Rezension/Kritik - Online seit 12.01.2022. Dieser Artikel wurde 1796 mal aufgerufen.

Canvas

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Autor: Andrew Nerger
Jeff Chin
Verlag: GateOnGames
Road To Infamy Games
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 1 - 5
Dauer: 30 Minuten
Alter: ab 14 Jahren
Jahr: 2021
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
4,3 4,3 Leser
Ranking: Platz 3008
Canvas

Spielziel

Du findest dich also kreativ, voller Schöpfungsdrang und Inspiration? Du wolltest schon immer ein Kunstwerk schaffen, ein einzigartiges Gemälde voller Poesie, ästhetisch und ausdrucksstark? Na, dann besorg' schon mal Leinwand, eine Staffelei, ein paar Echthaarpinsel, eine Palette und ein paar Dutzend Ölfarben. Und schau' dich auch gleich nach einem passenden Motiv um, nach einem interessanten Sujet, das du skizzieren, zeichnen, malen, pinseln kannst.

Das ist dir zu anstrengend? Okay, dann habe ich genau das Richtige für dich. Im Spiel Canvas (englisch für Leinwand) brauchst du lediglich ein paar durchsichtige Folien mit fertigen Objekten drauf vor einen bereits gemalten Hintergrund stecken, und voilà! - fertig ist dein Chef d'Oeuvre! Ob dies reicht, um dich gegen die anderen Künstler durchzusetzen, ist allerdings eine andere Sache ...

Ablauf

Zu Beginn bekommst du drei Hintergrundkarten, die bereits in durchsichtigen Hüllen stecken. Am unteren Rand jeder Hintergrundkarte befinden sich 5 Farbkleckse in Rot, Gelb, Grün, Blau und Violett, welche stets die gleiche Position einnehmen. Du wirst also im Laufe des Spiels gleich drei Gemälde fertigstellen können. Fehlt dir nur mehr ein wenig künstlerische Eingebung, welche durch Inspirationsmarker (du erhältst anfangs vier Stück davon) dargestellt wird.

Die eigentlichen Motive für deine Bilder liefern jedoch die Kunstkarten auf durchsichtigen Folien. Diese zeigen im oberen Teil eine Illustration, eine Person oder ein Objekt, darunter einen Titel und in der untersten Reihe ein paar Elementsymbole, wie Farbe, Form, Textur oder Tönung, manchmal auch ein Bonussymbol. Hier dienen Farbkleckse dazu, die Position der Symbole zu bestimmen. Alle Kunstkarten kommen in einer Kartenbox auf die Spielmatte, dann werden fünf davon gezogen und offen ausgelegt.

In deinem Spielzug kannst du aus 2 Aktionen wählen:
A. Du nimmst dir eine Kunstkarte. Die äußerst linke Kunstkarte ist kostenlos, für jede andere musst du auf jede Karte, die du dabei überspringst (die sich also links davon befindet), einen deiner Inspirationsmarker legen. Inspirationsmarker, die bereits auf der gewählten Karte liegen, nimmst du ebenfalls an dich. Diese Aktion darfst du nur dann durchführen, wenn du weniger als 5 Kunstkarten auf der Hand hast.

B. Du vervollständigst ein Gemälde. Hierfür nimmst du genau 3 deiner Kunstkarten auf der Hand und steckst sie in beliebiger Reihenfolge zu einer deiner Hintergrundkarten in die Hülle. Dann vergleichst du das fertige Gemälde mit den Wertungsbedingungen der für diese Partie geltenden Wertungskarten. Für jede erfüllte Bedingung erhältst du ein entsprechendes Abzeichen. Diese Aktion kannst du klarerweise nur dann durchführen, wenn du mindestens 3 Kunstkarten auf der Hand hältst.

Das Spiel endet, wenn jeder drei Gemälde fertigstellen konnte. Nun kommt es zur Punktewertung, bei der festgestellt wird, wie gut du dich an die vorgegebenen Kriterien der Wertungskarten gehalten hast. Auf jeder Wertungskarte ist angegeben, wie viele Punkte du für welche Anzahl an entsprechenden Abzeichen erhältst. Wenn deine Gesamtpunktezahl höher ist als jene deiner Malerkollegen ist, hast du dich als wahrer Meistermaler erwiesen.

Fazit

Transparente Hüllen - hatten wir dies nicht schon mal irgendwo? Ja, das originelle Deckbauspiel Mystic Vale bediente sich dessen. Ich hatte damals aber bereits das Gefühl, dass dieses zweifellos innovative Element dort nicht ganz zur Geltung kam, dass da noch wesentlich mehr drinsteckt. Damit habe ich mich nicht getäuscht, denn bei Canvas ist die Nutzung von Klarsichthüllen besser gelungen, handelt es sich hier doch um eine Komposition von Bildern mit Hilfe von verschiedenen Motiven.

Das Thema wird bei Canvas großgeschrieben. Dies fängt bei der Schachtel an, die man - Dank einer Vertiefung am Schachtelboden - tatsächlich wie ein Bild an die Wand hängen kann. Kein Titel oder andere Angaben, wie Autor, Verlagslogo, etc. stören den Anblick. Auch die Terminologie ist sehr thematisch, denn die Gestaltungselemente werden hier als "Farbe", "Form", "Textur" und "Tönung" bezeichnet. Ebenso die Wertungskarten, welche Kriterien, wie "Vielfalt", "Wiederholung", "Symmetrie", "Proportionen", "Stil", usw. bewerten. Auf diese Weise gelingt es wunderbar, die Spieler in die Materie hineinzuziehen.

Spielmechanisch sind sowohl die endgültige Optik als auch der entstandene Titel ohne Bedeutung. Es kommt lediglich auf die Elementsymbole an. Es gilt, mit diesen Symbolen möglichst viele der Bedingungen auf den geltenden Wertungskarten zu erfüllen, um Abzeichen zu erhalten. So muss dein Gemälde etwa, um dir ein Abzeichen für "Vielfalt" zu bringen, alle vier Elementsymbole aufweisen. Oder für ein Abzeichen "Stil" mindestens 3 Symbole "Textur".

Das klingt auf den ersten Blick etwas banal, und manche in meinen Spielgruppen unterschätzten dies anfangs. In Wirklichkeit ist es keine so leichte Aufgabe, die Karten geschickt miteinander zu kombinieren, die Anordnung der Symbole zu optimieren, um ein Maximum an Wirkung zu erzielen. Da musst du manchmal ganz schön tüfteln und rumprobieren. Gut, dass das Handkartenlimit auf 5 Stück begrenzt ist, sonst entstünde eine deutlich höhere Downtime als das Spiel verträgt.

Überhaupt ist das Spielgefühl eher solitär, da du hauptsächlich mit deinen eigenen Kunstwerken beschäftigt bist. Du willst schließlich anhand der aktuellen Kriterien der Wertungskarten und der zur Verfügung stehenden Kunstkarten das Beste herausholen. Ein geringes Maß an Interaktion entsteht lediglich durch das Wegschnappen von Kunstkarten und durch den Einsatz von Inspirationsmarkern.

Dafür besticht das Spiel durch seine Variabilität. Die unterschiedlichen Wertungskarten ermöglichen dir eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten, die von dir jeweils immer eine andere Spielweise, eine etwas andere Strategie erfordern. Außerdem kannst du damit den Schwierigkeitsgrad beliebig justieren. Ein paar Szenarien sind am Ende der Spielregel bereits angeführt, von vereinfacht bis zu komplex, aber du kannst es auch nach Wunsch auf deine individuellen Anforderungen einstellen. Es wird leichter, wenn sich mehrere Wertungskarten ergänzen und kombinieren lassen, oder schwieriger, wenn diese sich eher widersprechen, was eine bessere Fokussierung auf bestimmte Elemente erfordert.

Und natürlich gibt es für Canvas die Möglichkeit für ein Solo-Spiel. Du kannst entweder gegen "Vincent" antreten, einen "Dummy", der dir zufallsbestimmt ein paar Kunstkarten aus der Auslage wegnimmt. Oder das Solo-Puzzle versuchen, bei dem du mehr Einfluss und Manipulationsmöglichkeiten auf das ausliegende Angebot hast. Beide Varianten sind reizvoll, eine Tabelle verrät dir in beiden Varianten, wie erfolgreich du agiert hast.

Mir gefällt Canvas ausgesprochen gut, die Verbindung aus schöner Gestaltung und taktisch geprägtem Spiel finde ich sehr gelungen. Ich gehe sogar so weit, auf gut Wienerisch zu behaupten: Canvas is leiwand! Ich muss aber zugeben, dass nicht alle Mitspieler in den diversen Spielrunden meine Meinung teilen.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Canvas: 4,0 4,0, 4 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.11.21 von Franky Bayer - Schönes Spiel, bei dem endlich mal transparente Hüllen wirklich originell eingesetzt werden, um Gemälde zu erschaffen. Nicht so einfach wie es ausschaut und taktischer, als es den Anschein hat.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.10.21 von Udo Kalker - Recht nette Idee, mit den transparenten Layern ein Bild zusammenzustellen. Spielmechanisch bietet Canvas allerdings bekannte Hirnverzwirbelungen beim Nehmen der Bildebenen, wie man welches Symbol in welcher Combo mit welchem anderen am gewinnbringendsten zusammenstellt. Recht grübellastig und damit als 4er-Partie mit viel Downtime.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.01.22 von Andreas Büger - Super schönes Material
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.01.22 von Andreas Odendahl - Ein wenig komplexes Spiel. Trotz wunderschönem Thema doch sehr abstrakt. Das Thema kommt eher über das Meta-Spiel rein, denn obwohl man nur Formen- und Symbolsets sammelt, gibt man sich schon ein wenig Mühe ein schönes Bild zusammenzustellen. Unerwartet gut und ein schönes Familienspiel!

Leserbewertungen

Leserwertung Canvas: 4,3 4.3, 6 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 20.02.21 von Dietrich
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 10.12.21 von Der Fisch - Ich gebe zu: dieses Spiel wollte ich vorher unbedingt mögen. Meine Erwartungen war eine tolle Gestaltung, ein innovatives Spielkonzept und jede Menge Kreativität, die mir das Thema versprach. Ganz kurz gesagt: genau das bekommt man! Es gibt einen hohen Wiederspielreiz, der das Setcollection-Prinzip auch dann noch frisch hält, wenn man schon einen Teil der Kunstwerke kennt. Das hochwertige Material, die Spielschachtel und die knackige Spieldauer tun ihr Übriges - dieses Spiel wird fester Bestanteil meiner Spielesammlung.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.12.21 von Koeppquist - Liegt es daran, daß Kunst für mich ein "Buch mit sieben Siegeln" ist? Ich weis es nicht, Aber Begeisterung kam bei mir einfach nicht auf.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.12.21 von Kivi - Wow, ein wirklich stimmiges Spiel. Hier passt einfach alles zusammen, die einfachen Regeln, die schnell verinnerlicht sind (oder auch erklärt), das Thema, welches von der Aufmachung grandios eingefangen und getragen wird, bis hin zum großartigen Spielmaterial. Im Prinzip ist es ein einfaches Set-Collection Spiel, dass uns jedoch einige Grübeleien abverlangt, über die bei jedem Spiel anderen Wertungsmöglichkeiten die punkteträchtigsten Gemälde zu erschaffen. Aber dabei sind die Spielzüge doch schnell abgehandelt, und in der Zeit, in der die anderen Spieler sich ihre nächste zu nehmende Folie aussuchen, arbeiten die anderen Spieler an der Zusammenstellung der Gemälde, dadurch bleibt die Downtime in der Regel recht kurz. Die Symbolik ist schnell klar, die Wertungskarten haben auf der Rückseite eine Erklärung, so dass nicht im Regelheft nachgeschlagen werden muss. Das Spiel ist dadurch schnell gespielt, zu zweit geht es meist unter den angegebenen 30 Minuten. Warum dann keine Top-Bewertung: Weil es kein Spiel ist, was ich wochenlang regelmäßig spielen möchte. Es macht Spaß, sieht grandios aus, spricht mich total an, ich mag es nur nicht immer und immer wieder spielen. Aber: Wer Set-Collection mag muss einfach zugreifen. Ein wirklich feines Spiel, das auch noch schön aussieht und die durchsichten Folien gekonnt einsetzt.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 27.12.21 von Rodriguez - Klassisches SdJ-Material... Einladend, hübsch, einfach zu lernen. Aber mir persönlich fehlt etwas, um es dauerhaft spielen zu wollen. Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen der theoretischen Schnelligkeit der Züge, und auf der anderen Seite die Nuancen-Grübelei wie daraus ein punkteträchtiges Werk wird.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 12.01.22 von Matty - Ich konnte nachträglich eine Kickstarter-Version zum fairen Preis bekommen und habe mich zunächst sehr drüber gefreut. Spielmaterial wirklich hübsch, liebevoll zusammengestellt und einer prall gefüllten, kompakten Schachtel. Das Spiel selbst funktioniert grundsätzlich auch gut. Warum ich es trotzdem - schweren Herzens - wieder verkauft habe: Sowohl meine durchaus Malerei-affine Partnerin als auch ich hatten auch nach ca. 4 oder 5 Partien nie das Gefühl etwas zu gestalten. Es war einfach nur eine trockene Optimieraufgabe, die uns emotional überhaupt nicht berührte. Der Kartenauswahlmechanismus an sich gefällt uns bei Micropolis besser, da kommt subjektiv auch thematisch mehr rüber. Zwar würde ich eine Partie nicht ablehnen, das Spiel vorschlagen aber nicht. Zudem denke ich nicht, dass es mit mehr als 2 Spielern gewinnt (erst beim Zug selbst: "welche Karte ist jetzt noch übrig? Wie lege ich die am besten? Soll ich da wirklich investieren...?"). Schade...

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