Spielziel
Als Kind, ich dürfte so etwa 8 Jahre alt gewesen sein, war ich mit meinen Eltern auf einer Pferde-Rennbahn. Natürlich wetteten wir auch auf Pferde. Ich kann nicht mehr sagen, ob wir damals irgend etwas gewonnen haben. Ich weiß nur, dass es uns viel Spaß machte.
Ähnliches geschieht bei Royal Turf, jedoch mit dem Unterschied, dass die Rennen auf der königlichen Rennbahn von Ascot (1898) stattfinden und man den Pferden und deren Launen nicht komplett ausgeliefert ist. Man hat hier die Möglichkeit Einfluss auf die Pferde zu nehmen. Wer mit Glück und etwas Geschickt nach 3 Rennläufen das meiste Geld gewinnen konnte, hat nicht nur den dicksten Geldbeutel, sondern auch das Spiel gewonnen.
Ablauf
Vorbereitungen und Prinzipienerläuterung
Zu Beginn wird die Startreihenfolge der 7 Pferde ermittelt. Hierzu werden der Reihe nach Pferdekarten gezogen und die Pferde in der gezogenen Reihenfolge hintereinander aufgestellt. Die Pferdekarten bestimmen die Schnelligkeit (Pferdekopf), das Handicap (Sattel) und Ausdauer (Hufeisen) eines Pferdes sowie das Können eines Jockeys (Jockeyhelm). Jedes dieser Attribute wird durch die Pferdekarten mit einem Wert (1-14) definiert. Im Rennverlauf wird jeweils mit einem Würfel ermittelt, welches der 4 Attribute für den aktuellen Zug maßgebend ist. Da auf dem Würfel 3 Pferdeköpfe sowie jeweils einmal die anderen Attribute abgedruckt sind, besteht eine 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferdekopf gewürfelt wird.
Die Punkteverteilung auf die Attribute ist je Karte sehr unterschiedlich. Einige Pferdekarten haben bei allen 4 Attributen einen relativ gleichen, jedoch mittelhohen Wert (4-7 Punkte), andere Karten haben sehr hohe Werte (bis zu 14 Punkten), dafür jedoch bei anderen Attributen einen sehr niedrigen Wert (1-3 Punkte). Im statistischen Mittel sind jedoch alle Pferde absolut gleichwertig.
Zuerst platzieren die Spieler ihre Wetten, in dem sie reihum ihre Wettchips (zwei 1er-Chips und einen 2er-Chip) auf die Pferdekarten verteilen. Dabei kann es vorkommen, dass ein Pferd nur von einer Person gewettet wird, es ist aber auch möglich, dass ein Pferd von allen Spielern einen Wettchip bekommt.
Das Rennen
Wer am Zug ist, würfelt und ermittelt hiermit das gültige Attribut (z.B. Schnelligkeit). Der Spieler sucht sich eines der Pferde aus und zieht dieses so viele Felder vorwärts, wie es das Attribut der dazugehörigen Pferdekarte angibt. Die Pferdekarte wird etwas vom Spielfeldrand weggeschoben um zu kennzeichnen, dass dieses Pferd in dieser Runde schon gezogen wurde. Der nächste Spieler würfelt erneut, darf dann aber nur noch unter den Pferden wählen, welche diese Runde noch nicht an der Reihe waren. Sobald alle Pferde einmal gezogen wurden, werden die Pferdekarten wieder an das Spielfeld geschoben und es besteht wieder die komplette Auswahl.
Es ist nicht gestattet zwei Pferde auf ein Feld zu stellen. Züge, die auf einem besetzten Feld enden würden, werden entsprechend verkürzt. Im ungünstigsten Fall (alle Felder bis zum Zielfeld sind besetzt) bleibt das Pferd stehen. Dies ist wenig erfreulich für den Spieler, der auf ein solches Pferd gewettet hat, für die anderen Spieler um so amüsanter.
Das erste Pferd, das die 50%-Marke überschreitet, bekommt einen Sonderbonus von 100 Pfund. Sobald die ersten 3 Pferde die Ziellinie überquert haben, ist das Rennen beendet. Gewertet werden nur die ersten 3 Pferde sowie das zu diesem Zeitpunkt an letzter Position befindliche Pferd.
Alle Spieler, die auf das letzte Pferd gewettet haben, müssen 100 Pfund pro Wetteinsatz (im Falle eines 2er-Chips das doppelte) an die Bank zahlen.
Die Höhe der Gewinnbeträge für Platz 1 bis 3 hängt davon ab, wieviel Spieler auf die Pferde gewettet haben. Hierfür gibt es eine Tabelle, welcher leicht abzulesen ist, was an Gewinnausschüttung vorgenommen werden darf. Generell gilt Platz 1 wird höher bewertet als Platz 3 und wer alleine auf ein Pferd gewettet hat, bekommt eine höhere Gewinnsumme ausgezahlt, als wenn mehrere Spieler auf das Pferd getippt haben. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Platz 2 oder 3 mehr Geld einbringt, wenn man alleine die Siegesprämie bekommt, als ein erster Platz den mal mit anderen teilen muss. .
Neue Runde neues Glück
Sind alle Gewinne ausgezahlt, werden die nächsten Pferdekarten ausgelegt (es gibt insgesamt 3 Pferdekarten je Pferd) und die neue Startreihenfolge bestimmt. In der dritten und letzten Runde werden alle Beträge verdoppelt.
Wer am Ende das meiste Geld besitzt hat gewonnen.
Varianten:
Es gibt eine Bluff-Variante bei Turf Royal: Als zusätzlicher Wettchip kommt ein 0-Punkte-Chip hinzu. Mit diesem Chip kann man zwar nichts gewinnen, jedoch kann man damit seine Mitspieler verwirren, denn diese Variante wird mit verdeckten Wettchips gespielt. Dies bedeutet, die Spieler legen ihre Wettchips verdeckt ab, so dass niemand weiß, wer wieviel Punkte auf welches Pferd gesetzt hat.
Fazit
Royal Turf ist, wie auch Wyatt Earp, eines der leicht verdaulichen Spiele im ALEA-Verlag des Frühjahrs 2001. Es ist leicht erlernbar und lässt sich locker nebenher spielen. Zwar hat man nach einem Würfelwurf einige Wahlmöglichkeiten, der taktische Spielraum ist dennoch beschränkt. Trotz geringerem Einfluss machte mir Royal Turf in größerer Besetzung (5-6 Spieler) am meisten Spaß, denn hier kommen Gruppendynamik und Schadenfreude besser zur Geltung (sofern man hierfür die richtige Besetzung hat). Wer selbst nicht am Zug ist, kann versuchen den am Zug befindlichen Spieler zu beeinflussen, um selbst Nutzen davon tragen (ein eigenes Pferd) oder ein Pferd eines anderen Spielers auszubremsen. Gegenseitige Hetzereien und gehässiges Gelächter waren in unseren größeren Runden an der Tagesordnung. In kleinerer Runde wird Royal Turf etwas ruhiger und man gewinnt etwas mehr an Einflussmöglichkeiten, da man selbst öfter an die Reihe kommt.
Ich denke es ist nicht unwichtig auch auf Pferde zu wetten, die bereits von anderen Spielern ausgewählt wurden. Wer Verbündete hat, muss sich den Gewinn zwar teilen, es erhöht aber die Chancen auf einen der ersten 3 Plätze. Wer alleine auf ein Pferd setzt, kann zwar höhere Gewinne einfahren, geht aber Gefahr alleine hinterher zu galoppieren, weil dieses Pferd von den Mitspielern nur bei niedrigen Zahlenwerten gezogen wird. Die richtige Mischung zum Erfolg muss aber jeder selbst herausfinden.
Die Gewinne und Verluste der letzten Runde werden verdoppelt, so dass der Spannungsfaden bis zum Schluss nicht abreißt.
Die Ausstattung von Royal Turf ist stimmig und gibt eigentlich keinen Grund zum Klagen, allerdings bin ich kein Freund von Plastik. Hier wären Pferde aus Metall oder Holz schöner gewesen.
Vergleiche mit anderen Pferderennspielen wie z.B. der Klassiker „Jockey“ von Ravensburger fallen mir schwer, da „Jockey“ trotz Kartenglück taktischer ist und der Wettmechanismus dem einer Pferderennbahn wesentlich näher kommt.
Royal Turf ist nichts für Grübler und Strategen. Es ist ein „Fun-Game“ für Familien und gesellige Runden. In unseren Partien war es stets unterhaltsam. Es verursachte zwar keine Begeisterungsstürme, bot aber auch keinerlei Veranlassung zum Naserümpfen. Von daher bekommt Royal Turf nur eine Kaufempfehlung mit Einschränkungen.
Rezension Frank Gartner
Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir häufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, männliche und andere Geschlechteridentitäten bezieht.