicht für den Kreis von Spielern, die viele Spiele kennen bzw. besitzen und beim Spielen auch ein wenig gefordert werden möchten. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das Spiel in einer nicht allzu großen Familienrunde, möglicherweise mit Kindern oder Großeltern, gut ankommen könnte, was auch der Altersempfehlung (ab 10) entspricht. Ein nettes Thema, bei dem man sich allerdings viel weniger weh tun muss als Titel und Schachteltext erwarten lassen, eine kurze und gut verständliche Regel, ein – gegenüber Klassikern wie z. B. Rommé - aufgepepptes Kartensammelprinzip und eine bei maximal 4 Mitspielern angenehme Spieldauer liefern jedenfalls eine gute Grundlage dafür.

Rezension Michael Andersch

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Nottingham: 3,9 3,9, 13 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 17.03.06 von Michael Andersch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.03.06 von Jochen Traub
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.04.06 von Michael Reitz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.04.06 von Katrin Husmann
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.04.06 von Kathrin Nos
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.04.06 von Peter Nos
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.04.06 von Steffen Stroh
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.04.06 von Uta Weinkauf
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.05.06 von Frank Gartner
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.05.06 von Bernd Eisenstein - "Großer Wurf" von Abacus in der kleinen Schachtel. Vor allem in der großen Besetzung gibt es kaum vergleichbare Spiele, die dann noch so viel Spaß machen.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.05.06 von Michael Schlepphorst - Netter Absacker oder Opener. Aber maximal mit 5 Leuten!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.07 von Udo Kalker - Nicht unbedingt das planerischste Spiel. Wir hatten aber dennoch eine Menge Spaß bei angenehm kurzer Spieldauer.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.12.14 von Michael Kahrmann

Leserbewertungen

Leserwertung Nottingham: 4,3 4.3, 11 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.05.06 von Marco Stutzke
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.05.06 von Hannes Scharwächter - Ist mehr ein seichtes Familienspiel.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.05.06 von Fabian Pfitzenmaier - Nottingham hat mir sehr gut gefallen. Ein "liebes Ärgerspiel" als Aufwärmer oder Absacker: Als Beklauter bekommt man immer etwas zum "Tausch", das manchmal sogar noch besser ist, als das Geklaute. Man sollte es jedoch nur mit 4 oder 5 Spielern spielen. Bei 6 oder 7 ist man zu wenig am Zug (zuviel Wartezeit, zuwenig Einfluss).
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.05.06 von Andrea Hüsker - Ein schönes durchdachtes Kartenspiel, das immer mal wieder bei uns auf den Tisch kommt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.09.06 von Sarah Kestering
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.09.06 von Renate - Ein richtig nettes Spiel!!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.06.07 von Lars Andersch
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 02.07.07 von joost klein haneveld
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 18.11.07 von Matty - Die Kartenfunktionen hätten m. E. etwas eindeutiger bebildert sein können, ansonsten ein spaßiges und locker-leichtes Spielchen für zwischendurch. Am besten zu viert oder fünft.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 22.08.08 von Dr. Andreas Günter - Ein Spiel, das letztlich zwischen 4 und 5 Punkten liegt. Die eigentliche Spieltiefe offenbart sich erst nach mehreren Partien und nur für Spieler mit gutem Kartengedächtnis.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 11.01.10 von Gerd Soba

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