Rezension/Kritik - Online seit 30.03.2017. Dieser Artikel wurde 2795 mal aufgerufen.

Tempel des Schreckens

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Autor: Yusuke Sato
Verlag: Schmidt Spiele
Rezension: Sandra Lemberger
Spieler: 3 - 10
Dauer: 15 Minuten
Alter: ab 8 Jahren
Jahr: 2016
Bewertung: 5,0 5,0 H@LL9000
5,5 5,5 Leser
Ranking: Platz 544
Download: Kurzspielregel
Tempel des Schreckens

Spielziel

Die Schätze eines Dschungeltempels sollen gefunden werden – zumindest ist das die Absicht der an diesem Unterfangen beteiligten Abenteurer. Die Wächter der Schätze dagegen verfolgen ganz andere Ziele. Denn sie möchten ihre Schätze keineswegs verlieren. Die spannende Frage lautet jedoch: Wer ist Wächter und wer Abenteurer?

Ablauf

Jeder Spieler zieht geheim eine Charakterkarte, die ihn entweder der Fraktion der Wächterinnen oder der Abenteurer zuteilt. Abhängig von der Spielerzahl wird eine bestimmte Menge an Schatzkarten, Karten mit leeren Tempelkammern sowie Feuerfallenkarten gemischt und an die Spieler verteilt. Danach verfügt jeder über fünf Karten, die er sich ansehen darf. Anschließend muss er diese Karten mischen und verdeckt nebeneinander vor sich auslegen.

Nun beginnt eine Art Informations-/Diskussionsrunde, in welcher die Spieler die anderen darüber informieren, welchen Charakter sie gezogen haben und welche Karten vor ihnen ausliegen. Dabei muss nicht die Wahrheit gesagt werden.

Der aktive Spieler (er besitzt die Schlüsselkarte) entscheidet danach, bei wem er eine Tür aufschließt (= Karte aufdeckt). Diese wird in die Tischmitte gelegt, ihr Besitzer erhält die Schlüsselkarte und befragt einen weiteren Mitspieler (das darf auch jener sein, von dem er selbst gerade befragt wurde).

Wenn so viele Karten aufgedeckt wurden wie Mitspieler an der Partie teilnehmen, endet eine Runde. Dann werden alle nicht aufgedeckten Karten wieder gemischt und erneut gleichmäßig verteilt, so dass anschließend jeder Spieler vier Karten vor sich liegen hat.

Das Spiel kann auf verschiedene Arten enden:

  • Wenn alle im Spiel befindlichen Feuerfallen aufgedeckt wurden (meistens sind das 2), haben die Abenteurer verloren.
  • Ist die Runde, in der jeder mit zwei verdeckten Karten startete, zu Ende und es wurden nicht alle Schätze gefunden, haben die Abenteurer ebenfalls verloren.
  • Gewonnen haben sie dann, wenn es ihnen vor diesem Zeitpunkt gelingt, alle Schätze aufzudecken.

Fazit

Kurze Regeln ermöglichen einen schnellen Einstieg ins Spiel, bei dem es von Beginn an gleich zur Sache geht. Schließlich hängt von der glaubwürdigen Aussage, die man anfangs trifft, vieles ab. Allerdings hat man es nicht ausschließlich selbst in der Hand, ob einem die Mitspieler glauben oder nicht. Wenn acht Schätze im Spiel sind, es laut den Aussagen der Spieler aber zwölf sein sollen, dann ist klar, dass da ein paar Leute lügen. Nur wer?

Ob man lügen sollte oder nicht, geben teilweise schon die eigenen Handkarten vor: Hat man als Wächterin einige Schätze vor sich liegen, dann ist die Behauptung, man habe keine Schätze oder Schätze UND eine Feuerfalle, recht clever, damit möglichst keiner die eigenen Karten aufdeckt, womit der Schatz vielleicht wenigstens für eine Runde sicher ist. Hat man in derselben Rolle dagegen nur eine Feuerfalle, könnte man die Abenteurer mit der Aussage verführen, man habe Schätze vor sich liegen.

Wie lange man mit einer Lüge durchkommt, hängt aber nicht nur davon ab, wie glaubwürdig man sie präsentiert. Wenn man Pech hat, wird man schon zu Beginn enttarnt, und im Verlauf der weiteren Runden glaubt einem keiner mehr. Das Schöne an diesem Spiel ist aber: Weil man lügen darf, dass sich schier die Balken biegen, kann man sich auch dann wieder ein Konstrukt zusammenbasteln, dass die Kontrahenten auf die falsche Spur lockt.

Das vorliegende kleine Kartenspiel erinnert natürlich an das Prinzip von Die Werwölfe von Düsterwald, das mittlerweile 15 Jahre alt ist und immer noch vielerorts mit Begeisterung gespielt wird. Tempel des Schreckens hat im Vergleich zu diesem Klassiker den Vorteil, dass erstens bis zum Schluss keiner ausscheidet und zweitens die Runden kürzer sind. Unabhängig von der Spielerzahl habe ich noch keine Runden erlebt, die länger als 30 Minuten dauerten, auch nicht in großer Besetzung.

Apropos Besetzung: In kleinen Runden (bis zu vier Teilnehmer) empfand ich das Spiel als sehr reizlos, zu fünft fängt es an, Spaß zu machen. Am besten gefielen mir die Runden, in denen eine Charakterkarte mehr dabei ist als Mitspieler teilnehmen. Dann kommt nämlich eine Karte verdeckt aus dem Spiel und keiner weiß genau, wie viele Wächterinnen es tatsächlich gibt.

Am spannendsten verläuft meistens die Runde, in der jeder nur mehr zwei Schätze vor sich liegen hat (sofern das Spiel nicht schon vorher beendet wurde). Dann knistert es förmlich, wenn die Abenteurer verzweifelt versuchen, den oder die letzten Schätze zu finden und bangen müssen, im letzten Moment vielleicht doch noch eine Feuerfalle aufzudecken.

Sehr gelungen finde ich das Element der erneuten Kartenverteilung zu Beginn jeder Runde. Das sorgt dafür, dass Diskussionen und Mutmaßungen nicht das ganze Spiel über in festgelegten Bahnen verlaufen, sondern dass man die eigenen Aussagen immer wieder aufs Neue an die seiner Mitspieler anpassen muss. Und sich außerdem stets neue Lügenmärchen zurechtlegen muss bzw. kann.

Tempel des Schreckens bietet zu Preisen ab 6,09 € alles, was für mich ein gutes Kommunikationsspiel ausmacht: eine gute Mischung aus Glück, Bluff und detektivischem Spürsinn. Ob die Sache Spaß macht oder nicht, hängt wie immer bei solchen Spiel von der Diskussionsfreude der Spielgruppe ab.

Rezension Sandra Lemberger

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H@LL9000-Bewertungen

Tempel des Schreckens: 4 H@LL9000-Bewertungen, Durchschnitt: 5,0 5,0

Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 09.02.17 von Sandra Lemberger
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.01.17 von Roland Winner
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 14.03.17 von André Beautemps - Zugegeben, das Original "Time Bomb" fand ich noch besser, habe aber Verständnis dafür, dass in der heutigen Zeit das Thema einer Bombenentschärfung oder -explosion für Familien unangemessen erscheint.
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 01.04.17 von Michael Kahrmann

Leserbewertungen

Tempel des Schreckens: 2 Leserbewertungen, Durchschnitt: 5,5 5.5

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.03.17 von Peter
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz Kommentar
Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 30.03.17 von Tim Mertens - Gutes Spiel, keine Frage, allerdings lieber nicht in allzu großer Besetzung. So bis 7 Leute. Prima Alternative, wenn man nicht genügend Leute für Werwölfe hat. Tipp für die Empfehlungsliste.

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