Rezension/Kritik - Online seit 10.09.2022. Dieser Artikel wurde 2257 mal aufgerufen.

Top Ten

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Autor: Aurélien Picolet
Verlag: Cocktail Games
Rezension: Franky Bayer
Spieler: 4 - 9
Alter: ab 14 Jahren
Jahr: 2020
Bewertung: 4,0 4,0 H@LL9000
5,3 5,3 Leser
Ranking: Platz 1723
Top Ten
Auszeichnungen:2021, As d'Or - Jeu de l'Année Nominierung

Spielziel

Wenn ich dich fragte, mit welchem Gegenstand du dich auf dem Deck der sinkenden Titanic am liebsten rettetest, fändest du mit Sicherheit eine passende Antwort. So was wie ein stabiles Schlauchboot mit wärmenden Decken und einem ausreichend großen Vorrat an Lebensmittel und Getränken. Auch für das deiner Meinung nach unbrauchbarste Utensil hättest du wahrscheinlich sofort eine Lösung parat, beispielsweise einen massiven, zentnerschweren Amboss.

Aber das Leben besteht nicht nur aus schwarz und weiß, aus gut und schlecht. Es sind die vielen Abstufungen, die feinen Nuancen, die es ausmachen. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 "totaler Mist" wäre, und 10 das "Über-Drüber-Ultra-Beste", was stellte für die im vorigen Beispiel eine 6 dar? Siehst du, schon bist du mitten im Spiel Top Ten, bei dem es gilt, passende Begriffe, Lösungen zu finden, welche anschließend richtig zugeordnet werden müssen.

Ablauf

Zu Beginn legst du fünf zufällige Themenkarten auf die zentrale Spielmatte bereit. Zusätzlich kommen - abhängig von der Spielerzahl - ein paar Plättchen mit der Einhorn-Seite nach oben auf die Einhornzone der Matte. Nachdem du und deine Mitspieler sich auf einen Startspieler - den Käpten - geeinigt habt, kann es schon losgehen!

Als Käpten nimmst du die oberste Themenkarte und wählst eines der beiden Themen aus, welches du laut vorliest. Jedes Thema hat eine Skala für die Antworten, die durch "von... bis..." angegeben ist. Nachdem du an jeden Spieler (auch dir selbst) verdeckt eine Zahlenkarte (von 1 bis 10) ausgeteilt hast, gibst du als Erster eine Antwort auf die Themenkarte. Anschließend präsentieren deine Mitspieler reihum ihre Antworten.

Nun folgt das Schwierigste: Du musst die Reihenfolge der Antworten raten. Aufsteigend von der niedrigsten bis zur höchsten Zahl lässt du deine Mitspieler ihre Karten aufdecken. Passiert dir dabei ein Fehler, indem einmal eine Karte niedriger ist als die unmittelbar zuvor aufgedeckte, musst du ein Plättchen von der Einhornzone in die Häufchenzone bewegen und umdrehen. Sind nach der letzten Karte noch Einhornplättchen übrig, wechselt der Käpten im Uhrzeigersinn, und eine neue Runde beginnt.

Die Partie gilt als verloren, sobald du das letzte Plättchen in die Häufchenzone legen musstest. Überstehst du mit deiner Gruppe hingegen alle 5 Runden, bevor dies geschieht, habt ihr gemeinsam gewonnen.

Fazit

Top Ten ist also ein Partyspiel. Die Aufgabe von Spielen dieser Gattung ist es, die Mitwirkenden bestmöglich zu unterhalten. Sieg oder Niederlage haben da nicht die oberste Priorität, sondern stehen bei den meisten etwas im Hintergrund. Bei einigen geht es um Wissen, bei anderen müssen Begriffe auf die eine oder andere Weise (pantomimisch, mit Knete, zeichnerisch, mit Wörtern umschrieben, etc.) dargestellt werden.

Top Ten fällt in keine der oben genannten Kategorien. Es geht vielmehr um die richtige Einordnung nach einer vorher festgelegten, aber doch individuell interpretierbaren Skala. Jeder Spieler ist gefordert, zu einem vorgegebenem Thema eine seiner Zahlenkarte entsprechende Antwort abzugeben. Dies kann - je nach Aufgabe - durch eine schauspielerische Darbietung, durch eine Beschreibung, durch Mimik oder durch ein einziges Wort passieren.

Da aber jeder nur seine eigene Zahl kennt, muss man stets die Antworten der Mitspieler einschätzen und abwägen. Dies ist umso schwieriger als jeder Spieler ja eine unterschiedliche Vorstellung hat, unterschiedliche Erfahrungen mitbringt, Dinge anders bewertet. Auch der grundsätzliche Charakter und das Temperament jedes Einzelnen - introvertiert, extrovertiert, ruhig, hektisch, etc. - muss hierbei berücksichtigt werden.

Am leichtesten - so konnten wir in vielen Runden feststellen - sind die Extremwerte (1 und 10) darzustellen, da man dafür nur ausreichend übertrieben agieren muss. Alles was dazwischen liegt, unterscheidet sich zum Teil nur durch Nuancen. Die zufällige Kartenverteilung kann die Aufgabe mal einfacher, mal schwerer gestalten. Sind mehrere Werte eng beisammen, ist die Fehleranfälligkeit höher. Außerdem scheint meiner Meinung nach der Schwierigkeitsgrad - trotz höherer Anzahl an Plättchen - direkt proportional mit der Spielerzahl zu steigen.

Prinzipiell finde ich die Herausforderung bereits in der beschriebenen Normalversion anspruchsvoll genug, denn ein überwiegender Teil meiner bis jetzt gespielten Partien ging - wenn auch meist knapp - verloren. Aus diesem Grund haben wir uns auch bislang noch nicht an die Expertenvariante gewagt, bei der es für den Käpten gilt, die Zahlenkarten der Mitspieler genau zu erraten.

Top Ten hat bei uns jedenfalls voll eingeschlagen. In praktisch jeder Runde wurde - selbst nach anfänglicher Skepsis - mit Begeisterung mitgemacht und mitgelacht. Bei unserem traditionellen Spieletreffen um Christi Himmelfahrt versammelten sich sogar rund um unseren Tisch zahlreiche Zuschauer, so viel Spaß hatten wir. Die Nominierung zum "Spiel des Jahres" - eher selten für ein Partyspiel - ist deshalb leicht nachvollziehbar, auch wenn es für den lorbeerbekranzten roten Pöppel dann wahrscheinlich doch nicht reichen wird.

Übrigens ist bereits ein Nachfolger erschienen: Top Ten 18+ richtet sich dabei mit sicher schlüpfrigeren, nicht jugendfreien Aufgaben eher an eine erwachsenere Klientel. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Spiel ebenfalls recht erfolgreich sein wird.

Rezension Franky Bayer

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H@LL9000-Bewertungen

H@LL9000 Wertung Top Ten: 4,0 4,0, 5 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 28.06.22 von Franky Bayer - Ich kann aufgrund der begeisterten Reaktionen in bisher allen Spielrunden nur die Höchstnote vergeben. Ein Spiel des jahres ist es m. E. trotzdem nicht.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 25.06.22 von Michael Andersch - Naja... irgendwie typisch, dass die Jury dieses Spiel in den engeren Kreis nimmt. Witziges Prinzip, aber das Spiel funktioniert in Teilen nicht, wenn Mitspieler nicht in der Lage sind bzw. sich trauen, verbal oder zum Teil auch schauspielerisch aus sich heraus zu gehen. Und mit kleiner Spielerzahl ist es zu einfach, mit großer Spielerzahl richtig schwer.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 07.07.22 von Silke Hüsges
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.09.22 von Andreas Büger
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 05.09.22 von Michael Timpe - Je nach Karte und Aufgabenstellung sehr lustig. Funktionierte sogar in Besetzung mit 4 Erwachsenen und 3 Kindern (9-12) recht gut. Nur die Aufmachung ist sehr trocken, keine lustigen Bilder oder ähnliches, was auch die Fantasie anregt. Von 1 Langweilig bis 10 Lustig (Eselsbrücke z.B.) ist Top Ten eher nur eine 2-3.

Leserbewertungen

Leserwertung Top Ten: 5,3 5.3, 3 Bewertung(en)

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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 23.05.22 von Axel B. - Dass dieses Spiel hier noch keine Bewertung erhalten hat, geht gar nicht. Da muss ich doch gleich mal was schreiben: "Top Ten" ist eines der besten Kreativ-Spiele, die ich jemals gespielt habe, und ich kenne viele. :-) Es geht hier darum, für eine zufällig gezogene Situation auf einer Skala von 1 bis 10 etwas Passendes zu sagen oder darzustellen. Diese Beiträge muss der/die ZugspielerIn dann in die richtige Reihenfolge bringen. Hä? Na gut, zu theoretisch, also hier 2 Beispiele von einer der Karten: "Schreib einem Freund eine Postkarte aus dem Urlaub. Von HORRORURLAUB bis TRAUMURLAUB." Oder: "Der Systemadministrator fragt dich vor allen anderen nach deinem Passwort. Wie lautet es? Von WEN JUCKT´S? bis DU VERSINKST IM ERDBODEN." Jede/r zieht jetzt eine Karte zwischen 1 und 10 und muss dementsprechend agieren. Hast du also die 1 oder 2 oder 9 oder 10 gezogen, sagst oder spielst du etwas Extremes, hast du eine 4, 5 oder 6 gezogen, sagst oder spielst du etwas Gemäßigtes (das ist oft am schwersten). Der/Die Spielerin am Zug hat dann die Aufgabe, die richtige Reihenfolge der Darstellungen zu finden, d.h. zu erkennen, dass im zweiten Beispiel das Passwort "Berlin" wahrscheinlich eine niedrigere Zahl hinter sich hat als das Passwort "Schatzimausi". Klingt erst mal nicht so spektakulär? Ist es aber, glaubt es mir, und kann auch ganz schön schwierig werden, wenn z.B. die 4, die 5 und die 6 gezogen wurden. Da muss man nämlich auch das unterschiedliche Temperament der MitspielerInnen mit in die Einschätzung einbeziehen. Was bei Jonas wie eine 5 aussieht, sieht bei Lisa vielleicht eher wie eine 7 aus. Dieser psychologische Faktor würzt das Spiel zusätzlich. Ok, genug gelabert, ich komme zum Punkt: "Top Ten" hat bei uns voll eingeschlagen. Wer kreative, kommunikative Spiele liebt, ist hier absolut richtig. Für mich ist "Top Ten" das perfekte Spiel des Jahres. Besonders toll: Es gibt viele Karten mit insgesamt 500 Situationen. Da kann man verdammt lange spielen, bevor sich was wiederholt. Und: Kaum Regeln, riesiger Spielspaß. Auf der Skala von 1 bis 10 von "Ab in die Tonne" bis "Ein echtes Wahnsinns-Spiel, jederzeit wieder" vergebe ich hiermit eine 11. Alles klar? Kaufen!
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 04.06.22 von Peter Steinert - Top Ten ist ein nettes Partyspiel, das in der richtigen Gruppe für bemerkenswert witzige Momente sorgen kann. Problem: Das Konzept ist mit seinen Anforderungen an Kreativität, Spontaneität, Beweglichkeit, Humor, Wortschatz, Empathie und schmerzbefreite Albernheit deutlich weniger barrierefrei als viele "Artverwandte" der letzten Zeit, wie beispielsweise Just One, So Kleever!, Dixit, Master Word, Crazy Pix, Perfect Match oder sogar Codenames. Damit ist die anvisierte Zielgruppe dermaßen speziell, dass ich die Statuten der Jury SdJ ("Förderung des Kulturgutes Spiel in Gesellschaft und Familie") hier nur teilweise erfüllt sehe. Ab 12 Jahren? Nö, längst nicht bei jeder Aufgabenstellung! Anders ausgedrückt: Bei Abwesenheit nur einzelner der oben genannten Anforderungen findet ein Spielgeschehen entweder nicht mehr statt oder ist zumindest unmittelbar gehemmt; die gewünschte Wirkung bleibt aus! In Minimalbesetzung (4 Personen) macht das Spiel außerdem noch nichtmal besonders viel Laune, auf Varianten gegen diesen Umstand wurde leider verzichtet. Das Material hingegen finde ich visuell wie haptisch originell - bis auf die Zahlenkarten, die eigentlich viel robuster sein müssten und bei denen die "10" in bereits drei mir bekannten Exemplaren fehlproduziert und somit "gezinkt" ist... Warum nicht einfach mal unkaputtbare Tafeln, passend zum übrigen Materialdesign? Oder ebenfalls Pokerchips? Eine Würdigung verdient dieses "Insiderspiel" durchaus (auch wegen seiner genialen Kartentexte), die Nominierung ist für mich jedoch überhaupt nicht nachvollziehbar.
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Aufmachung Spielbarkeit Interaktion Einfluss Spielreiz 13.09.22 von Lauro - Kommt bei uns sehr gut an, begeistert Vielspieler, Gelegenheitsspieler und sogar Nichtspieler.

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