Rezension/Kritik - Online seit 26.05.2022. Dieser Artikel wurde 2304 mal aufgerufen.

Scout

Direktlinks zu den Rezensionsblöcken
Autor: Kei Kajino
Illustration: Jun Sasaki
sinc
Rie Komatsuzaki
Verlag: Oink Games
One More Game!
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 2 - 5
Dauer: 20 Minuten
Alter: ab 9 Jahren
Jahr: 2021
Bewertung: 4,5 4,5 H@LL9000
3,4 3,4 Leser
Ranking: Platz 4603
Scout

Spielziel

Betrug! Etikettenschwindel!! Gaunerei!!!
Da wird einem das Blaue vom Himmel versprochen: ein Zirkus, spektakuläre Attraktionen, eine perfekte Show, etc. Und dann bekommt man DAS. Okay, ich hätte mir schon denken können, dass da irgendwo ein Haken sein muss. In einer Schachtel von gerade mal 11 cm Länge, 6,5 cm Breite und 3,5 cm Höhe wird man wohl kaum ein ganzes Zirkuszelt inklusive aller Artisten und Clowns unterbringen. Ich werde mich halt mit einer Handvoll Karten und ein paar Plättchen zufrieden geben müssen, um eine unschlagbare Vorstellung auf die Beine zu stellen.

Ablauf

45 Karten sind es insgesamt, wobei jede Karte zwei unterschiedliche Zahlen zwischen 1 und 10 aufweist, je nachdem in welcher Ausrichtung - normal oder um 180 Grad gedreht - man sie auf der Hand hält. Je nach Spielerzahl werden vor der Partie ein paar Karten aussortiert und die restlichen gleichmäßig an die Spieler ausgeteilt. Bevor es losgeht, muss sich aber jeder noch entscheiden, ob er die Karten so lässt, wie er sie auf die Hand genommen hat, oder ob er alle zusammen umdreht. Auf keinen Fall dürfen die Karten in der Hand umsortiert werden.

Wer an der Reihe ist, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Er spielt Karten aus seiner Hand - dabei darf er nur zusammenhängende Handkarten nehmen - und legt sie offen vor sich aus (das nennen sich "Show"). Er kann eine Serie aus aufeinanderfolgenden Zahlen - egal ob auf- oder absteigend - oder aus gleichen Zahlen bilden. Gibt es bereits eine "aktuelle Show", also eine Show bei einem Mitspieler, muss diese überboten werden, indem entweder mehr Karten ausgelegt werden oder eine höherwertige Serie (gleiche Zahlen sind höher als aufeinanderfolgende) gebildet wird. Alle Karten der derart überbotenen Show legt der Spieler als Belohnung auf seinen Punktestapel.

Alternativ - wenn er die aktuelle Show nicht übertreffen kann oder will - kann der Spieler die "Scout"-Aktion wählen. Dabei nimmt er eine Karte aus der aktuellen Show (von links oder von rechts, niemals aus der Mitte!) und fügt sie in beliebiger Ausrichtung und an beliebiger Stelle seinen Handkarten zu. Der Besitzer der aktuellen Serie erhält dafür einen Scout-Chip aus dem Vorrat.

Die Runde endet augenblicklich, wenn es einem Spieler gelingt, seine letzte Handkarte loszuwerden, oder wenn eine Show eine ganze Runde übersteht, ohne von einem anderen Spieler übertroffen zu werden.

Anschließend kommt es zur Punkteberechnung. Jeder Spieler ermittelt seine Punkte, indem jede Karte auf seinem Punktestapel 1 Punkt zählt, ebenso jeder gesammelte Scout-Chip. Davon werden noch die verbliebenen Handkarten abgezogen. Die Spieler erhalten Punktechips in Höhe des errechneten Wertes (gegebenenfalls auch Minuspunkte), danach wechselt der Startspielermarker zum nächsten Spieler im Uhrzeigersinn.

Nachdem jeder Spieler einmal der Startspieler war, endet das Spiel. Der Spieler, der mit seinen Punktechips die höchste Gesamtpunktezahl erzielt, gewinnt das Spiel und wird zum besten Zirkusdirektor gekürt.

Fazit

Scout gehört also - unschwer zu erkennen - in die Kategorie der Kartenspiele. Genauer gesagt der Kartenablegespiele, bei denen man versucht, seine Handkarten so schnell wie möglich auszuspielen. Ähnlich wie bei Abluxxen (Ravensburger 2014) gilt es, gleichzeitig die Auslagen der Mitspieler zu überbieten.

Die Spielregeln klingen ziemlich banal. Entweder man spielt Karten aus seiner Hand aus (was als "Show" bezeichnet wird) oder man nimmt eine Karte einer ausliegenden Serie auf die Hand (hier "Scout" genannt). Da stellt sich automatisch die Frage: Haben wir das was versäumt? Wo bleibt da der Kniff?

Es sind zwei originelle Ideen, welche dem schon recht angestaubten Genre der Kartenablegespiele einen frischen Anstrich verleihen. Zum einen weist jede Karte zwei unterschiedliche Zahlen auf. Je nachdem, wie man eine Karte auf der Hand hält, zeigt sie entweder die eine oder die andere Zahl. Erst nach dem kompletten Austeilen aller Karten nimmt jeder Spieler seine Handkarten auf und muss sich zu diesem Zeitpunkt entscheiden, ob er sie so belässt oder den ganzen Stapel umdreht. Dabei richtet sich jeder Spieler danach, welche Seite ihm die besseren Optionen (stärkere Serien, höhere Zahlen) bietet.

Zum anderen darf die Reihenfolge der Handkarten auf keinen Fall geändert werden. Da für eine Show nur zusammenhängende Serien zählen (auch hier ist umsortieren nicht erlaubt!), kann man schon Pläne schmieden, in welcher Reihenfolge man die Karten ausspielen, wie sich die Kartenhand im Laufe des Spiels entwickeln könnte.

Veränderungen können nämlich doch auf zwei Arten passieren: Erstens sind durch das Ausspielen von Karten plötzlich neue Karten benachbart. Wer dies geschickt ausnutzt, findet so in Folge bessere Optionen vor. Und zweitens sorgt die Aktion "Scout" für die einzige Möglichkeit, eine aufgenommene Karte an beliebiger Stelle und sogar in beliebiger Ausrichtung einordnen zu können. Dabei ist man allerdings etwas vom Zufall abhängig, denn von der aktuellen Show darf mit dieser Aktion nur eine der beiden äußeren Karten gewählt werden.

Trotz all der taktischen Überlegungen ist und bleibt Scout ein Kartenspiel, und ist damit auch beim besten Willen nicht wirklich steuerbar. Dies trifft jedoch auf die meisten Kartenspiele zu. Der naturgemäß vorhandene hohe Glücksanteil relativiert sich - wie bei Skat, Tarock, Doppelkopf, etc. - im Verlauf mehrerer Runden, mehrerer Partien ein wenig. Die angenehm kurze Spieldauer - eine Partie dauert nur etwa 20 Minuten - lässt durchaus auch einige Revanchepartien zu.

Das alternative Ende einer Runde wird in der Spielregel nicht eindeutig genug erklärt, weshalb in unseren Runden ein paar Diskussionen entstanden. Nach meinem Empfinden - und das Dutzend Partien, das ich bereis in unterschiedlicher Besetzung spielen konnte, bestätigt dies - endet die Runde bei jenem Spieler, dessen aktuelle Show von niemandem überboten werden konnte. Für diesen Spieler zählen dann die verbliebenen Handkarten nicht, während die Mitspieler sehr wohl dafür Minuspunkte kassieren.

Es ist zwar durchaus möglich, dass ein Spieler mit einer langen Serie die Runde sehr frühzeitig beendet. In den meisten Fällen hingegen wird die Show ja mit jeder Scout-Aktion etwas kleiner, sodass - vor allem zu viert oder zu fünft - noch ein anderer Spieler rechtzeitig die Show übertreffen kann. Der - bis jetzt noch nicht erwähnten - dritten Aktionsmöglichkeit "Scout & Show", die jedem Spieler bloß einmal pro Runde zur Verfügung steht, kommt daher eine große Bedeutung zu. Das Umdrehen des entsprechenden "Scout & Show"-Plättchens erlaubt nämlich direkt nach der Scout-Aktion sofort eine Aufführung. Dies ist oft die letzte Chance, ein allzu frühes, desaströses Rundenende noch zu verhindern.

Scout funktioniert in jeder Besetzung, allerdings gefällt es mir in kleinerer Spielerzahl nicht sonderlich. Vor allem zu zweit ist einfach zu wenig los und kann zudem durch eine besonders glückliche Hand schnell zu Ende sein. Zu viert oder zu fünft hat es genau die richtige Spieldauer und macht wirklich Spaß.

Noch ein paar Bemerkungen zum Spielmaterial: Die winzige Spielschachtel hat sich bei "Oink Games" bereits zu einem echten Markenzeichen entwickelt. Vielleicht hat dies auch mit den typisch japanischen Minimalismus zu tun. Dass die Größe einer Schachtel nicht direkt proportional mit dem Spielreiz oder den taktischen Anforderungen sein muss, hat uns aber schon "Adlung Spiele" bewiesen, bei denen einige Kartenspiele (z.B. Meuterer oder Verräter) absoluten Brettspiel-Charakter aufweisen. Den Sammler freut's, und den Spielehaushalt mit beschränktem Wohnraum ebenso.

Rezension Franky Bayer

'Scout' online bestellen

Kaufen bei Idealo Kaufen bei Spiele-Offensive Kaufen bei Meeple-Box 

H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Scout: 4,5 4,5, 4 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.03.22 von Franky Bayer - Ein schönes, originelles Kartenablegespiel. Kleine Schachtel, großer Spielspaß.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 08.05.22 von Michael Andersch - Ein bisschen "Krass kariert", ein bisschen "Tichu" bzw. "Zoff im Zoo" und ein Schuss Originalität - fertig ist "Scout. Besser als die letzeren beiden, aber nicht besser als "Krass kariert". Außerdem hässlich (wie alle Oink Games), mit zwei nicht eindeutigen Regelpassagen das Rundenende betreffend sowie der ärgerlichen und längst ausgerottet geglaubten redaktionellen Schwachstelle, dass die Karten nur in eine Richtung aufgefächert werden können. Daher nur 4 Punkte. Gute 4 Punkte, an der Grenze zu fünf, aber leider reicht es für mehr nicht ganz.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.05.22 von Michael Kahrmann - Mir etwas zu "verkopft" für das kleine Spiel. Ganz nett, mehr aber auch nicht. Ich spiel es aber sicher gern mal wieder mit.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 21.06.22 von Michael Fuchs - Ein tolles Kartenspiel mit einer interessanten Spielmechanik. Mit der Variante für 2 Spieler ist das Spiel auch gut zu zweit spielbar. Hier erhält jeder Spieler 3 Scoutchips und 11 Handkarten. Ist ein Spieler an der Reihe, kann er entweder eine höhere Show auslegen oder einen Scoutchip nutzen und eine der ausliegenden Karten links oder rechts nehmen. Danach ist der Spieler erneut an der Reihe und kann wieder wählen, einen Scoutchip einzusetzen oder eine höhere Show auszulegen. Hat ein Spieler keine Scoutchips mehr, muss er eine höhere Show auslegen. Kann er dies nicht, hat der Gegenspieler gewonnen. Optimal sind 3 oder 4 Spieler. Ein tolles Spiel mit hohem Wiederspielreiz.

Leserbewertungen

Leserwertung Scout: 3,4 3.4, 7 Bewertung(en)

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.05.22 von Thomas Cordes - Grossartig! Das ist grad DER kurzweilig-spannend-spekulativ-taktisch-hochgradigunterhaltende heisse Scheiss bei uns; so denn zu dritt oder viert genossen. Zu fünft auch. Nach dem Frühstück... am Küchentisch, die Krümel schnell noch zur Seite geschoben; Schachtel auskippen. Mischen nach Loriot-Art ("Spielen, richtig verstanden, ist etwas Wunderschönes"). Oder schnell noch zwischendrin im örtlichen Eiscafé, bevor die Kalorienbomben herangetragen werden und zu schmelzen beginnen; oder ganz einfach am gediegenen Spieletisch zum Abend (nun ja... wollte man nicht früh zu Bett... eigentlich... heute einmal? - Viel zu müde... eigentlich... Aber, nun ja, Scout, eine Partie zumindest, das geht vor! Dann. Noch. Eine! Der Abend geht... die Nacht bricht an. Wieder und wieder beginnt eine neue Runde. - Ja, das kann Scout! Freude wie beim Ü-Ei! Oh, diese herrlich variabel spielbaren Kartenspiele á la Tichu, Zoff im Zoo oder Abluxxen. Und nun eben auch: Scout. Noch besser als das verwandte Krass kariert, übrigens. Das Ding hier ist einfach noch runder! Noch mehr auf den Punkt gebracht. Je nach Anzahl (3,4,5) ändert sich der Charakter des Spiels ein wenig. Doch was bleibt, das ist das: du betrachtest initial dein Blatt; grübelst, phantasierst dir Ausspielmöglichkeiten zurecht, stöhnst ob der gemeinen Verteilung (so wie lautstark auch die Anderen), bedenkst diese oder jene Verbesserungsmöglichkeit des Blattes durch geschicktes Anwerben von vielleicht Sabrina oder James. Doch. Am Ende. Kommt. Es immer. Anders. Als man. Denkt. ... die eine, die große, die einzigartige Show muss kurz vor seiner Perfektionierung viel zu früh schon aufgeführt werden. Zu groß ist andernfalls die Gefahr der großen Schmach, durch des Nachbars Supershow düpiert zu werden. Ach. Und oh weh. Wie mit den Resten des Blattes weitermachen. Komm schon! - Noch ist das Ding nicht gelaufen. Dann stoppel ich mir noch schnell \'ne chic-exklusive k-l-e-i-n-e Aufführung zusammen; auf dass ihr nur noch offenen Mundes staunen könnt...! Noch etwas? - Die aufgedruckten Namen und Disziplinen auf dem qualitativ sehr hohen Kartenmaterial sind aus meiner Sicht kein unnützes Beiwerk. Da wird bei jeder neuen Aufführung gesondert auf die speziellen Stars hingewiesen; beim Scouten werden die einzelnen Perlen namentlich lobend erwähnt. Diese schwatzhafte Atmosphäre kommt wie von selbst nach der x-ten Partie. Das Spiel hier wird ein Dauerbrenner für die nächsten Jahre. Soviel ist sicher. Und schiet was drauf: zwar bin auch ich eigentlich ein Verkehrtrumkartenauffächerer; geht hier nicht. Geschenkt. Diese fummelige Fingerübung nehme ich immer und wieder und noch einmal gerne in Kauf für dieses fulminante Spiel.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 26.05.22 von JochenSch - Scout ist nett - aber überflüssig. Krass kariert macht Scout überflüssig. Die Spiele sind ähnlich, nur krass kariert ist deutlich besser.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.05.22 von Heike - Zu dritt gespielt, hat aber nicht gefallen. Krass kariert ist das bessere Spiel
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.05.22 von Peter Steinert
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 15.06.22 von Jörn - Zu fünft zu lange und zu dritt zu unspannend.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.06.22 von Dennis L.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.06.22 von Maja

Weitere Informationen zu 'Scout' auf unseren Partnerseiten