Rezension/Kritik - Online seit 03.05.2008. Dieser Artikel wurde 11544 mal aufgerufen.

Utopia

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Autor: Arnaud Urbon
Ludovic Vialla
Illustration: Stphane Poinsot
Jean-Mathias Xavier
Verlag: Matagot
Rezension: Ralph Bruhn
Spieler: 2 - 5
Dauer: 60 Minuten
Alter: ab 12 Jahren
Jahr: 2007
Bewertung: 3,6 3,6 H@LL9000
4,1 4,1 Leser
Ranking: Platz 5030
Download: Kurzspielregel [PDF]
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Utopia

Spielziel

In Utopia gibt's eine Nachhilfestunde in Geschichte: Gleich vier Weltwunder und Monumente aus fnf antiken Kulturen warten darauf, errichtet zu werden. Nach und nach bringen die Spieler Frsten der verschiedenen Kulturen ins Spiel. Mit Aktionskarten kann man die Frsten bewegen und durch ihr Zusammentreffen Monumente entstehen lassen. Aber nur die ebenfalls ber Aktionskarten beeinflussbare Gunst des Knigs entscheidet, welche der Monumente wieviel Prestige erbringen. Daher fhren nicht nur baumeisterische Fhigkeiten zum Sieg, sondern vor allem auch die Kunst, die Gunst des Knigs zur rechten Zeit zu steuern.

Ablauf

"Unsere Hoheit, der Knig von Utopia, ist ein echter Fan antiker Bauwerke. Da wir selbst keine nennenswerten Architekten hervorgebracht haben, lsst er jetzt Frsten aus fnf antiken Kulturen anreisen, die uns beim Nachbau ihrer Monumente und bei der Errichtung von Weltwundern helfen sollen. Er wechselt allerdings des fteren mal seine Meinung, welche der Kulturen ihm gerade am wichtigsten ist. Die aktuelle Reihenfolge hlt er auf einer sogenannten Prestigeskala fest.

Wer wir sind? Wir sind Minister des Knigs und haben den Job, den Frsten beim Errichten der Bauwerke behilflich zu sein - ein erheblicher Prestigegewinn inklusive aller Annehmlichkeiten winkt! Zugegebenermaen gehen wir daher recht egoistisch vor - der persnliche Erfolg ist uns wichtiger als das Wohl des Landes ...

Zum besseren Verstndnis unserer Aufgabe muss man wissen, dass Utopia aus vier Inseln besteht, die sich aus mehreren Stadtteilen zusammensetzen und jeweils einen Hafen besitzen. Das Schwierige dabei: Um ein Monument errichten zu knnen, mssen wir drei Frsten der entsprechenden Kultur in einem Stadtteil zusammenbringen. Fr den Bau eines Weltwunders bentigen wir sogar alle fnf verschiedenen Frsten auf einer Insel. Auf jedem Stadtteil kann aber nur ein Monument errichtet werden und auf jeder Insel nur ein Weltwunder. Daher wird es im Laufe der Zeit immer komplizierter, diese Aufgabe zu erfllen.

Jetzt geht's los: Die Frsten kommen etappenweise an und landen bunt verteilt mal in diesem, mal in jenem Hafen. Nun werden wir Minister aktiv: Die Reihenfolge richtet sich dabei nach der bisher erworbenen Anzahl von Prestigepunkten - wer mehr hat, ist frher dran. Unsere Ttigkeit, besteht grob gesagt aus zwei Teilen:

Nach jeder Ankunft der Frsten geleitet jeder von uns als Erstes drei der Frsten in einen Stadtteil der Insel, auf der sie angekommen sind.

Fr den zweiten Teil stattet uns der Knig mit fnf Auftragskarten aus - allerdings mssen die, die sich bisher besonders erfolgreich hervorgetan haben, eine oder sogar zwei davon wieder zurckgeben (der gerechte Knig mchte die Erfolgserlebnisse wohl gleichmiger verteilen ...).

Diese jeweils einer der Kulturen zugeordneten Auftragskarten befhigen uns dazu, die entsprechenden Frsten auf der Insel ber Land oder Wasser reisen zu lassen, oder auch weitere Frsten auf die Insel zu bringen. Oder wir beeinflussen mit ihnen das Ansehen, das die einzelnen Vlker beim Knig besitzen - also deren Reihenfolge auf der bereits erwhnten Prestigeskala.

Wenn wir alle Auftragskarten benutzt (oder fr die nchste Runde aufgespart) haben, wird ausgezhlt, wer wieviel Prestige in dieser Runde erzielen konnte. Jetzt bekommen wir fr jedes Monument den aktuellen Wert der Prestigeskala gutgeschrieben. Ach ja: Auch fr Weltwunder werden natrlich Prestigepunkte verteilt: Ein fester Betrag wird sofort beim Bau ausgeschttet, weitere gibt's dann, wenn ein Monument auf der zugehrigen Insel errichtet wird.

Und schon steht die Ankunft der nchsten Frsten bevor - also auf zur nchsten Runde!"

Einen anspruchsvollen Job haben die guten Minister da zu leisten! Runde fr Runde ergiet sich also ein stetiger Strom von Frsten ber die Insel, die Bauwerke schieen wie Pilze aus dem Boden, bis - ja bis einer der Minister 50 Prestigepunkte vorweisen kann. Dann wird die aktuelle Runde noch komplett zu Ende gespielt - und gewonnen hat dann jener Spieler, der danach die meisten Punkte auf seinem Prestigekonto hat.

Fazit

Angesichts der haarstrubenden Idee, Kulturen aus verschiedenen Jahrtausenden zeitgleich ihre Monumente errichten zu lassen, ist der Name des Spiels die einzig logische Konsequenz - das Thema wird zur Utopie erklrt.

Dieses wird beginnend mit dem Cover konsequent umgesetzt: Wie der prachtvoll gewandete Knig vor einem Modell des Inselstaates sitzt, hinter sich die Skyline Utopias, wirkt es wie eine Mischung aus 1001 Nacht und einem fantastischen PC-Grafikadventure a la Myst.

ffnet man dann die ordentlich schwere Schachtel, ist man erst mal beeindruckt. Das Spielmaterial ist sehr reichlich - und vor allen Dingen sehr bunt ... Die zweihundert Frstenplttchen in den fnf sehr krftigen Spielerfarben konkurrieren mit den neutralen Frstenplttchen in den vier ebenso leuchtenden Inselfarben um die visuelle Vorherrschaft. Auch der Spielplan ist sehr farbenfroh gestaltet und man ahnt es schon: bunte Plttchen auf farbigem Spielplan - das wird eher den Konzentrationsknstlern unter uns gefallen.

Die Qualitt des Materials selbst ist beispielhaft: Stabile Pappplttchen, die Spielkarten aus hochwertigem Karton und nicht zuletzt ber vierzig mit viel Liebe zum Detail gestaltete dreidimensionale Monumente und Weltwunder aus Kunststoff, denen man leicht ansehen kann, zu welcher der Kulturen sie gehren. Gut, hier hre ich die Holzpuristen wieder aufsthnen - aber ich finde so etwas einfach klasse. Schade nur, dass die vier Weltwunder fast die gleiche Farbe haben wie die Monumente - da fallen sie gar nicht so sehr auf, wie sie es verdient htten.

Die vierseitige Spielregel ist gut aufgebaut, gut verstndlich und mit ausreichend Beispielen und Abbildungen versehen. Sie ist vollstndig bis auf einen kleinen Punkt: Es ist nicht eindeutig geklrt, was passiert, wenn eine Figur auf ein bereits besetztes Siegpunktfeld kommt - dieses ist schlielich relevant fr die Spielerreihenfolge. Wir spielen es so, dass man sich in diesem Fall hinter die bereits vorhandene Figur begibt.

Der Einstieg in das Spiel gestaltet sich fr Anfnger recht schwierig: Der Spielplan ist unbersichtlich, die Vielfalt der Farben verwirrend - und dann fehlt einem anfangs auch noch die Zuordnung, welche Frsten zu welchen Tempeln gehren. Auf den Karten ist das zwar zu erkennen, aber die hat man beim ersten Spielzug ja noch nicht auf der Hand. Wir haben uns dann in den ersten Runden damit geholfen, dass wir an der Prestigeskala jeweils ein Frstenplttchen neben den entsprechenden Tempel gelegt haben. Insbesondere den Geschichtsbanausen konnte damit sehr geholfen werden ...

Nach einigen Runden begreift man dann, dass das Spiel gar nicht so kompliziert ist, wie es zunchst den Anschein hat: In der ersten Phase verteilt jeder drei Frstenplttchen auf die Inseln, in der zweiten Phase werden diese mit Karten so bewegt, dass sie sich zu dritt zusammenrotten und so Monumente bilden. Mit den Restkarten beeinflusst man die Prestigeskala und erntet Siegpunkte. Hat sich diese Erkenntnis durchgesetzt, beginnt das Spiel, Spa zu machen: Man konzentriert sich nicht mehr nur darauf, eigene Monumente zu errichten, sondern kann gleichzeitig auch noch die Anderen dabei stren. Auerdem beginnen spannende Konkurrenzkmpfe darum, wer in einzelnen Stadtteilen als Erster mit seinen Bauvorhaben zum Zuge kommt. Selbst an die Farben und den Aufbau der Inseln gewhnt man sich dann doch schnell.

Das Spiel knnte richtig gut werden - bis einen die Wertungen auf den Boden der Tatsachen zurckholen. Es beginnt mit der manchmal frustrierenden Situation fr den Fhrenden, dass er zum einen sowieso weniger Karten fr die Phase "Stadt ausbauen" hat und er zum anderen nichts dagegen tun kann, dass die nach ihm folgenden Spieler die Wertigkeit seiner Monumente weit herabsetzen knnen.

Gegen Ende des Spiels zeigt sich sogar der spieltechnische Super-GAU: Ein per Regel festgelegter Knigsmacher-Effekt! Warum? Der an letzter Stelle liegende Spiele fhrt per definitionem den letzten Zug des Spiels aus. Damit legt dieser auch den Wert der Monumente fr die letzte Wertung fest. Da meistens dieser Spieler nicht mehr gewinnen kann, entscheidet er mit seinen Aktionen sehr hufig als Unbeteiligter ber den Sieger. Fr die, die wie ich hnlich allergisch auf den Knigsmacher-Effekt reagieren, habe ich einen Vorschlag unter "Varianten" eingestellt.

Die Belohnung fr den Bau eines Weltwunders ist - thematisch gesehen - nicht gerade adquat gegenber den Monumenten. Selbst ein recht frh errichtetes Weltwunder bringt insgesamt kaum mehr Punkte als ein zur gleichen Zeit errichtetes durchschnittliches Monument - und das, wo ein Weltwunder sogar zwei Frsten mehr "kostet" als ein Monument. Das gilt umso mehr, je weniger Spieler mitspielen, da dann insgesamt weniger Monumente errichtet werden (wir erinnern uns: Der Besitzer eines Weltwunder erhlt Bonuspunkte, wenn auf dessen Insel Monumente gebaut werden).

Daraus folgt, dass es nicht wirklich viele unterschiedliche Strategien gibt - wer schneller seine Monumente baut, wird fter gewertet, und wer dann noch Karten fr die Gunst des Knigs erbrigen kann, hat meist auch am Ende die Nase weit vorn. Vielleicht knnte hier eine hhere fixe Anzahl von Prestigepunkten fr ein Weltwunder Abhilfe schaffen, wobei die Punkte spielerzahlabhngig gewhlt werden sollten: je weniger Spieler, desto mehr Punkte.

Die Unberechenbarkeit des Spiels steigt mit der Anzahl der Spieler. Zu fnft gibt es mehr Konkurrenz um die Baupltze und gegen Ende sind fast alle Stadtteile bebaut. Auerdem herrscht ein stndiges Auf und Ab auf der Prestigeskala. Nicht ganz so im Spiel zu dritt: Hier bleiben doch noch grere Lcken auf den Inseln brig und hier lohnt sich auch fr den Fhrenden ein Engagement auf der Prestigeskala, ohne dass seine Bemhungen gleich zunichte gemacht werden.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass das Spiel trotz opulenten Materials und einiger guter Ideen und Anstze wegen des Wertungssystems nicht berzeugen kann. Gute Kombinationen, geschickte Ausnutzung der Karten und natrlich auch ein bisschen Glck beim Nachziehen der Karten werden umgehend damit "bestraft", dass man in Fhrung geht und die ganze Hrte des Nivellierungssystems zu spren bekommt. Das sorgt vielleicht dafr, dass die Spieler bis zum Schluss recht eng beieinander liegen, nimmt einem aber das Gefhl, selbst etwas fr seinen Erfolg tun zu knnen.

Also: Probiert's mal mit der Variante - das kann dieses schne Spiel noch retten ...

Rezension Ralph Bruhn

Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir hufig das generische Maskulinum, welches sich zugleich auf weibliche, mnnliche und andere Geschlechteridentitten bezieht.

Regelvarianten

Variante zur Behebung des Knigsmachereffekts, welche nur zwei nderungen im Spielablauf beinhaltet:

  • Die Spielerreihenfolge in der 2. Phase (Stadt ausbauen) wird umgekehrt: Es beginnt nun der am weitesten hinten liegende Spieler, der Fhrende ist als Letzter dran.
  • Die Monumentwertung fr einen Spieler findet sofort nach seinem Zug statt. So kann jeder die Frchte seiner ausgespielten Karten ernten. Falls es Verwirrung gibt, welcher der Spieler schon seinen Zug absolviert hat: Einfach nach dem Zug die Figur auf der Siegpunktleiste hinlegen, bis die ganze Runde beendet ist.

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Utopia: 3,6 3,6, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 16.03.08 von Ralph Bruhn - Abwertung im Spielreiz wegen Knigsmachereffekt, mit der Variante gibt's eine 4-5.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.12.07 von Michael Andersch - Anfangs stark verwirrende Grafik.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.02.08 von Roland Winner - Etwas nervig ist der stndige Wechsel der Spielreihenfolge.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.02.08 von Silke Hsges
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 24.04.08 von Horst Sawroch

Leserbewertungen

Leserwertung Utopia: 4,1 4.1, 8 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.05.08 von Beate Bindrim - Die wunderschne Grafik des Spielplans hemmt leider etwas den Spielfluss. Der Knigsmachereffekt ist sehr frustrierend, unbedingt mit der Variante spielen, dass jeder Spieler sofort nach Karteneinsatz wertet! Aber ich mags einfach.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.05.08 von Braz
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 03.05.08 von Marco Stutzke
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.05.08 von Detlef Vanis
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 06.05.08 von Gabriele Petry
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.08 von Claus Fischer - Schnes und interessantes Spiel, mit der Variante glatte 5 Punkte!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.05.08 von Michael S.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.08.12 von nora - Wir haben Utopia zu fnft mit der Regelvariante gespielt und es hat uns deutlich besser gefallen. Zwei der Spieler waren nicht so begeistert -- sie hatten ein knall hartes Strategiespiel wie Khronos erwartet. Aber als mittelschweres Familienspiel ist es ausgezeichnet. Einzig die Lnge ca. 2,5 Stunden war etwas strend.

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